Duschen schrubben und mit erhobenem Zeigefinger am Beckenrand stehen: Mit der Baywatch-Idylle hat der Job des Schwimmmeisters wenig zu tun. Tauschen möchte Danielle Werner trotzdem nicht.

von Jennifer Freyth

Fröndenberg

, 21.07.2019 / Lesedauer: 5 min

An Deutschlands Beckenrändern klafft eine große Lücke: Nach Schätzungen des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister fehlen aktuell rund 2500 Fachangestellte für Bäderbetriebe. Kaum einer möchte heute noch „Bademeister“ werden. Anders Danielle Werner.

Die 25-Jährige zählt zu den gerade einmal 26.000 Fachkräften, die in den etwa 6500 Bädern in Deutschland arbeiten. Inzwischen in der dritten Saison steht sie im Freibad Dellwig am Beckenrand – und kann sich keinen schöneren Job vorstellen.

Was ihr an ihrem Beruf am besten gefällt? „Einfach alles“, platzt es aus der jungen Frau heraus.

Im Bürgerbad Dellwig in familiärer Runde ohne Security arbeiten

Freilich: Angesichts der vielen Bäderschließungen, immerhin etwa 150 pro Jahr, der Hauptarbeitszeit im Hochsommer, also genau dann, wenn alle Welt das schöne Wetter genießt, und der alljährlichen Arbeitslosigkeit über den langen Winter – „wer Schwimmmeister wird, muss seinen Job schon lieben“, sagt auch Danielle Werner. Doch genau das tut sie. Ob die flexiblen Arbeitszeiten, mit denen das Bürgerbad der jungen Mutter entgegenkommt, die vielfältigen Aufgaben von der Badeaufsicht über die Organisation und die technische Kontrolle bis hin zum Arbeiten an der frischen Luft – wenn Werner ein Loblied auf ihren Job anstimmen soll, fällt ihr so einiges ein.

Warum Schwimmmeisterin Danielle Werner ihren Job im Freibad Dellwig liebt

Mit Handsauger im Kinderbecken unterwegs. Auch das gehört zu den Aufgaben einer Schwimmmeisterin. © Udo Hennes

Dazu trägt sicher auch das Wohlfühlklima bei, das sie im Freibad Dellwig vorfindet. „Klein, aber fein und vor allem familiär“ sei das Bürgerbad. „Hier werde ich noch respektiert, wo hat man das heute noch?“, fragt die 25-Jährige, und kennt die Antwort selbst nur zu gut. Bei der Stadt Beckum ihre Ausbildung gemacht, stand sie zwischenzeitlich auch in Hamm am Beckenrand. Zusammen mit einem Sicherheitsdienst.

Eine Erfahrung, die sie nicht unbedingt ein weiteres Mal machen möchte. Und in Dellwig auch nicht machen muss. Denn davon ist das Bürgerbad weit entfernt, auch wenn immer mal wieder Sicherheitsfirmen in dem Fröndenberger Bürgerbad durchklingeln und ihre Dienste anbieten. Und so ist es auch die Idylle am Ortsrand von Fröndenberg, die Danielle Werner an ihrem Arbeitsplatz schätzt.

Gleich mehrere Schwimmmeister ließen Freibad-Freunde sitzen

Wie schwer Fachkräfte wie sie zu finden sind, das hat der Förderverein schon mehrfach erfahren müssen. Und das gleich im ersten Jahr. Mit zwei Fachkräften wollten die Freibad-Freunde 2012 eigentlich in ihre erste Freibad-Saison starten. Doch anders als Schwimmmeister Heinz Bensch, der dem Bürgerbad bis heute auch im Ruhestand noch in den frühen Morgenstunden die Treue hält und hier und da aushilft, ist der zweite Angestellte nie erschienen. Weil so kurz vor dem Saisonstart freilich kein Ersatz mehr aufzutreiben war, „sind wir damals mithilfe von Rettungsschwimmern durch unsere erste Saison gegurkt“, erinnert sich Dirk Weise, Geschäftsführer der BetriebsgGmbH an die holprigen Anfänge.

Lange Zeit war das Freibad Dellwig in den anschließenden Jahren personell gut aufgestellt – bis es ausgerechnet im vergangenen Rekordsommer wieder mit leeren Händen dastand. Ein anderes Bad hatte den in Dellwig angestellten Schwimmmeister mit besseren Konditionen abgeworben, erzählt Weise kopfschüttelnd. „Da können wir als Bürgerbad mit den Großen natürlich nicht mithalten.“

Rettungsschwimmer ergänzen und verstärken Fachkraft

Den ganzen Sommer über war kein Ersatz zu finden, obwohl die Freibad-Freunde von Arbeitsagentur bis zu befreundeten Bädern an allerhand Türen geklopft hatten. „Es gingen alles

Bäder auf dem Zahnfleisch“, erinnert sich Weise angesichts des lang anhaltenden schönen Wetters. Durch die Rekord-Saison sind die Dellwiger dennoch ohne Einschränkungen gekommen. Ruheständler Bensch sprang ein, ebenso wie etliche Rettungsschwimmer.

