Unmut von Eltern und kein Ende: Kinder müssen Busfahrern den Weg zeigen, Schüler passen nicht in übervolle Busse oder erhalten beim Zuspätkommen morgens einen Eintrag ins Klassenbuch.

Fröndenberg

, 14.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Schulbusverkehr in Fröndenberg läuft nicht rund: Aus zahlreichen Rückmeldungen von Eltern an unsere Redaktion spricht großer Ärger über verspätete Busse und uninformierte Busfahrer.

Westfalenbus hatte zum Fahrplanwechsel am 7. Januar die Schulbusfahrten in den regulären Linienverkehr integriert. Schon zuvor hätten in vielen Stadtteilen Schulbusse die Kinder morgens häufig zu spät abgeholt, berichten viele Eltern.

Sie schildern ganz konkrete Missstände von Stentrop über Dellwig bis Ostbüren.

»Es ist eine einzige Katastrophe, denn der Bus ist nicht annähernd um die Zeit dort, wo er sein soll.«
Annika Johann, Mutter aus Dellwig

Linie C72 von Altendorf über Dellwig zur Sonnenbergschule

Annika Johann meldet sich für eine ganze Gruppe von verärgerten Eltern: Denn die Kinder schaffen es nach den Weihnachtsferien nicht mehr pünktlich zum Unterricht. Die Abfahrt von der Haltestelle Dellwig ist von 7.38 Uhr auf 7.44 Uhr nach hinten verschoben worden.

„Es ist eine einzige Katastrophe, denn der Bus ist nicht annähernd um die Zeit dort, wo er sein soll“, berichtet Johann.

Der Bus muss zur Hauptfahrzeit des Berufsverkehrs über zwei Bahnschranken, in eine gut befahrenen Hauptstraße einbiegen und als Linksabbieger über eine große Ampelkreuzung fahren, schildern die Eltern, zu denen auch Susanne Schött,

Nicole Schwarte-Rump, Sandra Schwetge und Ina Artmeier gehören.

Zusätzliches Problem: Die Sonnenbergschule ist ab 8 Uhr zu Unterrichtsbeginn abgeschlossen, die häufig verspäteten „Buskinder“, müssen also am Haupteingang um Einlass klingeln.

„Alltägliche Abläufe wie Sport oder Schwimmen in der ersten Stunde kann man vergessen“, so Annika Johann. Die Eltern kämen oft selbst zu spät zur Arbeit, „weil der Bus so unzuverlässig ist, dass man nicht ruhigen Gewissens zur Arbeit fahren kann“.

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Die Linie R70 steht ebenfalls in der Kritik; allerdings nicht die Route von der Stadtmitte bis nach Strickherdicke, sondern von der Hohenheide bis Unna. Weil es nur noch einen Bus Richtung PGU gibt, ist das Fahrzeug nach Beobachtung von Schülern und Eltern nun jeden Morgen so voll, dass Kinder im Bus stehen müssen. © Marcel Drawe

Zur Sache

Noch keine Reaktion von Westfalenbus

  • Silke Lakrabi bestätigte am Montag, dass es nach wie vor Verspätungen bei den Schulbussen gibt. Die Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule stellte klar, dass sie lediglich für Anlaufschwierigkeiten bei einem Fahrplanwechsel Verständnis geäußert habe. „Das darf aber kein Dauerzustand werden“, so Lakrabi.
  • Die DB Westfalenbus GmbH, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, gab bis Montag (13. Januar) keine erneute Stellungnahme zu der Problematik ab. Die Anfrage unserer Redaktion werde von Westfalenbus mit Sitz in Münster zunächst an das Regionalbüro Kommunikation der Deutschen Bahn in Düsseldorf weitergeleitet.
  • Der Kreis Unna teilte auf Anfrage mit, dass ihm für den Schulbusverkehr keine Aufsicht obliege, sondern hierfür die örtlichen Schulämter in Zusammenarbeit mit den Busunternehmen zuständig seien.

Die Linie trage auch die Kennung „172 Stadtbus“ und nicht C 72 Schulzentrum, wie im Fahrplan angegeben – das verwirre die Kinder zusätzlich. Die sind andererseits aber offenbar auch gefordert: So wird berichtet, dass Kinder Busfahrern die Strecke erklären und Haltestellen zeigen mussten, „oder sogar einfach irgendwo aussteigen durften, weil der Bus nicht weiter kam“.

Linie C72 Gemeinschaftsgrundschule Richtung Strickherdicke

Sehr erbost ist auch Susanne Sommer aus Strickherdicke. Laut Fahrplan müsste die Linie C72 ihren Sohn an der Haltestelle Landwehr, Haus Bräer absetzen.

