Der Vortrag von Sebastian Richter ist emotional. Es geht um die Zukunft der Jugendarbeit in Frömern. Die Politik aber flüchtet sich in selbstherrliche Floskeln.

Fröndenberg

, 10.09.2019, 17:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Sitzungsort ist prestigeträchtig. Das Gemeindehaus Frömern. Die Zuschauerplätze sind gut gefüllt. Außergewöhnlich für einen politischen Ausschuss, noch dazu für einen des Kreises. Außergewöhnlich auch, dass jemand von der obligatorischen Fragestunde für Einwohner Gebrauch macht.

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Gisbert Herrmann meldet sich. Selbst Frömerner – als Ratsmitglied der SPD aber auch politischer Akteur vor Ort in Fröndenberg. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe, wie viele Jugendliche hier zur Einrichtung kommen“, sagt er. Und er will wissen, ob es nicht besser ist, in präventive Jugendarbeit zu investieren statt am Ende die Kosten von Sozialhilfemaßnahmen infolge negativer Jugendkarrieren tragen zu müssen.

Szenenapplaus von den Zuschauern

Auch Pfarrer Gisbert Biermann als Hausherr macht die Jugendarbeit vor Ort in seiner Begrüßung zum Thema. „Unser Ziel ist es, Menschen unterschiedlichster Generationen anzusprechen; ein ganz besonderer Akzent liegt bei uns auf der Jugendarbeit. Auch ich freue mich, wenn ich sehe, wie viele Jugendliche sich auf den Weg machen und Lust haben, sich hier zu engagieren.“ Szenenapplaus von den Zuschauern.

Seit 40 Jahren Jugendarbeit in Frömern

Die Zuschauer – das sind vor allem Jugendliche der evangelischen Jugend Frömern. Sie sind hier, weil es heute ein Stück weit auch um die Zukunft dessen geht, was seit nunmehr 40 Jahren in Frömern passiert.

Rieke: „Manchmal gelingt es wirklich nicht“

Jugendreferent Sebastian Richter wird bei der Politik heute um eine Erhöhung der Zuschüsse werben. Weil seiner Ansicht nach sonst die finanziellen Mittel auf Dauer nicht mehr ausreichen, die prestigeträchtige Arbeit der evangelischen Jugend Frömern aufrecht zu erhalten. Doch schon die Reaktion der Sitzungsfürsten auf die Anwohnerfrage gibt eine Vorahnung darauf, wie dieser Appell vermutlich aufgenommen werden wird. „Eine hervorragende Frage, das ist Grundlage unserer Arbeit“, sagt der Ausschussvorsitzende Theodor Rieke (SPD) ein wenig schnippisch. „Aber manchmal gelingt es wirklich nicht.“

„100 Jugendliche und mehr finden hier jede Woche eine zweite Heimat.“
Jugendreferent Sebastian Richter

Dann ist Sebastian Richter an der Reihe. Er steigt geschickt in seinen Vortrag ein. „Würde ich emotional an die Sache herangehen, würde ich Ihnen Bilder zeigen.“ Natürlich flimmern parallel eben diese Bilder über die Leinwand. Bilder von lachenden Jugendlichen und rauschenden Festen. Er kommentiert sie mit Fakten. 40 Ehrenamtliche engagierten sich hier, „100 Jugendliche und mehr finden hier jede Woche eine zweite Heimat“. Dann ein paar Videosequenzen. Eine davon vom WDR-Radioableger 1Live. „Jugendarbeit hat mich von blöden Sachen abgehalten“, sagt darin ein Jugendlicher. „Das reicht schon“, kommentiert Richter. So macht er minutenlang weiter.

„Aber wir schwingen hier nicht die Missionierungskeule.“
Jugendreferent Sebastian Richter

Es fallen Schlagworte wie Toleranz, Respekt und Miteinander. „Aber wir schwingen hier nicht die Missionierungskeule“, sagt Richter mit Verweis auf die evangelische Trägerschaft. Dann folgt ein Rundgang. Jugendliche führen die Ausschussmitglieder durch die Räume des Jugendzentrums. Danach dann die eigentlichen Pointen.

Mindestens 46.000 Euro fehlen für den Grundstock

Schließlich geht es hier ums Geld. Die Kirchensteuermittel werden knapper, Richter zeigt Statistiken. Rund 50.000 Euro weniger alleine für die Gemeinde Frömern binnen drei Jahren. Richter: „Für die Kirchengemeinde Frömern kann ich sagen: Wir haben alles getan, um zu sparen. Jetzt sind wir am Ende. Es braucht für die Zukunft Lösungen.“ Der Jugendreferent kalkuliert, dass für die Kinder- und Jugendarbeit vor Ort über 46.000 Euro fehlen – Zuschüsse in Höhe von rund 45.000 Euro aus Landes- und Kreismitteln schon berücksichtigt. „Ich appelliere an Ihre Ehre und an Ihre Moral“, sagt Richter. „Ich finde, dass man eine Verpflichtung und auch eine Verantwortung hat, Jugendarbeit wie diese auskömmlich zu finanzieren.“

Jugendarbeit ist schon kurzfristig gefährdet

Der Jugendreferent zeichnet ein düsteres Bild. „Der nächste Förderplan gilt für fünf Jahre – und ich würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass alle Einrichtungen ihre Arbeit ohne eine Erhöhung der Zuschüsse so lange werden aufrecht erhalten können.“

„Jeder möchte Geld haben, wir haben es nicht.“
Theodor Rieke (SPD)

Damit endet ein durchaus sehr emotionaler Vortrag, der vonseiten der SPD-Vertreter ausdrücklich honoriert wird. Nur: Beraten wird hier heute gar nichts. Ein Antrag auf Erhöhung der Zuschüsse ist nicht fristgerecht eingegangen. So sind sie eben, die politischen Formalien. Und auch das ist irgendwie politisch: „Jeder möchte Geld haben, wir haben es nicht“, setzt Ausschusschef Rieke einen vorläufigen Schlusspunkt hinter das Thema. Die Haushaltsberatungen auf Kreisebene im Herbst werden zeigen, wofür das Geld fehlt – und wofür es da ist...

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