Weil das Modell mit einer festangestellten Fachkraft und unterstützenden Rettungsschwimmern im vergangenen Jahr letztlich gut funktionierte, reifte über die Winterpause die Idee, künftig von vornherein mit Rettungsschwimmern zusammenzuarbeiten. So, wie es auch in vielen anderen Bädern längst gang und gäbe ist. „Wir wollten eine zweite Fachkraft, aber auch vorbereitet sein für den Fall, dass wir keine kriegen“, sagt Weise.

Im freibad Dellwig

So wird man Rettungsschwimmer

  • Vom jungen Spund bis zum rüstigen Rentner, vom Schüler oder Studenten über den Arzt oder Polizeibeamten bis hin zum ehemaligen Bundeswehrsoldaten, der für die Kampftaucher zuständig war, kann das Freibad Dellwig auf einen 16-köpfigen Rettungsschwimmer-Pool zurückgreifen.
  • Wer als Rettungsschwimmer zum Einsatz kommen möchte, muss allerdings entsprechend ausgebildet sein. Voraussetzung sind der Rettungsschwimmerschein in Silber sowie ein Erste-Hilfe-Schein. Beides darf nicht älter als zwei Jahre sein. Darüber hinaus müssen Rettungsschwimmer mindestens 18 Jahre alt sein.
  • Für ihren Einsatz am Beckenrand erhalten Rettungsschwimmer eine kleine Entschädigung von 10 Euro pro Stunde.
  • Wer Interesse hat, kann sich einfach im Freibad Dellwig, Am Schwimmbad 1c in Fröndenberg, melden.

Und tatsächlich. Weil sich niemand fand, sorgen neben Fachkraft Danielle Werner und einem Schwimmmeistergehilfen seit dieser Saison immer auch Rettungsschwimmer für die nötige Sicherheit am Beckenrand. Grundsätzlich zum Beispiel an den Wochenenden, wenn Danielle Werner frei hat. Weil aber nur sie als Fachkraft sich um die Technik kümmern darf, sieht sie auch samstags und sonntags dreimal täglich nach dem Rechten. Auch deshalb ist sie Anfang des Jahres aus Hamm nach Dellwig gezogen. „Ich wohne nun fünf Minuten vom Freibad entfernt. Da ist das kein Problem“, sagt die junge Mutter, die bei gutem Wetter mit ihrem vierjährigen Sohn ohnehin meist vor Ort ist.

Warum Schwimmmeisterin Danielle Werner ihren Job im Freibad Dellwig liebt

Ohne Rettungsschwimmer wie Rolly Grondke würde der Betrieb in vielen Schwimmbädern nicht mehr laufen. Denn es gibt zu wenig Schwimmmeister. © Udo Hennes

16-köpfiges Rettungsschwimmer-Team hilft im Handumdrehen aus

Die Rettungsschwimmer sind aber auch als Verstärkung im Einsatz. Etwa, wenn großer Andrang schlicht mehr Aufsicht erfordert. In der Spitze haben so bis zu fünf Leute das proppevolle Becken im Auge. An den Wochenenden, wenn auch noch die DLRG mit ihren Leuten vor Ort ist, sind es sogar bis zu acht Badeaufsichten. „Das Modell hat sich gerade bei unseren Wetterverhältnissen bewährt“, findet Weise, weil das Bürgerbad einen Besucherandrang so viel besser auffangen könne. Am 30. Juni etwa suchten bei der Affenhitze 2494 Badegäste eine Abkühlung in Dellwig. So viele wie noch nie an nur einem Tag. „Mit den Rettungsschwimmern sind wir nun viel flexibler“, freut sich Weise. Kurz in der WhatsApp-Gruppe angefragt, finden sich aus der 16-köpfigen Runde erfahrungsgemäß im Handumdrehen immer genügend Leute, die aushelfen.

Viel Lob für zuverlässige Mitarbeiter im Freibad Dellwig

Auch für die erwarteten heißen Tage in der kommenden Woche ist das Bürgerbad dadurch schon gut aufgestellt. Hat Danielle Werner für die Ferien ohnehin mit einer zusätzlichen Kraft geplant, hat sie für die kommende Hitzewelle sogar noch einen weiteren Rettungsschwimmer in der Hinterhand. Selbst bei Engpässen in anderen Bädern haben die Dellwiger so schon aushelfen können. „Wir sind stolz, dass wir uns auf unsere Rettungsschwimmer so verlassen können“, sagt Dirk Weise.

Und auf Danielle Werner. Denn des Geldes wegen, verspricht sie, würde sie Dellwig nicht den Rücken kehren. „Woanders hätte ich niemals die Chance wie hier in Dellwig bekommen“, freut sie sich, dass sie hier nach ihrer Ausbildung und der anschließenden Familienpause als blutjunge Gesellin durchstarten durfte.

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