„Das halte ich für richtig verantwortungslos.“
Susanne Sommer, Mutter aus Strickherdicke

Der Busfahrer fuhr am vergangenen Donnerstag aber nur bis zum vorherigen Halt „Im Loh“ und ließ den Drittklässler dort aussteigen. Gemeinsam mit einem elfjährigen Nachbarsjungen aus einem zweiten Bus musste er sich weinend über matschige Feldwege den Weg nach Hause suchen. „Das halte ich für richtig verantwortungslos“, so Susanne Sommer. Wenn der Fahrplan schon fehlerhaft sei, hätte man zumindest erwarten dürfen, dass einer der beiden Busfahrer die Kinder bis zur Endhaltestelle fährt.

Linie R70 von „Kirche“ Hohenheide bis „Peukinger Weg“ in Unna

Die Umstellung der vormals zwei Buslinien auf eine Regionalverbindung nach Unna sorgt für Verdruss auf der Hohenheide.

„Unsere Tochter berichtet über unzumutbare Zustände“, schreiben Hanna und Jana Grothe sowie Frank Schott. Weil mittlerweile nur noch ein Bus zum Pestalozzi-Gymnasium Unna über Ostbüren und Frömern fahre, sei der Bus morgens schon voll. „Im Laufe der Fahrt ist der Bus dann so überfüllt, dass die Kinder auch vor den Türen stehen und wartende Kinder auf den Folgebus warten müssen“, berichtet die Familie.

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»Das darf kein Dauerzustand werden.«
Silke Lakrabi, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule

Die Eltern fragen sich zudem, ob überhaupt die Sicherheit der in den Bussen stehenden Schulkinder gewährleistet sei. „Folgen, die hieraus vielleicht bei einer Vollbremsung oder einem Unfall entstehen, möchten wir uns alle nicht vorstellen“, schreiben die Hohenheider.

Familie Sommer von der Hohenheide stellt ebenfalls die Haftungsfrage. Auch gesundheitliche Probleme hätten sich bei ihrer Tochter, die eine 5. Klasse am Ernst-Barlach-Gymnasium in Unna besucht, schon gezeigt. „Die völlig überfüllten Busse sind nicht länger für die Kinder zu ertragen, sie klagen über Schwindelgefühle und Kreislaufprobleme, da sie so ,zusammengepfercht“ sind“, schreiben sie.

Und: Die Fahrpläne der Schüler müssten künftig viel früher ausgehändigt werden.

Busverbindung Stentrop Richtung Overbergschule

„Besonders betroffen sind auch Kinder aus Stentrop“, schreibt Eckhard Gransow. In den letzten Tagen seien die Busse morgens verspätet angekommen oder ausgefallen. Die Schüler hätten einen Eintrag im Klassenbuch erhalten.

„Die völlig überfüllten Busse sind nicht länger für die Kinder zu ertragen, sie klagen über Schwindelgefühle und Kreislaufprobleme.“
Familie Sommer aus Ostbüren

Unpünktliche Busse habe es auch häufig im letzten Jahr gegeben, sodass die Overbergschule vor einigen Monaten bereits die Eltern befragt habe.

Eckhard Gransow meint, dass Gründe für die aktuellen Probleme nicht nur bei dem Busunternehmen Westfalenbus liegen, sondern ursächlich bei der zuständigen Kreisbehörde, „die den gesetzlichen Auftrag an das Busunternehmen erteilt und auch eine gewisse Kontrollpflicht hat“. Es scheine, dass die Reduzierung der Buslinien und der im Einsatz befindlichen Busse die Folgen der Kosteneinsparung bei der Auftragsvergabe waren.

Linie R70 Ostbüren/Frömern Richtung Overbergschule

Kathrin Klamma bestätigt, was zuvor schon die Väter Manuel Schächtele und Christian Knospe berichtet hatten: Es sei nicht nur die Beschilderung der Linie R70 für Kinder wie Eltern irreführend. Aus Versehen oder Unwissenheit führen die Busfahrer einige Haltestellen wie an der Kita in Ostbüren auch gar nicht an. „Kinder stiegen weinend an der Haltestelle Poststraße aus“, berichtet Kathrin Klamma. Aufgefallen sei, dass die Busse oft selbst in 30-Zonen deutlich zu schnell fuhren - vermutlich hätten wohl Verspätungen aufgeholt werden müssen. Kathrin Klamma: „Ich hoffe sehr, dass sich der Fahrplan nun endlich auf allen Seiten einspielt, die Busse pünktlich kommen, alle Haltestellen im Plan anfahren und man keine Sorgen mehr um seine Kinder haben muss.“

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