Sonnenblumen am Feldrand: Sieht gut aus und fördert die Biodiversität

dzBlühstreifen

Vielen Spaziergängern und Autofahrern fallen in diesen Tagen die ungewöhnlich häufigen Blühstreifen mit Sonnenblumen auf. Wir erklären, warum sie in Fröndenberg und im gesamten Kreis Unna von Landwirten angelegt werden.

Fröndenberg

, 16.08.2019, 14:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf der Wilhelmshöhe, nahe des Bismarckturms, gehört der Anblick kräftig blühender Sonnenblumen zum Sommer dazu. Denn dort werden sie jedes Jahr als Schnittblumen angelegt. Jeder kann anhalten und sich für kleines Geld einen schönen Strauß zusammenstellen.

Doch die sonnengelbe Blütenpracht fällt dieses Jahr auch andernorts ins Auge. An fast jedem Feldrand gibt es Blühstreifen, aus denen aktuell Sonnenblumen ihre Köpfe recken.

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Wer glaubt, hier ein Schnäppchen zu machen, einen Gratisstrauß pflücken zu können, irrt. Denn die Blumen sind nicht zum Pflücken gedacht. Sie erfüllen unterschiedliche Zwecke für die Natur. Sie sind Teil nachhaltiger Landwirtschaft, entweder freiwillig angelegt – oder auch von verschiedenen Stellen gefördert.

Landwirtschaftskammer erklärt, was es mit den Streifen auf sich hat

Dass viele Bürger die Blumen vom Feldrand trotzdem gerne pflücken, weiß Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, nur zu gut. Er erklärt, was es mit der Blütenpracht auf sich hat:

Weil die Biodiversität, also die Vielfalt der Pflanzen, Tiere und Ökosysteme, seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zunehmend abnehme, nicht zuletzt weil die Landwirtschaft im Gegenzug zunimmt, sollen die Landwirte der Natur etwas zurückgeben. Gängige Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität sind zum Beispiel Ackerbrachen, Biodiversitätsstreifen und Bejagungsschneisen, Ernteverzicht im Getreide – oder eben Blühstreifen, in denen sich Insekten tummeln, Kleintiere Nist- und Rückzugsorte finden.

Sonnenblumen am Feldrand: Sieht gut aus und fördert die Biodiversität

Wild- und Honigbienen fühlen sich in den Blühstreifen wohl. © dpa

Auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer finden interessierte Landwirte, wenn sie sich über Landwirtschaft und Naturschutz bis zur Biodiversität vorklicken, Maßnahmenblätter mit konkreten Informationen, was sie für die Artenvielfalt rund um ihren Acker tun können.

Blühstreifen werden zum Teil gefördert – aber auch häufig freiwillig angelegt

Demnach können Blühstreifen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen, als Agrarumweltmaßnahmen umgesetzt werden. Festgelegt sind zum Beispiel die Länge und Breite, die Streifen müssen mit einer bestimmten Saatmischung gesät werden.

Für den Kreis Unna weiß die Landwirtschaftskammer von sieben Landwirten, die Blüh- und Schonstreifen anlegen. Insgesamt sind es zehn Hektar. Dieses Programm wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Es gibt aber auch immer mehr Landwirte, die freiwillig Maßnahmen machen, zum Beispiel Blüh- und Bejagungsschneisen anlegen, erklärt Sprecherin Lea-Kathrin Piepel.

Die Zahl der Landwirte, die sich auf diesem Wege für Biodiversität engagieren, steige immer weiter, so Bernhard Rüb.

Blühendes Band durch Bauernhand: WLV hat Aktion gestartet

„Ich mache das schon jahrelang“, sagt der junge Fröndenberger Landwirt Sebastian Becker. Er hat vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) eine Saatmischung angeboten bekommen. „Blühendes Land durch Bauernhand“ heißt die Aktion, mit der der WLV dieses Jahr heimische Bauern zum Anlegen von Blühstreifen animiert. Und viele machen mit. Auf 5000 Kilometer Länge bei drei Metern Breite schätze der WLV das Band im Mai dieses Jahres. Errechnet aus der Menge Saatgut, das von Bauern abgenommen wurde. „Da viele Landwirte zusätzlich auf eigene Rechnung Saatgut gekauft haben, ist das blühende Band durch Bauernhand wohl noch sehr viel länger“, freut sich der Verband. Auch Becker hat, teils zusammen mit dem Kreis Unna, bereits eigene Projekte umgesetzt.

Sonnenblumen am Feldrand: Sieht gut aus und fördert die Biodiversität

Tiere wie der Feldhase brauchen Hecken, hohes Feld oder Bühstreifen, um sich und ihren Nachwuchs zu verstecken. © picture alliance/dpa

Rebhühner und Feldhasen werden immer seltener

Seit Sebastian Becker den Jagdschein hat, geht er noch bewusster mit der Umwelt um. Feldhasen und Rebhuhn zum Beispiel brauchen Brücken von einer Hecke zur anderen, um sich darin vor Greifvögeln und anderen Raubtieren zu schützen. Die vielen Krähen greifen zum Beispiel junge Feldhasen an, erklärt er. Sie picken den Tieren die Augen aus. Feldhasen gebe es inzwischen immer weniger. Genauso wie Rebhühner. In Fröndenberg lebe erfreulicherweise noch eine Rebhuhn-Gruppe, die der Landwirt fachsprachlich als „Kette“ bezeichnet. Und Sebastian Becker möchte, dass das so bleibt.

Er kennt das Spannungsfeld von Profit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, in dem sich Landwirte heutzutage bewegen. Als Bauer Geld zu verdienen, sei schwer. Andererseits müsse die Natur geachtet werden. Früher, als es noch mehr kleine Landwirte gab, habe jeder im kleinen Stil etwas angebaut. Es gab weniger großflächige Monokulturen, die für die Artenvielfalt zum Problem werden. „In die Richtung soll es wieder gehen“, sagt Sebastian Becker. Dafür sorgen unter anderem Auflagen der EU. Wer aber etwas tut, wird wie Becker im Gegenzug von der Europäischen Union gefördert.

Sonnenblumen am Feldrand: Sieht gut aus und fördert die Biodiversität

Landwirt Sebastian Becker versucht, Ackerbau und Viehzucht nachhaltig zu betreiben. © Marcel Drawe

Viele Maßnahmen bleiben für den Verbraucher im Verborgenen

Der Fröndenberger Landwirt setzt zum Beispiel auf eine weite Fruchtfolge. Das bedeutet: Er baut verschiedene Kulturen an, die sich über mehrere Jahre auf einer Ackerfläche abwechseln. Krankheiten und Schädlinge werden so weitestgehend ferngehalten.

Während solche Maßnahmen für den Verbraucher meist im Verborgenen bleiben, sind zumindest die Blühstreifen in diesen Tagen offensichtlich.

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