Schwere Linienbusse schnauften bisher durch die engen Straßen und Kurven auf dem Mühlenberg. Seit dem 7. Januar setzt Westfalenbus erstmals Kleinbusse im Stadtverkehr ein. Die Fahrt ist streckenweise turbulent.

Fröndenberg

, 24.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Westfalenbus hat Anfang Januar nicht nur den gesamten Fahrplan umgekrempelt, sondern die bekannten Linienbusse im Stadtverkehr gegen ein kleines und wendiges Fahrzeug ausgetauscht: den sogenannten Midi-Bus. Die Fahrt ist durchaus ein Erlebnis – das liegt nicht unbedingt nur am fahrbaren Untersatz.

Hat es im Schülerverkehr nach den Weihnachtsferien arg gerumpelt, weil unter anderem weniger Fahrzeuge eingesetzt wurden, kommt die Stadtbuslinie C 71 im Großen und Ganzen ordentlich davon – auch bei den Fahrgästen.

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Um kurz nach zehn an diesem Morgen steigt am Busbahnhof nur eine Frau aus dem knallroten Flitzer aus. „Ich habe ein künstliches Hüftgelenk, daher nehme ich immer den Bus vom Mühlenberg hier runter“, erzählt sie im Vorbeigehen. Wie es sich in dem kleinen Bus fährt? Der Daumen zeigt nach oben. Die Krücke auch.

Die nächste Fahrt geht um Punkt 10.10 Uhr wieder in umgekehrter Richtung auf den Mühlenberg. Gut dass der Fahrplan am Park&Ride-Parkplatz am Bahnhof viel Puffer zwischen Ankunft und Abfahrt vorsieht – denn der war bei Ankunft schon fast aufgebraucht.

14 Sitzplätze und 14 Stehplätze hat der Midi-Bus

Das sei ganz normal auf den Strecken in der Innenstadt, verrät Arnd Storbeck. In den engen Straßen in den Wohngebieten müsse er schließlich oft den Gegenverkehr, erst recht Müllfahrzeuge, passieren lassen, wenn auf der Straße geparkt wird, erklärt der Busfahrer.

„Wie ein Acker“: So fährt es sich über Holperstrecken im Kleinbus zum Mühlenberg

Gerade einmal 14 Sitzplätze und 14 Stehplätze sieht der Midi-Bus vor. Für die Kurzstrecke vom Fröndenberger Bahnhof auf den Mühlenberg scheint das Angebot aber vollkommen ausreichend. Zumal Westfalenbus auf stark frequentierten Linien auch weiterhin Linienbusse in Standardgröße einsetzt. © Udo Hennes

Aber es geht ja pünktlich weiter. Diesmal sitzen ab dem Halt im Stift immerhin sechs Fahrgäste auf der morgendlichen Tour im Bus. Ein Schüler hatte verschlafen, die anderen Erwachsenen haben überwiegend etwas in der Stadt erledigt.

14 Sitzplätze und 14 Stehplätze hat der Midi-Bus. Midi-Bus heißt nichts anderes als Mittelbus, denn es gibt auch noch kleinere Mini-Busse und eben die Standard-Busse.

Ins Gespräch kommt man schnell in der intimen Atmosphäre. „Ich bin früher oft allein den Mühlenberg hochgefahren“, plaudert Volkhard Probach gleich los. Allein im großen Linienbus. „Das war doch Spritvergeudung“, findet der Fröndenberger.

Und er hat Recht. Linienbusse verbrauchen schlappe 35 bis 40 Liter Dieseltreibstoff, der wesentlich kleinere Midi-Bus gerade mal 12 bis 14 Liter. Diese Zahlen jedenfalls nennt Torsten Schreckenberg, Marktmanager bei Westfalenbus.

Mittlerweile hat der Bus die Overbergstraße erreicht. Ein Fahrgast steigt hier aus: der schlaftrunkene Schüler.

Westfalenbus hat die Linien teilweise verändert

Cornelia Hackstein scheint der Spritverbrauch eher weniger zu interessieren, dafür aber die künftigen Streckenführungen der Stadtbuslinien. „Wo der 73er herfährt, das wissen wir alle noch nicht“, sagt sie.

Tatsächlich hat Westfalenbus auch die Linien teilweise verändert. Bislang führte die Fahrt der C73 vom Bahnhof über den Hirschberg und die Westicker Heide zur Hohenheide und zurück über die Ostbürener Straße. Jetzt geht es hin und zurück über die Ostbürener Straße, auf der Hohenheide wendet der Midi-Bus.

„Wie ein Acker“: So fährt es sich über Holperstrecken im Kleinbus zum Mühlenberg

Viel Platz im kleinen Bus: Weil es im vorderen Teil Klappsitze gibt, bleibt für Kinderwagen oder Rollatoren genügend Stauraum im Midi-Bus. © Udo Hennes

Als am Margueritenweg eine ältere Dame mit Einkaufswägelchen aussteigen will, macht der Niederflurbus seinem Namen zwar alle Ehre – es gibt keinen hohen Absatz zum Bürgersteig. Arnd Storbeck kann bloß nicht bündig an die Bordsteinkante fahren, weil der Außenspiegel wegen des sehr schmalen Gehstreifens ansonsten schon fast eine wulstige Hecke rasieren würde. Also macht die Dame einen kleinen Satz aufs Trottoir.

