Kaum ein Thema wird so emotional diskutiert wie die Marktsperrung. Kein Wunder, dass der Vor-Ort-Termin zur Standortfindung für die geplanten Poller einige Anwohner auf den Plan rief.

Fröndenberg

, 19.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Wo genau die Poller zur Absperrung des Marktplatzes platziert werden sollen und ob Pflanzkästen die Pollerreihe auflockern sollen, darum ging es beim Ortstermin mit Politik, Verwaltung und Anrainern. Fachbereichsleiter Martin Kramme betonte zunächst, dass es angesichts des 2018 mit ganz knapper Mehrheit gefassten Ratsbeschlusses nicht mehr um das Ob, sondern lediglich um das Wie gehe. Dazu gibt es sicherlich unterschiedliche Meinungen. Doch unabhängig davon, ob die Klage zur Zulässigkeit des Bürgerbegehrens Erfolg hat oder nicht: Poller müssen ohnehin zur Terrorabwehr installiert werden.

Matthias Weischer von der Verwaltung unterstrich, dass die Terrorabwehr bei Veranstaltungen benötigt werde. „Wobei die Außengastronomie auf dem Marktplatz auch außerhalb von Veranstaltungen geschützt werden sollte. Wir haben dort drei Gastronomiebetriebe, auf die jedes Auto einfach so draufknallen könnte“, meinte Weischer. Er hatte zuvor mit der Kreispolizeibehörde vor allem um die die Anzahl der verbleibenden Parkplätze gefeilscht. Mit wenig Erfolg, wie sich zeigte.

Hinter Haus Hubertia Durchfahrt künftig verboten

„Die Polizei erlaubt uns nur zwei Parkplätze zwischen Haus Hubertia und den Pollern“, sagte Weischer. Die Polizeibehörde hatte auch am Standort der Poller keinen Zweifel aufkommen lassen. Spätestens nach dem Ärztehaus müssen sie gesetzt werden, so die Behörde. Ausgeguckt wurde beim Vor-Ort-Termin ein Standort an der Hauskante des Ärztehauses an der Karl-Wildschütz-Straße, sodass Patienten immer noch direkt vor der Praxis abgesetzt werden können.

Ein bereits bestehender Kurzzeitparkplatz hinter der Haus-Hubertia-Einfahrt soll auf der südlichen Straßenseite bestehen bleiben, außerdem der Arzt-Parkplatz. Die restlichen drei Parkplätze sollen entfallen. Außerdem werden Durchfahrt-verboten-Schilder in Höhe der Hubertia-Einfahrt verdeutlichen, dass Autofahrer diesen Bereich möglichst meiden sollen. „Weitere Parkplätze zu erhalten, ist nach Ansicht der Polizei nicht möglich, weil Autofahrer sonst bis zu 40 Meter zurücksetzen müssen und das sehr gefahrenträchtig ist“, erklärte Weischer.

Sperrung des Fröndenberger Marktes bringt Pflanzkästen, Poller und weniger Parkplätze

Der Kurzzeitparkplatz im Vordergrund soll der einzige allgemein nutzbare Parkplatz westlich von Haus Hubertia sein, der erhalten bleibt. Lediglich der Arztparkplatz bleibt außerdem bestehen. © Udo Hennes

CDU-Fraktion lässt Pflege der Pflanzkästen in Beschluss aufnehmen

Die Sperrung hinter dem Ärztehaus soll durch zwei versenkbare Poller und zwei Pflanzbeete gewährleistet werden. Die Politik stimmte den von der Verwaltung favorisierten Pflanzkästen zu, allerdings hatte vor allem die CDU-Fraktion schlechte Beispiele aus der Vergangenheit im Kopf und bestand darauf, die künftige Pflege dieser Pflanzbeete sicherzustellen. Unterdessen plagte die Anwohner und ansässigen Geschäftsleute die Sorge, dass Fußgängern nicht genügend Platz rechts und links neben den Pflanzkübeln bleiben könnte. Das soll sichergestellt werden, versprach Kramme. Die genauen Maße für die Pflanzkübel will die Verwaltung nun berechnen. Fest steht, dass 3,50 Meter Fahrbahn zwischen den Pflanzkübeln verbleiben, damit auch Feuerwehrfahrzeuge über die versenkbaren Poller in der Mitte fahren können.

