Die Stadtbücherei in Fröndenberg soll künftig ein Ort sein, der zu mehr als der bloßen Buchausleihe einlädt: Zeitung lesen, im Internet surfen, lernen oder Kaffee trinken. Der neue Standort steht unterdessen bald fest.

Fröndenberg

, 06.08.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Stadtbücherei soll Fröndenberg weiterhin haben, das hat der Rat so beschlossen. Die neue Bibliothek wird allerdings mit der seit vielen Jahren am Markt bekannten nur noch die Buchausleihe gemeinsam haben. „Wir hoffen, in den nächsten Tagen bei der Standortsuche Vollzug melden zu können“, sagte Fachbereichsleitung Ole Strathoff am Montag.

Während der neue Standort noch gesucht wird, gibt es für das Innere schon Konzepte. „Dritter Ort“ nennen Soziologen eine Bücherei, die zwischen dem Zuhause, dem ersten Ort, und dem Arbeitsplatz, dem zweiten Ort, steht.

Neue Stadtbücherei in Fröndenberg darf mit 30 Prozent mehr Besuchern rechnen

Man wird dort gut beraten und findet reichlich Lesestoff – aber eng ist es schon in der Stadtbücherei Fröndenberg, die die Räume mit der Buchhandlung Kern teilt © Archiv

Zum 31. Dezember 2019 will Buchhändlerin Brigitte Kern in den Ruhestand gehen. Daher drängt die Zeit. Die Stadt Fröndenberg wird schon seit längerer Zeit von der Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW in Düsseldorf beraten. Deren Leiterin Petra Büning hat sich gemeinsam mit Innenarchitekten sowohl das Bücherparadies von Brigitte Kern als auch die Fröndenberger Innenstadt angesehen. Büning weiß, was in Fröndenberg geht und was nicht geht, vor allem weiß sie, was Fröndenberg haben sollte.

»Bibliotheken sind der einzige kulturelle Ort, für den man keinen Eintritt zahlen muss.«
Petra Büning, Fachstelle Öffentliche Bibliotheken

„Was wirklich wünschenswert wäre, kann man nirgendwo realisieren“, räumt Petra Büning ein. Kein in der Innenstadt verfügbarer Raum wäre dafür groß genug, und den Neubau einer Bücherei werde sich Fröndenberg wohl nicht leisten.

Dennoch könne auch auf verhältnismäßig kleinem Raum ein Angebot anderer Art geschaffen werden, das nicht nur neues Publikum anlockt, sondern auch zu längerem Verweilen in der Stadtbücherei einlädt.

Jetzt lesen

Eine Stadtbücherei habe vor allen anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal. „Bibliotheken sind der einzige Ort, an dem Menschen nichts verköstigen, keinen Eintritt zahlen müssen, sich aufhalten dürfen, wo sie Austausch und Inspiration erlangen können – und wo sie sich wohlfühlen.“

Neue Stadtbücherei in Fröndenberg darf mit 30 Prozent mehr Besuchern rechnen

Auch in der Vergangenheit hat es in der Fröndenberger Stadtbücherei Autorenlesungen, wie hier mit Marjaleena Lembcke, gegeben. Ein regelmäßiges Programm gibt es allerdings nicht. © Hennes

Das Land fördert die Neuausrichtung für Bibliotheken, die sich einem größeren Kreis von Menschen öffnen. Daher gibt es bestimmte Vorgaben, was Fröndenberg künftig seinen Bürgern wird bieten müssen:

Die Bücherei als Ort für Veranstaltungen

Das Ziel der künftigen Fröndenberger Stadtbücherei müsse es sein, dass ihre Räume auch von Vereinen, Gruppen oder Institutionen genutzt werden können. „Man könnte einen Seniorenlesering aufbauen“, nennt Petra Büning ein Beispiel. Autorenlesungen, die es neben dem regelmäßigen Sommerleseclub nur hin und wieder gab, sollen künftig Standard werden, ähnlich vielleicht wie der Autorenfrühling und der Autorenherbst bei Daub in Menden.

