Jetzt schaut alles auf die SPD. Wen schicken die Sozialdemokraten als Bürgermeisterkandidat gegen Heinz-Günter Freck (CDU) ins Rennen? Die Entscheidung ist bereits gefallen.

Fröndenberg

, 15.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Eine Binsenweisheit aus dem Fußball, die übertragen auf die Politik auch im Phrasenbuch manch eines Wahlanalytikers steht. Kommunalwahlen haben ihre eigenen Gesetze.

Jetzt lesen

Da war sicher auch mal etwas dran. Lokale Besonderheiten und vertraute Gesichter spielten früher für gewöhnlich eine größere Bedeutung als die bundespolitische Großwetterlage. Inzwischen aber können Lokalpolitiker nicht mal mehr auf ihre Stammwähler von einst vertrauen. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Schon gar nicht für die erodierten Volksparteien.

SPD hat im Kreis Unna drei Hochburgen verloren

Im Kreis Unna weiß das niemand besser als die SPD. Bönen, Holzwickede, Lünen: Drei Rathäuser haben die Sozialdemokraten bei den Bürgermeisterwahlen 2015 verloren. An den parteilosen Stephan Rotering mit einem Vier-Parteien-Bündnis im Rücken beziehungsweise an Ulrike Drossel (BBL) und Jürgen Kleine-Frauns (GfL); beides Kandidaten von Wählergemeinschaften, nicht von Traditionsparteien. David gegen Goliath – das funktioniert eben nicht nur in der Bibel.

Jetzt lesen

In SPD-Kreisen wird natürlich lieber über Dimitrios Axourgos gesprochen, der sich im März 2018 unter anderem gegen einen gemeinsamen Kandidaten von CDU, Grüne und FDP durchsetzte und mit dem die Schwerter Sozial- den Christdemokraten das Rathaus abluchsten. Axourgos hat seitdem den Status eines Heilsbringers. Begünstigt wohl vor allem, weil Amtsinhaber Heinrich Böckelühr (CDU) den Chefsessel im Schwerter Rathaus für den Ruf nach Höherem geräumt, dessen Partei einen Kandidaten der Grünen unterstützt und sich damit schlichtweg verzockt hatte.

Fröndenberger SPD braucht einen Heilsbringer wie Axourgos

Die SPD in Fröndenberg wird vermutlich auch so einen Heilsbringer brauchen. Der Zustand der Bundespartei ist desolat, die Wahlergebnisse der Partei landauf, landab sind es ebenfalls. Letzter Stimmungstest für die SPD in Fröndenberg war die Europawahl im Mai: Mit 22,69 Prozent reichte es nur für Platz zwei, deutlich hinter der CDU (27,16 Prozent) und nur knapp vor den Grünen (21,72 Prozent).

Jetzt lesen

Die Mauern einer SPD-Hochburg sind eben auch im Kreis Unna längst nicht mehr unüberwindbar, der SPD-Stadtverband wird deshalb nicht auf die Geschichte vertrauen können. Mit Ausnahme der Gemeinderatswahlen 1999 und 2004 haben die Sozialdemokraten in Fröndenberg seit 1975 alle Kommunalwahlen gewonnen. Die Frage ist nur: Hat der rund 200 Mitglieder starke Stadtverband so einen Heilsbringer?

Wenn es einen gibt, wird er wohl wie Phönix aus der Asche aufsteigen. Denn wen man auch fragt: Niemand glaubt daran, dass außer Parteichef Torben Böcker und Fraktionschefin Sabina Müller irgendjemand ernsthafte Ambitionen hegt – und es ist nicht mal sicher, ob sich einer von den beiden wirklich darum reißt. Noch dazu, wo CDU und FDP mit dem Beigeordneten Heinz-Günter Freck ein echtes Schwergewicht in den Ring schicken. Fast 40 Jahre öffentlicher Dienst, davon über 20 Jahre in leitender Funktion – und eben über acht Jahre als Beigeordneter der Stadt Fröndenberg. Wenn die SPD einen Kandidaten oder eine Kandidatin dieser Gewichtsklasse hat, hält sie ihn bislang gut versteckt. Wahrscheinlich hat sie keinen.

SPD-Spitze hat sich auf Kandidaten für Bürgermeisterwahl geeinigt

Böcker ist erst im Sommer zum neuen Vorsitzenden des SPD-Stadtverbandes gewählt worden: Das Bild zeigt ihn im Kreise seines neuen Vorstandsteams. © Marcel Drawe

Rüstet SPD-Chef Böcker sich schon für den Wahlkampf?

Böcker jedenfalls hält sich weiter bedeckt, zündet lieber Nebelkerzen. Man habe mit einer Hand voll Kandidaten mal intensivere, mal oberflächlichere Gespräche geführt. Alle Mitglieder der SPD, aber nicht alle aus Fröndenberg. „Wir haben unterschiedliche Kandidaten zur Auswahl, die alle unterschiedliche Qualitäten haben.“ Auf die Frage, ob er selbst als Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen werde, sagte er in dieser Woche lediglich: „Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen.“ Ein Indiz dafür: Es gibt bereits eine Internetadresse mit seinem Namen, möglicherweise eingerichtet im Vorgriff auf den Wahlkampf. „Reine Spekulation“, kommentierte Böcker.

SPD will Bürgermeisterkandidat noch im November präsentieren

Böcker oder Müller – es spricht im Moment alles dafür, dass es einer von beiden macht. Sicher ist: Die Findungskommission der SPD, der neben den beiden Aspiranten selbst die drei Parteivize Klaus Böning, Gudrun Herrmann und Taner Cegit sowie Geschäftsführer Gerd Schürmann angehören, hat sich bereits für einen Wunschkandidaten entschieden. Zumindest daran ließ der Parteichef diese Woche keinen Zweifel. Und noch im Laufe dieses Monats will die SPD das Geheimnis lüften. Anfang 2020 soll dann die offizielle Nominierung des Wunschkandidaten durch die Parteimitglieder erfolgen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Karl-Wildschütz-Straße
Nötigung von Anliegern, drohende Leerstände, falsche Schilder – FWG ätzt gegen Marktsperrung
Hellweger Anzeiger Anliegerbeiträge
Straßenausbau Hohenheide: Eine CDU-Forderung mit Fallstricken für Anlieger
Hellweger Anzeiger Anliegerbeiträge
„Die Nerven verloren“: CDU schüttet Kübel der Häme über Sabina Müller aus
Hellweger Anzeiger Gewinner des Fröndenberger Heimatpreises
Förderverein Kulturzentrum: Nutzungsvertrag mit der Stadt wird neu ausgehandelt
Hellweger Anzeiger Anliegerbeiträge
„Foul gegen die Bürger“: Jetzt setzt Sabina Müller dem Kämmerer die Pistole auf die Brust