Die gute Laune lassen sich die Langscheder Schützen auch vom abgesagten Fest nicht nehmen. Stattdessen schwelgen sie in Erinnerungen und richten ihren Blick auf das nahende Jubiläum.

Fröndenberg

, 07.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von Corona lassen sich die Langscheder Schützen nicht ins Bockshorn jagen. Sie behalten ihr Jubiläumsjahr 2022 fest im Blick und haben einen Weg gefunden, ihr Schützenfest trotzdem zu feiern. Im eigenen Garten, bewaffnet mit einer Kinderarmbrust.

Das Langscheder Schützenfest ist etwas Besonderes, da sind sich Pressewart Marvin Büscher und zweiter Vorsitzender Thomas Klostermann einig. „Was unser Fest ausmacht, ist der Dorfabend“, sagt Klostermann. Der Montagabend ist für gewöhnlich gefüllt mit einem lustig-bunten Bühnenprogramm. Es wird parodiert, gesungen und getanzt. Ob Männerstriptease, Dinner for One oder Horst Schlemmer - der Dorfabend lockt die Langscheder ins Zelt.

Erbsensuppe und Ersatzfest

Ebenfalls auf einem Langscheder Schützenfest nicht fehlen darf die berühmt-berüchtigte Erbsensuppe. Das Gericht der Feldküche Drüpplingsen gehört seit 1923 zum Fest dazu und darf laut Büscher auch in diesem Jahr nicht fehlen. Deshalb hat es ein Ableger der Suppe in die Schützenfest-to-go-Pakete geschafft, die sich die Schützen am Festsonntag abholen können.

Die Feldküche Drüpplingsen mit ihrem Trecker und ihrer Erbsensuppe darf auf keinem Schützenfest der Langscheder fehlen.

Die Feldküche Drüpplingsen mit ihrem Trecker und ihrer Erbsensuppe darf auf keinem Schützenfest der Langscheder fehlen. © Privat

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Private Schützenfeste in Langschede

  • Ganz ohne Schützenfest geht es in Langschede aber nicht.
  • Die Schützen laden ihre Kollegen ein, am Schützensonntag von 15.30 bis 17.30 Uhr bei ihrem Vorsitzenden vorbeizukommen und sich am Heimgarten 5 ihr Schützenfest-to-go-Paket abzuholen.
  • Enthalten sind zwei Pakete Schützenprost, eine Packung Bratwürstchen, eine Packung Hubertustropfen und eine Dose Erbsensuppe.
  • Darüber hinaus sind die Schützen eingeladen, in ihren eigenen vier Wänden auf kreative Weise ihr eigenes Schützenfest zu feiern. Über Bilder dazu freut sich der Schützenverein unter der Mailadresse info@schuetzenvereinlangschede.de.
  • Die Bilder sollen Teil der Chronik werden, die für das Jubiläumsfestjahr 2022 erscheinen soll.

Ganz ohne Schützenfest können die Langscheder in diesem Jahr dann aber doch nicht. „Wir werden ein kleines Vogelschießen im Garten machen“, verrät Klostermann. Eine Kinderarmbrust und Saugnapf-Pfeile sind schon besorgt. Auch die restlichen Langscheder sind dazu angehalten, in ihren eigenen Heimen ein eigenes Schützenfest zu feiern. „Damit wir dieses Jahr hoffentlich ganz viele Könige haben.“

Vertriebene Bauarbeiter und gestürmte Partys

Schöne Schützengeschichten wollen die Langscheder an ihrem Festwochenende auch nicht missen. „1997 sind wir nach dem Abbauen in eine der Gaststätten eingekehrt, um den Tag ausklingen zu lassen“, erinnert sich Marvin Büscher. Unglücklicherweise hätten allerdings Bauarbeiter vor der Tür gearbeitet. „Mit Rüttelplatte und allem drum und dran.“

Kurzerhand haben die Schützen die Bauarbeiter auf ein Getränk eingeladen und sie dann gebeten, woanders weiterzuarbeiten. Die Bauarbeiter zogen ab und die Schützen konnten ihr Fest gemütlich und ohne Baulärm ausklingen lassen. Heute nur schwerlich denkbar.

2022 feiern die Langscheder Schützen ihr Jubiläum. Die Fahne aus Gründungszeiten existiert noch immer.