Neue Stadtbücherei in Fröndenberg darf mit 30 Prozent mehr Besuchern rechnen

Stadtbüchereien als Dritter Ort bieten heutzutage viel Aufenthaltsqualität für die Besucher wie hier in Bergneustadt. Auch diese Kommune ist von der Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW beraten worden. © Fachstelle Öffentl. Bibliotheken

Die Stadt werde sich überlegen müssen, mit wem sie kooperieren kann, das könnte die VHS ebenso sein wie Schulen oder Vereine. Denkbar ist auch, dass Heimatmuseum und Stadtbücherei eine gemeinsame Reihe aus der Taufe heben.

Die Bücherei als Lernort

Was bisher in den gemeinsamen Räumlichkeiten von Buchhandlung und Bücherei nicht möglich ist, gehört zu einem wesentlichen Merkmal des „Dritten Ortes“: Es gibt eigene Bereiche mit Computerarbeitsplätzen für Schüler. Die Lernatmosphäre sei heutzutage zuhause häufig nicht ideal, bedingt auch durch kleine Wohnungen von Alleinerziehenden. Allein dieses für eine Förderung wichtige Kriterium erfordert deutlich größere Räumlichkeiten für die Bücherei als bislang.

Neue Stadtbücherei in Fröndenberg darf mit 30 Prozent mehr Besuchern rechnen

In der Stadtbücherei Schwerte betreibt der Freundeskreis eine Kaffeebar – auch ein solches Angebot ist in Fröndenberg vorstellbar. © Fachstelle Öffentl. Bibliothek

Statistik

Zahl der Besucher zurückgegangen

  • Eine statistische Auswertung hatte 2018 folgendes Bild ergeben:
  • Die Zahl der Gesamtnutzer der Stadtbücherei ist leicht zurückgegangen von 874 Besuchern 2016 auf 810 im Jahr 2017.
  • Besonders stark gingen die Zahlen bei den bis 12-Jährigen zurück: von 217 auf 178; leicht bei den Jugendlichen/Erwachsenen von 518 auf 488. Sie stagnierten bei den Senioren ab 60 Jahre um 140.
  • Fröndenberger leihen zudem vielfach in der Nachbarschaft Bücher aus (2017): 1141 Nutzer waren in Unna und 280 in Menden registriert.

Die Bücherei als Ort zum Verweilen

Für eine Stadtbücherei werde aktuell definitiv zu wenig Platz geboten. „Eingeschlossen in Regalen“, so Petra Büning, dürften sich die Besucher nicht fühlen. Der Ort müsse so einladend sein, dass Gäste Spaß daran haben, in der Gruppe oder auch allein „dort sitzen zu bleiben“. Dafür gebe es in vergleichbar großen Städten schon viele Beispiele modernisierter Bibliotheken, ob in Brilon, Lüdinghausen oder Vreden. „Wenn Sie dort hereinkommen, spüren Sie eine ganz andere Atmosphäre“, so Petra Büning. Die Stadtbücherei kann also durchaus Treffpunkt werden von Familien, Jugendlichen oder Senioren, die sich zum Einkauf, zur Freizeit oder zum Essen verabredet haben.

»Die Bibliotheken sind voll – voll mit Menschen.«
Petra Büning, Fachstelle Öffentliche Bibliotheken

Die Fachstelle hat bislang Dutzende von Städten und Gemeinden auf dem Weg zu einer Stadtbücherei als Drittem Ort begleitet. Man freue sich in Düsseldorf sehr, dass auch Fröndenberg die bibliothekarische Versorgung auf eine andere Ebene stellen wolle. „Das hat eine hohe Priorität bei uns“, verrät Petra Büning.

Fröndenberg habe am Ende sicherlich keine Bibliothek de luxe, es bleibe eine Bücherei der Grundversorgung, „bescheiden, aber auf gutem Standard.“

Das Konzept, in Büchereien Aufenthaltsqualität zu bieten, sei attraktiv. Die Erfahrung zeige, dass Besucherzahlen in aller Regel um 30 Prozent steigen.

Petra Büning: „Die Bibliotheken sind voll – voll mit Menschen.“

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen