Sebastian Richter verlässt die Evangelische Kirchengemeinde Frömern

dzScheidender Jugendreferent

Euphorisch und demütig zugleich ist Frömerns Jugendreferent Sebastian Richter mit Blick auf seine Zeit in der Gemeinde und auch auf seinen neuen Job. Mit ihm verabschiedet sich eine Größe aus der Fröndenberger Jugendarbeit.

Fröndenberg

, 29.01.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sein Job bei der Evangelischen Kirchengemeinde Frömern war für Jugendreferent Sebastian Richter geradezu perfekt. Und trotzdem sei es nun der richtige Zeitpunkt, um zu gehen: Ein attraktiver neuer Job, ein junger Nachfolger in den Startlöchern – außerdem die Gewissheit, dass sein Abschied noch bedauert und nicht begrüßt werde, sagt Richter.

Denn ein Team von Ehrenamtlichen bei der Stange halten, auch nach über zehn Jahren immer noch innovativ zu sein, die Mitstreiter zu begeistern, das werde nicht leichter. Den Punkt, ab dem es bei seinem Abschied „noch so einigermaßen ‚schade‘ heißt“, wie Richter selbst sagt, den wollte er nicht überschreiten.

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Und nun hat sich alles so wie damals, als er den Weg in die Evangelische Kirchengemeinde gefunden hat, wieder einmal perfekt gefügt. Mitreißen, motivieren, etwas Neues entwickeln, damit überzeugen können: Zum einen wurde das in Frömern immer anstrengender, zum anderen sind das nun auch die Fähigkeiten, die Sebastian Richter seinen neuen Job verschafft haben.

Leitungsposten bei der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde

Und zwar in der Leitung der Evangelischen Jugendbildungsstätte Nordwalde, einer Jugendherberge und Tagungsort mit pädagogischem Angebot und inklusivem Schwerpunkt. Die Einrichtung ist auf den Fröndenberger Jugendreferenten zugekommen – nicht umgekehrt. „Ich habe nicht aktiv gesucht“, sagt Richter, der inzwischen auf seine steigende Bekanntheit vertraut hat.

Seit 2016 ist 34-jährige Vorsitzender der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft Offene Türen (ELAGOT), war für die dortigen Aufgaben in Frömern zu 50 Prozent vom Dienst freigestellt. Auch die neue Stelle bekleidet Sebastian Richter zu 50 Prozent, die ELAGOT-Aufgaben behält er.

Sebastian Richter verlässt die Evangelische Kirchengemeinde Frömern

Die neue Jugendreferentin Katharine Grügelsiepe übernimmt die volle Stelle von Sebastian Richter. © Borys Sarad

Gemeindeintern ist sein Weggang schon länger bekannt. So langsam sei es Zeit, den Abschied auch öffentlich zu kommunizieren. Hat Richter doch bereits seinen Resturlaub angetreten. Ab Rosenmontag geht es dann für vier Wochen nach Neuseeland, nicht zum Selbstfinden, aber um den Kopf freizubekommen – bevor ab dem 1. April der neue Job im Münsterland beginnt.

Erfolge wie die Schafaktion sprechen für sich

Obwohl er sich seine Leichtigkeit, mit der er die Dinge angeht, bewahren möchte, blickt der scheidende Jugendreferent mit Demut zurück. Nach außen lief in Frömern immer alles glatt. Die bundesweit bekannte Schafaktion, überlaufene Kinderbibelwochen, tolle Konzerte mit Publikum aus Dortmund: Die Erfolge sprechen für sich.

Doch all das sei in Frömern nur möglich gewesen, weil bestimmte Faktoren zusammenkamen, die Gemeinde etwas anders, wahrscheinlich besser machte, als andere. Auch wenn der 34-Jährige das Wort „besser“ in diesem Zusammenhang nicht gerne gebraucht.

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Warum Kirche im Leben vieler Menschen keine Rolle mehr spielt, habe drei Gründe: Zum einen würden sich viele Kirchenleute „in ihr Haus setzen“ und auf ihr Angebot vertrauen. Wenn die Leute nicht kämen, sei das Publikum „selber Schuld“. Hinzu kämen Bedenken in Bezug auf neue Projekte. Denn die kosten Arbeit und seien immer auch ein Experiment, das scheitern kann. Und drittens käme am Ende meist das Totschlagargument „kein Geld“.

Die Dinge angehen – auch bei knapper Kasse

„Wo andere reden und sondieren, gehen wir die Dinge an“, sagt Sebastian Richter. Und das in dieser Hinsicht einiges „sehr gut funktioniert“ – obwohl sich die Kirchengemeinde in der Haushaltssicherung befindet – ist für den Jugendreferent das persönliche Highlight seiner Zeit bei der Kirchengemeinde.

Nicht zuletzt die Jugendarbeit der Kirche habe in Frömern zur Wertschätzung junger Mitbürger beigetragen. Die Bedeutung junger Menschen sei in dem kleinen Fröndenberger Ortsteil meilenweit entfernt von dem üblichen Gemecker über „die Jugend von heute“.

Sebastian Richter verlässt die Evangelische Kirchengemeinde Frömern

Sebastian Richter vor über zehn Jahren: Damals blickte der Jugendreferent erwartungsvoll auf seine neuen Aufgaben in der Gemeinde in Frömern. © Hennes

Seine Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hat Sebastian Richter vor über zehn Jahren aufgenommen. Er kam nicht von außen, lebte in Frömern und war sozusagen ein Eigengewächs der Kirchengemeinde. Noch zu Schulzeiten machte er ein Praktikum bei seinem Vorgänger Hans-Jürgen Dahl, in dessen Haus für ihn und seine Mutter eine Wohnung frei wurde.

Dankbarkeit für die Verbindung

„Man muss es nicht so machen wie ich.“
Sebastian Richter

Für die Verbindung zu dem ehemaligen Jugendreferenten, die während des Studiums der Sozialen Arbeit aufrecht erhalten blieb und ihm viele Türen öffnete, ist Sebastian Richter „total dankbar“. Dass er dann ganze zehn Jahre in seinem ersten Job geblieben ist, liege auch daran, dass seine Freunde und Familie in Frömern hinter ihm standen. Auch wenn sie an vielen Abenden und Wochenenden – weil es der Job so mit sich bringt – auf ihren Sebastian verzichten mussten.

Abschiedsfeier

Gottesdienst und Party im Spirit

  • Offiziell Abschied feiert Sebastian Richter am Samstag, 25. April. Alle sind eingeladen „und für jeden ist etwas dabei“, sagt er.
  • Um 16 Uhr findet ein Gottesdienst in der Kirche statt, anschließend gibt es einen Empfang im Gemeindehaus. Und in den Abendstunden werde im Spirit mit Sicherheit noch eine Party gefeiert.

In die direkten Fußstapfen von Sebastian Richter wird Katharina Grügelsiepe treten, die bereits mit einer halben Stelle Jugendreferentin in Frömern ist. Sie erhält die volle Stelle. Und für die halbe Zusatzstelle steht auch schon ein Nachfolger fest. Weil der Nachwuchs noch sein Studium abschließen muss, bleibt der Name geheim. „Der Transfer ist aber sicher“, scherzt Richter.

Den Neuen gibt Sebastian Richter mit auf dem Weg: In der Fülle der Dinge nicht den Blick fürs Wesentliche verlieren – und Hilfe annehmen, was ein Zeichen von Größe sei. Das Wichtigste: „Man muss es nicht so machen wie ich!“

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