Christoph Weitzel im Homeoffice mit seinen Töchtern Marielle (8), links, und Marla (10). Zwei weitere Geschwister haben ebenfalls Homeschooling – dann wird es in Fröndenberg-Ostbüren selbst mit Glasfaser schon einmal eng im Internet. © Udo Hennes
Distanzunterricht

Schulen im Lockdown und Vater im Homeoffice: Mit vier Kindern ächzt das Internet daheim

Der Lockdown der Schulen wird fortgesetzt bis zum 31. Januar: Ein Vater aus Fröndenberg, selbst im Homeoffice, weiß, wie schwierig die Zeit für seine vier Kinder daheim werden kann. Das Internet ächzt.

Distanzunterricht soll vorerst in NRW wegen Pandemie und hoher Inzidenzzahlen erteilt werden. Das Homeschooling läuft übers Internet. Neben seinen vier Kindern ist auch Vater Christoph Weitzel daheim beruflich online – mit recht lästigen Folgen.

»Ich habe Vorrang, ich bin der Verdiener in der Familie.«

Christoph Weitzel

Drei ihrer Kinder gehen zur Grundschule, eine Tochter schon auf die Gesamtschule. Christoph Weitzel und seine Frau wissen ihren Nachwuchs in normalen Zeiten am Vormittag bis zum frühen Nachmittag stets gut behütet. Doch die Coronakrise hat auch bei der Familie aus Ostbüren bereits ihre Spuren hinterlassen.

Homeoffice und Homeschooling zur selben Zeit

Wenn vier Geschwister daheim lernen sollen und sogar der Papa zuhause ist, dann könnte das eigentlich eine angenehme Sache sein. Ist es auch oft, doch stoßen die fünf Heimarbeiter häufiger an Grenzen – und die sind nicht durch räumliche Enge bedingt.

Christoph Weitzel arbeitet für eine große Wohnungsgesellschaft und ist im Homeoffice in der Regel auf das Internet angewiesen: E-Mails verschicken, Dateien senden und empfangen oder an Videokonferenzen teilnehmen.

Christoph Weitzel zeigt auf das Volumen der leistungsschwächeren alten Internetverbindung (links im Bild), rechts sind die Daten der neuen Verbindung zu sehen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Schon beim ersten Homeschooling im vergangenen März saßen die vier Kinder gleichzeitig in ihren Zimmern – ebenfalls an Laptops, mit denen sie immer mal wieder im Internet unterwegs sein müssen, zum Beispiel über das Konferenz-Programm Jitsi Meet in ihrem virtuellen Klassenraum mit ihren Mitschülern und Lehrern.

Selbst Glasfaser schafft es nicht

Wäre Ostbüren nicht vor einigen Monaten an das Glasfasernetz angebunden worden – das gleichzeitige Surfen von fünf Familienmitgliedern im Internet hätten sich die Weitzels ganz abschminken können.

Auf die ursprünglich verfügbare Bandbreite hat Christoph Weitzel sogar noch mehr Volumen zugebucht, „sonst würde es gar nicht gehen.“ Durch eine einzige Videokonferenz, die auch er öfter hat, werden enorme Internetleistungen beansprucht. Es habe auch bereits Situationen gegeben, in denen das Netz trotz Leistungserhöhung wegen zu vieler zeitgleicher Nutzer weiterhin schlapp machte.

„Ich habe Vorrang, ich bin der Verdiener in der Familie“, sagt Christoph Weitzel und würde wohl lachen, wenn das Ganze nicht so traurig wäre. Denn wenn wirklich etwas Dienstliches dringend und sofort zu erledigen ist, muss er seine Kinder bitten, sich für eine Weile aus dem Internet auszuloggen.

Fehlende Tablets sind das nächste Problem

Wenn die dann gerade in ihrem virtuellen Klassenraum sitzen und eigentlich dem Distanzunterricht folgen müssten, ist das natürlich höchst unglücklich. Baupläne mit zwei Gigabyte Datenvolumen verschickt Christoph Weitzel schon wohlweislich erst nachts um 2 Uhr.

Dass aber bei weitem nicht alle Schülerinnen und Schüler in Fröndenberg überhaupt ein eigenes digitales Endgerät besitzen, sei ein drängendes Problem, betont Weitzel, der auch stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft an der GSF ist.

Glücklich über funktionierenden Distanzunterricht

Daher hoffe er, dass jetzt zügig die lange bestellten IPads ausgeliefert und verteilt werden können. Doch die Situation seiner Familie daheim zeige, dass es im Homeschooling nicht nur an geeigneter Hardware, sondern sogar auch an ausreichendem Internet mangeln kann.

Dem Distanzunterricht bis Ende Januar sehen die Weitzels mit Ungewissheit, Spannung, aber auch Freude entgegen. Denn bei allem Unmut übers schlappe Internet ist Christoph Weitzel auch glücklich, dass seine Kinder durch die Angebote der Schulen weiter gut unterrichtet werden. „Ich bin froh, dass sie es so machen!“

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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