Stadt hat Kapazitäten des Ostbürener Kanalnetzes überprüft

dzHochwasserschutz

Fasst das Kanalnetz in Ostbüren genug Wasser – auch aus den Neubaugebieten? Die Stadtverwaltung hat ein Büro beauftragt, dieser Frage nachzugehen. Für den Hochwasserschutz ist das aber nur die halbe Miete.

Fröndenberg

, 06.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viel Wasser hält das Kanalnetz aus? Und hält das Kanalnetz städtebaulichen Veränderungen mit Einwohnerzuwachs stand? Dieser Frage sollte sich eine Kommune alle 25 bis 30 Jahre stellen. Fröndenberg hat einen sogenannten Zentralen Abwasserplan (ZAP) für jeden Ortsteil. Vor allem mit Blick auf die Veränderungen durch das Neubaugebiet Am Obsthof hat die Stadtverwaltung bereits vor einem Jahr die Neuauflage des Zentralen Abwasserplans für Ostbüren in Auftrag gegeben.

„Das hatte nichts mit den Hochwasserereignissen zu tun“, erklärt Bauamtsleiter Martin Kramme. Tatsächlich sei es an der Zeit gewesen. Vor allem mit Blick auf die baulichen Veränderungen in Ostbüren. Dass die Ergebnisse des neuen ZAP bei der Untersuchung der Hochwasserursachen in Ostbüren dienlich waren, sei ein glücklicher Zufall gewesen. Anders hätten Stadtverwaltung und das beauftragte Mendener Ingenieurbüro wohl nicht so schnell Fakten liefern können.

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Die wesentlichen Inhalte des Zentralen Abwasserplans werden in der Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses am 11. Februar vorgestellt. In der Ratssitzung am 4. März soll er beschlossen und muss danach bei der Oberen Wasserbehörde angezeigt werden. Anschließend werden die Träger öffentlicher Belange beteiligt und es gibt möglicherweise eine erneute Beratung.

95 Liter Abwasser erzeugt jeder Ostbürener pro Tag

Im Mittel der Jahre 2014 bis 2018 waren in Ostbüren 782 Einwohner über ein rund 6,8 Kilometer langes Mischwassernetz an die Kläranlage Ostbüren angeschlossen. Jeder Bürger erzeugte rund 95 Liter Abwasser am Tag. Das ergibt nach Berechnungen der Experten einen kontinuierlichen Zulauf zur Kläranlage von rund 3,3 Liter in der Sekunde. Hochgerechnet pro Jahr sind das 26.720 Kubikmeter Abwasser.

Stadt hat Kapazitäten des Ostbürener Kanalnetzes überprüft

Wenn der Regen und das Wasser kommen, ist Schlamm das nächste Problem: Der Ostbürener Hof Pieper wurde trotz Hochwasserwänden überschwemmt. Bis in die Garagen lief die Mischung aus Schlamm und Hagel. © privat

Für die komplexe Berechnung der Kapazitäten des Kanalnetzes wird der kontrollierte Abfluss von versiegelten Flächen in den Kanal mit einbezogen. Als Bemessungsgrundlage hat das Büro aus Menden ein 30-minütiges Regenereignis mit einer Intensität, die etwa alle drei Jahre vorkommt, zugrunde gelegt. Bei Jahrhundertereignissen wie es sie in Ostbüren in den vergangenen Jahren gleich zweimal gab, wäre das Kanalnetz ohnehin überfordert.

Im Ergebnis muss das Kanalnetz an einigen Stellen geprüft oder ertüchtigt werden. Die Kosten werden auf 1.450.000 Euro geschätzt und sind im Investitionskostenplan des Abwasserbetriebes für das Jahr 2021 dargestellt.

Reine kanaltechnische Untersuchtung

Doch der Zentrale Abwasserplan ist Ergebnis einer reinen kanaltechnischen Untersuchung, betont Martin Kramme. Es ging darum herauszufinden, ob die bestehenden Anlagen mit dem Wasser aus den Neubaugebieten fertig werden. „Jetzt gucken wir, wie wir das Wasser in das Kanalnetz bekommen“, sagt der Bauamtsleiter. Denn das ist in Ostbüren das größere Problem.

Stadt hat Kapazitäten des Ostbürener Kanalnetzes überprüft

Am Obsthof entstehen Ein- und Mehrfamilienhäuser. Im Kanalnetz steigt dadurch auch der Abwasserzufluss. © Jacobi

Hindernisse und mögliche Lösungen wurden bereits bei einer Informationsveranstaltung in Ostbüren vorgestellt. Bürgerinnen und Bürger können die Informationen dazu auch auf der Homepage der Stadt unter www.froendenberg.de abrufen.

Wie es weitergeht, entscheidet die Politik

Noch sammelt die Verwaltung Anregungen von Bürgern, die die Ergebnisse der Expertenuntersuchung ergänzen. Im Anschluss wird eine Prioritätenliste erstellt, über die die Politiker im nächsten Bau- und Verkehrsausschuss ebenfalls diskutieren sollen. Diese Prioritätenliste könnte auch Maßnahmen beinhalten, bei denen Bürgerinnen und Bürger in die Pflicht genommen werden.

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Denn wie die Ingenieure aus Menden festgestellt haben, entwässern einige Ostbürener ihre Grundstückseinfahrten nicht korrekt. In Summe und addiert mit den anderen Problemen im Ort, habe das laut Experten einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung von Hochwasser im Ortskern. Eigentlich wären die hier angesprochenen Ostbürener selbst verantwortlich, sich sofort um die Entwässerung zu kümmern.

Kontakt zum Thema Hochwasser

  • Martin Kramme,Tel. (02373 ) 976277; E-Mail: M.Kramme@froendenberg.de
  • Markus Törnig, Tel. (02373) 976288; E-Mail: M.Toernig@froendenberg.de
  • Kontaktperson zum Thema Entwässerung ist ebenfalls Markus Törnig.
  • Anregungen zum Thema Straßenreinigung: Roya Mirsharifi, Tel. (02373) 976234; E-Mail: R.Mirsharifi@froendenberg.de

Ob die Stadt nun hergeht, und die korrekte Entwässerung anordne, oder ob andere Maßnahmen zunächst wichtiger und bürgerfreundlicher seien, sei eine Frage, die nun die Politik beantworten solle, sagt Martin Kramme.

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