„Früher waren wir 45 Minuten unterwegs nach Unna. Gut dass der Bus jetzt nicht mehr über Bausenhagen und Stentrop fährt.“
Cornelia Hackstein

Arnd Storbeck fährt wieder an. Von einer anderen Veränderung hat Cornelia Hackstein schon gehört: Der R70 nach Unna fährt im Wechsel künftig auch einmal eine schlanke Route. „Früher waren wir 45 Minuten unterwegs nach Unna“, weiß Hackstein noch, „gut dass der jetzt nicht mehr über Bausenhagen und Stentrop fährt.“ Tatsächlich kann man auf der kurzen Variante jetzt schnellstens in 32 Minuten vom Bahnhof Fröndenberg zum Bahnhof in Unna fahren.

In der Springstraße wird es holprig

Cornelia Hackstein ist nun ebenfalls schon ausgestiegen. Durchgerüttelt wie die anderen Mitfahrer kurz drauf wird sie daher nicht mehr. „Springstraße“, rufen zwei Fahrgäste gleichzeitig, als die Frage kommt, wo man denn jetzt gerade sei.

Die Schlaglöcher der mehr schlecht als recht geflickten Straße schlagen bis auf die eigentlich recht komfortablen Sitze durch. „Wie ein Acker“, sagt Volkhard Probach kopfschüttelnd.

„Der kommt vernünftig um die Kurven, das war längst überfällig.“
Volkhard Probach

Aber dafür könne der Busfahrer ja nichts. Probach hat vielmehr viel Lob für den kleinen Midi-Bus übrig. „Der kommt vernünftig um die Kurven, das war längst überfällig“, sagt er noch und springt dann an der Von-Galen-Straße aus dem Bus.

Von der holprigen Springstraße ist auch Arnd Storbeck nicht begeistert. Dagegen habe die Telekom nach dem Glasfaserausbau auf dem Mühlenberg ganze Arbeit geleistet. Auf der Paul-Löbe-Straße jedenfalls surrt der Bus über den Asphalt. „Das haben die ganz akkurat wieder fertig gemacht“, lobt der Busfahrer.

Die Haltestelle „Lindenweg“, die zugunsten des früheren Halts am Birkenweg wieder stillgelegt wurde, werde wohl nicht vermisst. Dort sei es für die Busse ohnehin besonders eng gewesen.

„Verspätungen wird man sich immer einhandeln - aber große Busse verspäten sich stärker.“
Arnd Storbeck

Ohne Fahrgäste geht es jetzt den Berg runter. 18 Minuten hat die Fahrt gedauert. Diesmal hat alles pünktlich geklappt. Bis zur nächsten Tour um 11.10 Uhr kann sich Arnd Storbeck nun mit einem Kollegen um das Piepen an der Notausgangstür kümmern.

Morgens führen viele Kinder mit dem Bus, da dauere das Einsteigen immer ein wenig, sagt Arnd Storbeck noch, und: „Verspätungen wird man sich immer einhandeln - aber große Busse verspäten sich stärker.“

Info

Busverkehr an den Wochenenden und Feiertagen

R70: Neu sind samstags zwölf Fahrten zwischen 7.10 Uhr und 18.50 Uhr statt neun Fahrten zwischen 8.07 Uhr und 16.50 Uhr; sonn- und feiertags sind acht Fahrten zwischen 11.10 Uhr und 18.50 Uhr neu statt vier Fahrten zwischen 14.10 Uhr und 18.50 Uhr. C71: Neu sind samstags Fahrten zwischen 7.50 Uhr und 19.08 Uhr statt Fahrten zwischen 7.50 Uhr und 16.09 Uhr; sonn- und feiertags sind acht Fahrten zwischen 11.50 Uhr und 19.08 Uhr neu statt fünf Fahrten zwischen 13.50 Uhr und 18.09 Uhr. C72: Neu sind samstags zwölf Fahrten zwischen 7.20 Uhr und 18.23 Uhr statt acht Fahrten zwischen 9.07 Uhr und 15.54 Uhr; sonn- und feiertags sind acht Fahrten neu zwischen 11.09 Uhr und 18.23 Uhr statt vier Fahrten zwischen 15.15 Uhr und 17.54 Uhr. C74: Neu sind samstags Fahrten zwischen 8.14 Uhr und 17.50 Uhr statt Fahrten zwischen 8.36 Uhr und 16.01 Uhr; sonn- und feiertags gibt es ein komplett neues Angebot mit acht Fahrten zwischen 11.24 Uhr und 17.50 Uhr. Ausschließlich auf der Linie C71 besteht an den Wochenenden ein 60-Minuten-Takt, ansonsten stets ein 120-Minuten-Takt.

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