2022 feiern die Langscheder Schützen ihr Jubiläum. Die Fahne aus Gründungszeiten existiert noch immer. © Privat

Auch der Überfall auf den Fröndenberger Schützenbund bleibt unvergessen. „Wir waren in dem Jahr als Ersatz in Platte Heide eingeladen“, sagt Klostermann mit einem Schmunzeln. Das wäre allerdings „langweilig“ gewesen, weshalb man abgereist sei und überlegt habe, welche Party man „als nächstes sprenge“. Die Wahl fiel auf den Fröndenberger Schützenbund, die Langscheder fuhren mit Bus vor und stürmten singend die Tanzfläche. Seitdem besuchen sich die beiden Vereine gegenseitig.

Vergrabene Ketten und lange Freundschaften

Eine besondere Freundschaft verbindet die Langscheder aber mit den Halinger Schützen. Das liegt mitunter daran, dass der Langscheder Schützenverein aus ihnen hervorgegangen ist, wie Büscher weiß. Es habe ein paar Langscheder im Halinger Verein gegeben. Diese seien begeistert gewesen, fanden es „so schön, dass sie selbst eine Kompanie machen wollten“, wozu es am 17. August 1922 dann auch kam.

Julius Flecke und Maria Haslinde sind das erste Schützenpaar 1923 gewesen.

Julius Flecke und Maria Haslinde sind das erste Schützenpaar 1923 gewesen. © Privat

Seither wird jährlich in Langschede ein König gekürt. Nur einmal hätten die Langscheder 13 Jahre Pause machen müssen. „Der letzte König vor dem Krieg war 13 Jahre lang König“, sagt Büscher. Damit niemand die Kette finden und mitnehmen konnte, vergrub er sie 1939 in einem Einmachglas im eigenen Garten und holte sie erst 1952 wieder hervor. Unversehrt. „Die Kette existiert immer noch.“

Schützenkönig Heinz Beckmann vergrub 1939 die hier zu sehende Kette in seinem Garten, damit sie im Krieg nicht mitgenommen werden konnte.

Schützenkönig Heinz Beckmann vergrub 1939 die hier zu sehende Kette in seinem Garten, damit sie im Krieg nicht mitgenommen werden konnte. © Privat

Ein Pastor in den eigenen Reihen

Ebenfalls etwas Besonderes sei die enge Verbindung mit der Kirche. „Wir eröffnen unser Schützenfest immer mit einer Zeltandacht“, sagt Klostermann. Zum Festzug läuten die Glocken und bald dürfen die Langscheder Schützen auch einen Pastor in ihren Reihen begrüßen. „Ich glaube, das ist in Fröndenberg einmalig.“

Seit 2019 haben sie nämlich ein neues Mitglied im Verein, das in diesem Jahr zum Priester geweiht wird. „Da werden ein paar von uns natürlich auch dabei sein“, verspricht der zweite Vorsitzende.

Die erste Fahne des Vereins ist gut erhalten. Das erste Schützenpaar hat sie gesponsert, die Königin höchstpersönlich bestickt.

Die erste Fahne des Vereins ist gut erhalten. Das erste Schützenpaar hat sie gesponsert, die Königin höchstpersönlich bestickt. © Privat

Einzig der fehlende Nachwuchs ist ein Sandkorn im Auge der Langscheder Schützen. „Es sieht schlecht aus“, sagt Klostermann. Mittlerweile sei die starke Jungschützenkompanie von einst gänzlich ins Bataillon eingetreten. „Aber es kam leider nichts Neues nach.“ Die Schützen hätten versucht, auf die Jugend zuzugehen, allerdings ohne Erfolg.

Lichtblick nach dem ausgelassenen Schützenfest in diesem Jahr ist natürlich das Jubiläumsjahr 2022. Büscher sitzt bereits an der Chronik, die ersten Vorbereitungen laufen an. „Es soll wie unser normales Schützenfest werden, nur größer.“ Und garantiert auch mit Erbsensuppe!

Die Erbsensuppe durfte schon in den Anfangsjahren nicht fehlen und ist fester Bestandteil des Festes.

Die Erbsensuppe durfte schon in den Anfangsjahren nicht fehlen und ist fester Bestandteil des Festes. © Privat

Wichtig auch in den kommenden Jahren soll dabei das Motto der Schützen werden. „Tradition mit Zukunft“. So wollen die Langscheder weiter auf ihrer starken Gemeinschaft aufbauen. „Hier kann sich jeder auf jeden verlassen.“ Dabei wollen die Schützen aber auch neue Ideen zulassen, um ihren Verein in die Zukunft zu führen.

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