Sperrung des Fröndenberger Marktes bringt Pflanzkästen, Poller und weniger Parkplätze

Die ansässigen Geschäftsleute wie Rechtsanwalt Matthias Deimel (l.) und Apothekerin Dr. Anke Lochmann (r.) äußerten ihre Bedenken. © Udo Hennes

Anwohner fürchten Probleme durch Begegnungsverkehr

Große Sorgen machen sich Anrainer wie die Apothekerin Dr. Anke Lochmann oder Rechtsanwalt Mathias Deimel, dass der Verkehr in der östlichen Karl-Wildschütz-Straße zunimmt und der Begegnungsverkehr dort sowie der Abbiegeverkehr zur Alleestraße zu Problemen führen könnte. Martin Kramme erklärte, dass sich das Verkehrsaufkommen im Gegenteil verringern werde. Während Weischer betonte, dass die Verkehrssituation funktionieren werde – „vorausgesetzt die Autofahrer halten sich an das Tempolimit von sechs Stundenkilometern“. Um die Situation an der Alleestraße zusätzlich zu entschärfen, werde dort voraussichtlich auch mindestens ein Parkplatz geopfert, berichtete Kramme. „Aber das ist nicht Bestandteil dieses Termins“, sagte er. Auch die Sorge, dass für die neue Verkehrsregelung an der Karl-Wildschütz-Straße Bäume weichen müssen, konnte er den Anwohnern nehmen. „Im östlichen Teil der Straße bleibt alles so, wie es ist“, so Kramme.

Markt-Öffnung in den Morgenstunden für den Lieferverkehr

Sein Kollege Weischer hatte tags zuvor noch die Gewerbetreibenden des Marktplatzes eingeladen. Von elf Angeschriebenen waren nur vier gekommen. „Viele werden gar nicht über den Markt beliefert“, weiß Weischer nun. Trotzdem wird es eine Öffnung der Poller zu den Morgenstunden (etwa zwischen 5 und 10.30 Uhr) geben, damit Anlieferer zu ihren Zielen kommen, versicherte Weischer.

Sperrung des Fröndenberger Marktes bringt Pflanzkästen, Poller und weniger Parkplätze

Fachbereichsleiter Martin Kramme stellte beim Ortstermin die geplante Sperrung mit Pflanzbeeten und Pollern vor. © Udo Hennes

Induktionsschleife oder Fernsteuerung für Poller Im Stift

Wer in den Genuss weiterer Ausnahmegenehmigung kommt und die Poller per Fernbedienung versenken darf, muss noch geklärt werden. Unklar ist auch, ob an der Marktausfahrt Im Stift eine Induktionsschleife dafür sorgen wird, dass die Poller dort automatisch herunterfahren. „Vielleicht wird das auch über eine Fernsteuerung geregelt“, sagte Kramme. Die Induktionsschleifen seien sehr empfindlich, was zu unbeabsichtigtem Herunterfahren der Poller führen könne. Der Standort der vier Poller an der Ausfahrt Im Stift war bei Ortstermin übrigens unstrittig: An der westlichen Hauskante des Markgrafen sollen sie ihren Platz finden.

Monika Kostorz macht neues Fass auf

SPD-Ratsfrau Monika Kostorz machte dann noch ein ganz anderes Fass auf: Die Rosenbögen an der Ein- und Ausfahrt des Marktes zu erhalten, war ihr Wunsch. Und mit diesem Wunsch hatte sie nicht nur Andrea Molitor von den Grünen, sondern auch CDU-Fraktionschef Gerd Greczka klar auf ihrer Seite: „Ich bin zwar von den Anderen, aber die Idee finde ich gar nicht schlecht“, sagte er. Ein wenig genervt, weil die längst beschlossene Marktplatzgestaltung erneut Diskussionsstoff lieferte, versprach Martin Kramme noch einmal nachzuhaken, ob ein Entfernen der Rosenbögen vorgesehen sei. „Wenn ja, sollten wir das trotzdem noch einmal im Umweltausschuss thematisieren. Es könnte ja sein, dass dies dem einen oder anderen nicht so vehement bewusst war“, so Greczka, der aber schmunzelnd versprach, sich nicht an die Rosenbögen anzuketten, um ihren Erhalt zu sichern.

Sperrung des Fröndenberger Marktes bringt Pflanzkästen, Poller und weniger Parkplätze

Die Diskussion um die Marktsperrung ist fast so alt wie der Markt selbst, wie ein Blick ins Archiv des Hellweger Anzeigers beweist. In dem Bericht vom 11. Juni 1994 spricht sich Willi Demmer vehement gegen eine halbseitige Sperrung aus. © Archiv

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