„Eine Aussicht zum Niederknien“: Das wird neu in Stiftsgebäude und Stiftskeller

dzStiftskeller

Den Stiftskeller vermissen viele Fröndenberger als Gaststube. Nachdem Wirt Charly Riepl das Haus verlassen hat, setzt die Stadt alles auf eine Neuverpachtung. Dafür wird jetzt einiges neu im Stiftsgebäude.

Fröndenberg

, 05.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Stiftskeller ist seit dem 1. Juli 2019 verwaist: Für das gut-bürgerliche Wirtshaus hat die Stadt bislang keinen neuen Wirt gefunden. Jetzt soll im Stiftsgebäude so einiges auf Vordermann gebracht werden.

»Das Fraktionszimmer im Erdgeschoss wird vermutlich zu einer Küche umgebaut.«
Beigeordneter Günter Freck

Stiftsgebäude und somit die Räume des Stiftskellers befinden sich im Eigentum der Stadt. Private und städtische Nutzung gehen in dem bedeutenden Baudenkmal Hand in Hand. Das wird am sichtbarsten im Stiftssaal, der nicht nur für die Stiftskonzerte, sondern auch für die Sitzungen des Stadtrates genutzt wird.

Und auch der Pächter des Stiftskellers darf nach Vereinbarung den Saal für eigene Veranstaltungen nutzen.

Die Modernisierungsmaßnahmen, die die Stadt jetzt beauftragt, unterstützen daher sowohl die Arbeit des Stadtparlaments, als auch bestenfalls die Chancen einer baldigen Neuverpachtung des Stiftskellers.

Jetzt lesen
„Eine Aussicht zum Niederknien“: Das wird neu in Stiftsgebäude und Stiftskeller

Die Räumlichkeiten des Stiftskellers sind großzügig; neben dem Schankraum gibt es einen Gesellschaftsraum und auch der Ratssaal darf nach Vereinbarung untervermietet werden. © Stadt Fröndenberg

Zur Sache

Pachtzins seit zwei Jahren unverändert

  • Die Stadt hat mittlerweile einen Makler zur Vermarktung des Stiftskellers eingeschaltet. Momentan gibt es Interesse an dem Objekt, allerdings noch keine konkreten Anmietungsverhandlungen.
  • Das Portal Immobilenscout24 ruft für eine Gesamtfläche von 531 Quadratmeter einen Pachtzins von 1255 Euro auf; exakt dieser Betrag stand bereits vor zwei Jahren zu Gebote, als sich die Kündigung von Wirt Charly Riepl abzeichnete. Für Nebenkosten (ohne Heizung, Strom, Müllabfuhr) werden 350 Euro veranschlagt.
  • Die Gaststätte selbst hat eine Größe von rund 167 qm, der Gesellschaftsraum hat rund 130 qm, Außenterrasse/Biergarten werden mit 105 qm angegeben; die zugehörige Wohnung ist 129 qm groß. Zu dem Objekt gehören auch zwei Garagen.
  • „Die herrliche Außenterrasse bietet Ihren Gästen eine traumhafte Aussicht vom Biergarten zum Zentrum“, heißt es im Exposee.

Bereits im abgelaufenen Jahr ist im Treppenhaus die Beleuchtung erneuert worden; demnächst soll die bei der Stadt angestellte Malerin dem Treppenhaus auch einen neuen Anstrich verpassen. Sie ist derzeit allerdings erkrankt.

Akustik, Beleuchtung und eine neue Küche – 2020 tut sich etwas

Dieses Jahr soll sich nun Einiges im Ratssaal tun, der bei offiziellen wie privaten Anlässen ein sehr repräsentatives Erscheinungsbild hat.

So soll die Akustik im Saal verbessert und die Beleuchtung erneuert, zudem muss der Bodenbelag überarbeitet werden, auch im Saal stehen Malerarbeiten an.

Sobald die Pächtersuche abgeschlossen ist, teilte Beigeordneter Günter Freck auf Anfrage weiter mit, sollen im Untergeschoss die WC-Anlage erneuert, ein Speisenaufzug eingebaut und Maler- und Putzarbeiten durchgeführt werden.

Kurzfristig sollen auch die Toiletten im Obergeschoss saniert werden.

