Smart City Fröndenberg – intelligente Mülleimer melden: „Ich bin voll“

dzMüll

Mülleimer, die automatisch melden: „Ich bin voll“ – das muss in Fröndenberg keine Zukunftsmusik mehr sein. Im Rathaus wird man abwägen, ob ein Schritt in Richtung Smart City gegangen werden soll.

Fröndenberg

, 03.12.2019, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Smart Home gibt es schon landauf landab – die Smart City macht sich noch auf den Weg. Fröndenberg könnte mit intelligenten Mülleimern demnächst einen Schritt in Richtung Digitalisierung des öffentlichen Raums gehen.

Das Erscheinungsbild der Stadt hält die CDU offenbar für verbesserungswürdig. Dorn im Auge ist den Christdemokraten mangelnde Sauberkeit auf öffentlichen Wegen und Plätzen.

»Ein Mülleimer sollte nicht überquellen, zum Zeitpunkt der Leerung aber möglichst voll sein.«
CDU-Fraktionsvorsitzender Gerd Greczka

Besonders nach Veranstaltungen oder an stark frequentierten Orten störe man sich an übervollen Mülleimern im Stadtgebiet, sagt CDU-Fraktionschef Gerd Greczka. Seine Fraktion ist – nach dem Vorbild in einer anderen Kommune – daher auf die Idee eines Modellprojekts gekommen:

Mülleimer mit Sensor zeigt seinen Füllstand an

Intelligente Mülleimer, die über einen im Deckel eingebauten Sensor Informationen über den Füllstand des Behälters liefern. Ein volles Müllgefäß könne dann umgehend von einem Mitarbeiter der Stadtwerke geleert werden.

Die CDU erhofft sich nicht nur mehr Sauberkeit im Stadtbild, sondern auch höhere wirtschaftliche Effizienz. Es gelte, einen „Balanceakt“ hinzubekommen: „Ein Mülleimer sollte nicht überquellen, zum Zeitpunkt der Leerung aber möglichst voll sein“, begründet Greczka einen Antrag an den Bürgermeister.

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Smart City Fröndenberg – intelligente Mülleimer melden: „Ich bin voll“

Auf diese Art und Wiese wie bei den Blumenkunsttagen 2018 darf ein Mülleimer natürlich gerne überquellen: Das Haus Hubertia hatte damals das Gefäß mit Rhabarber und Süßkartoffeln bepflanzt. © Land

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Info

So oft leeren die Stadtwerke die Mülleimer

  • Die Stadt Fröndenberg hat den Stadtwerken vertraglich die Leerung der Müllgefäße im Stadtgebiet übertragen.
  • Die Mitarbeiter der Stadtwerke leeren die Behältnisse in fünf verschiedenen Intervallen.
  • Zweimal wöchentlich werden die Abfalleimer in der zentralen Innenstadt (Markt, Winschotener Straße, Bruayplatz) und an stark frequentierten Orten wie an der Bushaltestelle der GSF geleert.
  • Wöchentlich leeren die Stadtwerke die Behälter an weiteren häufig aufgesuchten Orten wie dem Himmelmannpark oder dem Hindenburghain.
  • Noch 14-täglich werden alle weiteren Buswartehallen angefahren, auch zum Beispiel der Fußweg am Sportplatz Hohenheide.
  • 18 Leerungstermine im Jahr gibt es für die Kinderspielplätze: In den Sommermonaten wird dort alle 14 Tage und in den Wintermonaten einmal monatlich geleert.
  • Monatlich werden auch die Abfallbehälter an weniger frequentierten Stellen wie Wanderwegen angefahren.
  • Die Intervalle werden bei Bedarf und in Absprache mit der Stadt hoch- oder heruntergestuft.

Heißt im Umkehrschluss: Die Stadtwerke, die im Auftrag der Stadt die öffentliche Müllgefäße leert, könnte sich künftig womöglich manche „Leerfahrt“ sparen. Die CDU regt ein Modellprojekt an, soll heißen, die Stadt möge prüfen, ob ein solches Vorhaben von EU, Bund oder Land finanziell bezuschusst wird.

Nicht auszuschließen, dass ein ökologischer Nebeneffekt der intelligenten Mülleimer das Projekt förderwürdig macht: die Einsparung von CO2, weil Müllfahrzeuge seltener fahren müssen.

GWA hält regelmäßige Kontrolle vor Ort für wichtig

Auch aus diesem Grund findet Andreas Hellmich, Pressesprecher der GWA, „den Ansatz dahinter gut“. Allerdings hat man sich auch bei dem kreiseigenen Abfallverwerter über intelligente Mülltonnen noch keine intensiven Gedanken gemacht.

Hellmich verweist auf mögliche Nachteile solcher Systeme. So sehen sich die GWA-Mitarbeiter bei der regelmäßigen Leerung der Altkleidercontainer auch stets im Umfeld um – nicht selten finden sich dort nachlässig entsorgte Altkleider.

„Wir sind gern einmal in der Woche vor Ort“, sagt Hellmich – ein vermeintlich intelligentes System könnte die Zahl solcher Routinekontrollen schnell reduzieren. Denn Abfall, der mutwillig neben einem Behälter entsorgt wird, könnte ein Sensor nicht erfassen und melden.

„Manchmal ist weniger Technik mehr“, findet Hellmich. Schließlich müsse Technik auch immer gewartet werden. Allerdings sei die Idee aus Fröndenberg letztlich sehr interessant: Positive Erfahrungen damit werde die GWA sicherlich beobachten und für die eigenen Leerungssysteme überprüfen.

Zur Sache

So funktioniert ein intelligenter Mülleimer

  • Die Stadt Ludwigsburg testet die intelligenten Mülleimer in ihrem Stadtgebiet bereits.
  • An der Innenseite des Deckels wird ein batteriebetriebener Sensor befestigt. Stündlich misst der Sensor per Ultraschall, wie viel Müll sich in dem jeweiligen Abfallbehälter befindet.
  • Zweimal täglich werden die Daten mit dem Füllstand in eine Datencloud verschickt. Per PC oder Smartphone können sich die Mitarbeiter des örtlichen Entsorgers auf der Homepage des Softwareanbieters einloggen und sich die Werte anschauen.
  • So haben sie auch von unterwegs Zugriff auf die aktuellen Daten und können ihre Routen entsprechend planen. Die Reinigungswagen fahren im Idealfall künftig nur noch die Gefäße an, die geleert werden müssen.

Immer wieder wird in der Stadt, besonders auch auf dem Mühlenberg, über wild entsorgten Müll auf Grünflächen und in Hecken, geklagt. Intelligente Systeme sind hier naturgemäß machtlos. Und eine Videoüberwachung, das hatte die Stadt bereits geprüft, ist aus Datenschutzgründen praktisch nicht umsetzbar.

Übrigens kommen digitale Füllstandsmesser für die Abfuhr des privaten Hausmülls nicht in Betracht. Dagegen spricht das in Fröndenberg praktizierte Abrechnungssystem nach Volumen: Wer eine 80-Liter-Tonne bestellt, zahlt für die Leerung denselben Preis – ganz gleich, ob die Tonne halb leer oder voll ist.

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