Sie möchte einen Pralinenschrank und bekommt ein ganzes Ladenlokal

dzLeere Läden

Eine gute, ja überdurchschnittliche Kaufkraft bescheinigt die Planungsgruppe Stadtbüro den Fröndenbergern. Doch die Zahl der Laden-Leerstände nimmt nicht ab. Trotz zweier Neueröffnungen.

von Meike Marbach

Fröndenberg

, 06.11.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein jahrelanger Leerstand an der Alleestraße gehört ab sofort der Vergangenheit an. Die ehemalige Eisdiele im Haus Alleestraße 1 ist komplett entkernt und renoviert worden. Dort wagt Susanne Schröder einen örtlichen Neustart. Nach knapp acht Jahren am Marktplatz, in denen sie mit nicht ganz 30 Quadratmetern auskommen musste, vergrößert sich die Frau von „Susannes Lädchen“ nun auf 65 Quadratmeter. Ein Leerstand weniger an der Alleestraße – ein Gewinn für die Fröndenberger City, sicherlich. Doch gleichzeitig auch ein Verlust an anderer Stelle, dem Marktplatz. Dort wird das Ladenlokal zwischen „Bei Eppi“ und „Rafalcik“ erst einmal leer stehen. Vermieterin Doris Mennigmann hat bisher noch keinen Nachmieter gefunden. „Es ist ja alles noch ganz frisch. Noch hat sich kein Interessent gemeldet“, sagte sie am Montag auf Anfrage. Komplett neu in Fröndenberg hingegen ist Deniz Arabaci, der sich mit seinem Laden „PhoneDoctor2“ an der Alleestraße 5 niedergelassen hat. Der Mann aus Welver hofft mit seinem Reparatur-Angebot für Smartphones, Tablets und Notebooks auf viele Fröndenberger Kunden.

Aktuell zwölf Einträge hat die Stadt Fröndenberg auf ihrer kommunalen Immobilienplattform bei den freien Gewerbeimmobilien aufgelistet. Eine Zahl, die mit einigen Verschiebungen in den vergangenen Jahren meist relativ konstant bleibt. „Wenn man die absolute Zahl an Leerständen sieht, ist diese gar nicht mal so hoch. Aber im innerstädtischen Bereich betrachten wir diese Entwicklung schon mit großer Sorge“, äußerte sich Günter Freck. Der Beigeordnete, der auch für den Bereich Wirtschaftsförderung zuständig ist, weiß, dass im Rathaus immer mal wieder Anfragen nach möglichen Gewerbeimmobilien eingehen. „Allerdings haben wir da aktuell leider eine gewisse Schieflage zwischen dem, was vorhanden ist, und dem, was gesucht wird“, so Freck. Ein Vermarktungshindernis sei demnach zum Beispiel ganz klar eine fehlende Barrierefreiheit. Zudem müssten Vermieter gewerblicher Räumlichkeiten mittlerweile deutlich flexibler sein und im Zweifel auch an Umbauten denken, um die Leerstände womöglich als Wohnräume zu vermieten.

Fehlende Barrierefreiheit

Mangelnde Barrierefreiheit sieht Wolfgang Hüttner auch als großes Problem an. Der Vorsitzende des Fröndenberger Werberings sieht allerdings noch einen weiteren Hemmschuh: „Viele Kunden sind faul und wollen unmittelbar vor dem Geschäft parken. Das ist zum Beispiel an der Kreuzung Eulenstraße/Alleestraße nicht möglich.“ So erklärt sich der 71-Jährige zum Beispiel den jahrelangen Leerstand an der Eulenstraße 6. Trotz einer umfangreichen Haus-Renovierung vor zwei Jahren. Für eines der beiden quadratmetermäßig größten Immobilien (das ehemalige Rossmann-Ladenlokal und der einstige Aldi am Markt) wünscht sich Wolfgang Hüttner etwa ein Schuhgeschäft. „Ein solches Angebot fehlt seit so langer Zeit in Fröndenberg und das würde sich auch flächenmäßig als fast Einziges anbieten. Für viele andere Branchen sind die beiden Räumlichkeiten zu groß“, schätzt der Werbering-Chef.

Für Susanne Schröder und auch für Fröndenberg ist ihr neues, größeres Ladenlokal ein Glücksgriff. „Wir hatten fast schon darüber nachgedacht, ganz aufzuhören, weil wir einfach keine Lust mehr hatten, uns auf so kleinem Raum zu quetschen“, sagt Schröder über sich und ihre Angestellte. Regelmäßig passierte sie die ehemalige Eisdiele und warf jedes Mal einen Blick auf den durchsichtigen Kühlschrank. „Der wäre was für meine Pralinen“, hatte sie stets überlegt. Ein Gespräch mit Vermieterin Claudia Pöstges zum Thema Pralinenschrank endete schließlich mit einem ganzen Umzug.

Weiterer Leerstand am Markt befürchtet

Dem Marktplatz steht nach jetzigem Stand Ende 2019 ein weiterer Leerstand bevor. Bekanntlich hat die Buchhändlerin Brigitte Kern für diesen Zeitpunkt ihren Ruhestand angekündigt. Kern, die in Kooperation mit der Stadt Fröndenberg auch die Bücherei betreibt, hinterlässt dann – sofern die Stadt keinen Nachfolger an selber Stelle findet – ein recht großes Ladenlokal. Wie berichtet stehen derzeit mehrere Lösungen im Raum, wie die Stadt sich trotz Kerns Ausstieg eine Bücherei erhalten kann. Angefragt hat Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe zumindest schon einmal in der Nachbarstadt Menden. Andreas Wallentin, Inhaber der Bücherei Daub, hat den Fröndenbergern keine komplette Abfuhr erteilt, an der jetzigen Stelle würde er jedoch nicht einfach so weitermachen. „In diesen Räumlichkeiten käme das gar nicht für mich in Frage. Für die Fröndenberger würde ich es vielleicht sogar gern machen. Aber eigentlich will ich mir das gar nicht antun. Aber man soll ja nie nie sagen“, lässt der Mendener Unternehmer noch alles offen. Er fühle sich geehrt, dass er gefragt worden sei. Zu weiteren Gesprächen sei er durchaus bereit, keine Tür sei zugeschlagen. Allerdings sei alles noch sehr vage.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Arbeiten fürs Taschengeld

Ehrenamtliche gesucht: Team der Taschengeldbörse sucht Mitstreiter

Hellweger Anzeiger Fröndenberg Kreativ

Basteltipps und Anregungen: Bei dieser Kreativ-Messe gibt es nichts von der Stange

Hellweger Anzeiger eGovernment

Kommunen überfordert? Digitalisierung darf nicht am Ego der Entscheider scheitern

Meistgelesen