Eine sehr wesentliche Veränderung ist ebenfalls geplant: „Das Fraktionszimmer im Erdgeschoss wird vermutlich zu einer Küche umgebaut“, so Freck weiter.

Im Gegenzug sei vorgesehen, kleinere Fraktionsräume im Obergeschoss herzurichten.

Stadt lässt sich Modernisierung 120.000 Euro kosten

Dieses Vorhaben dürfte auf Anregungen jedenfalls der beiden größeren Ratsfraktionen von CDU und SPD zurückgehen: Während die CDU bisher im Stiftsgebäude tagt, nutzt die SPD für ihre Sitzungen einen Raum der Stadtwerke.

„Eine Aussicht zum Niederknien“: Das wird neu in Stiftsgebäude und Stiftskeller

Nicht nur im Inneren des Stiftsgebäudes muss einiges überholt werden: An der Hausklingel befindet sich immer noch die Stadtbücherei als Adresse. Die ist schon 2003 hier ausgezogen, nachdem das Bücherparadies die Bibliothek übernommen hatte. © Marcus Land

Weil im Rathaus selbst kein Platz für Fraktionsräume ist, hatte CDU-Fraktionschef Gerd Greczka unter anderem auch aus diesem Grund die Idee von einem Rathaus-Neubau auf dem Karl-Wildschütz-Platz geäußert. Die Pläne sind bis auf Weiteres zu den Akten gelegt worden.

„Eine Aussicht zum Niederknien“: Das wird neu in Stiftsgebäude und Stiftskeller

Das Stiftsgebäude ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Stadt Fröndenberg. Der Immobilienmakler wirbt mit dem "hochherrschaftlichen" Charakter des Hauses. © Marcus Land

Info

Domizil von Stadtbücherei und Heimatmuseum

  • Das heute sogenannte Stiftsgebäude ist das ehemalige Äbtissinnengebäude des Stifts Fröndenberg und wurde im Jahr 1661 errichtet.
  • Nach ersten Verhandlungen schon 1949 kaufte die Stadt Fröndenberg zunächst im Januar 1959 die südliche (katholische) Hälfte, 1960 dann die nördliche (evangelische) Hälfte des Gebäudes beiden Kirchengemeinden für je 55.000 D-Mark ab und richtete in einem Teil des Hauses 1961 ein kleines Heimatmuseum ein.
  • Einige Jahre später folgte der zwischenzeitliche Einzug der Stadtbücherei. Die Stadt vermietete Teile des Hauses auch an verschiedene Familien.
  • Seit 1975 flossen bis zur Euroumstellung 2002 etwa drei Millionen D-Mark in die Erhaltung der Bausubstanz.

Alle Maßnahmen zusammen lässt sich die Stadt in diesem Jahr rund 120.000 Euro kosten. Man darf gespannt sein, ob die langwierige Suche nach einem neuen Pächter von der Modernisierung begünstigt wird.

Dem Vernehmen nach sind in der Vergangenheit Interessenten auch wegen der Höhe des verlangten Pachtzinses wieder abgesprungen. Immerhin rund 1600 Euro müssen pro Monat hingelegt werden; Heizung und Strom sind noch nicht inbegriffen.

Stiftskeller als „Prachtimmobilie“ – die Makler schwärmen

Auf dem Internetportal Immobileinbscout24.de wird der Stiftskeller aktuell als Gewerbeobjekt angeboten. Die Makler schwärmen von der „Prachtimmobilie“ in den höchsten Tönen.

Das „hochherrschaftliche“ Gebäude voller Geschichte werde „jeden noch so anspruchsvollen Gast beeindrucken“, heißt es im Exposee. Die Wohnung, die Teil des Pachtobjekts ist, biete zudem eine „Aussicht zum Niederknien.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Zentralasien
17.000 Kilometer durch 17 Länder: Friedhelm Wegener referiert über verrückte Reise
Hellweger Anzeiger Marktplatz in Fröndenberg
Parkplatz am Markt: Autos werden auf halbierter Parkfläche zugeparkt
Hellweger Anzeiger Fastenzeit in Fröndenberg
Gemeindereferent Heiner Redeker: „Verzicht auf Alkohol entspricht dem Sinn des Fastens“
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus: Kein Grund zur Panik – aber manche kaufen 40 Flaschen Desinfektionsmittel