Schützenhalle ohne Partys und Events: „Geht es 2021 so weiter, müssen wir ans Ersparte“

dzCorona-Fördertopf

Schützenvereinen, die ihre Schützenhalle wegen der Corona-Pandemie seit Monaten nicht vermieten können, entgehen lebenswichtige Einnahmen. Im Fröndenberger Ruhrtal hofft man nun auf eine Finanzspritze.

Fröndenberg

, 14.07.2020, 15:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schützenhalle Ruhrtal gehört dem Schützenverein Warmen-Frohnhausen-Neimen. Nur mit Vermietung und Getränkeumsatz ist das Eigentum überhaupt zu halten. Seit Monaten steht die Halle aber wegen der Corona-Pandemie leer.

Es ist ein Geschäft, von dem alle etwas haben: der Ort, das Feiervolk, Veranstalter und eben auch der Verein selbst. Der baute 1980 die Schützenhalle neben der Kirche, die Zeiten des kurzlebigen Festzeltes waren damit vorbei.

»Und unsere Heizung ist auch 30 Jahre alt.«
Lothar Scheiter, 2. Vorsitzender

Vorteil einer festen Halle: Nicht nur das Schützenfest einmal im Jahr, sondern auch Hochzeiten und runde Geburtstage können gefeiert werden, die Halle mit Bühne lässt sich als Partytempel nutzen oder Ort einer Kaninchenausstellung.

Die Mieten halte man bewusst niedrig, dafür werde aber der Getränkeverkauf an der Theke mitgebucht, erklärt Uwe Kock. Das Modell trage sich jetzt seit 40 Jahren, rechnet der Oberst und 1. Vorsitzende der Ruhrtalschützen vor.

Nebenkosten laufen unvermindert weiter

Schließlich hat der Schützenverein Nebenkosten wie Strom, Wasser und Heizung, muss vor allem aber immer wieder große Beträge investieren: Noch vor der Corona-Krise hatte man die alten Leuchtstoffröhren durch energiesparende LED-Birnen ausgetauscht. „Die Halle ist jetzt auch immer richtig schön ausgeleuchtet“, freut sich Kock über die sinnvolle Modernisierung.

Die Après-Ski-Party ist die größte und umsatzstärkste Veranstaltung in der Schützenhalle Warmen. Der Ruhrtaler Schützenverein hofft, dass er im November trotz des Coronavirus eine abgespeckte Version der Party ermöglichen kann.

Die Après-Ski-Party ist die größte und umsatzstärkste Veranstaltung in der Schützenhalle Warmen. Der Ruhrtaler Schützenverein hofft, dass er im November trotz des Coronavirus eine abgespeckte Version der Party ermöglichen kann. © Archiv

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Vor einiger Zeit waren neue Toilettenanlagen fällig und Hallentüren mussten als Notausgänge vergrößert werden. „Und unsere Heizung ist auch 30 Jahre alt“, bemerkt der 2. Vorsitzende Lothar Scheiter. Gebe die ihren Geist auf, werde es richtig teuer.

Dann würde wohl auch das Ersparte nicht reichen, das man für schlechte Zeiten zurücklegt. Zumal in diesem Jahr bislang noch kaum ein Euro eingenommen worden ist: SPD und CDU buchten die Halle im Juni für ihre Wahlversammlungen. Das war es schon.

Après-Ski-Party soll gerettet werden

Kassiererin Nicole Kimmel muss derweil mitansehen, wie die Abschläge für Strom, Gas und Wasser aus dem Vorjahr vom Vereinskonto abgebucht werden – von 2019, als der Laden brummte, nicht zuletzt wegen des Jahreshighlights, der Après-Ski-Party im November.

Uwe Kock und Lothar Scheiter nicken beide. Ja, die ganz großen Zeiten sind zwar schon lange vorbei. Früher war die Halle Jahr für Jahr mit 40 türkischen und russischen Hochzeiten oder Beschneidungsfeiern gebucht. „Das hat uns sehr geholfen, unser Darlehen zurückzahlen zu können“, weiß Uwe Kock noch.

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»Die Spritze brauchen wir jetzt erst einmal.«
Lothar Scheiter, 2. Vorsitzender

Nicht nur die Hochzeiter kommen wegen mittlerweile eigener Hallen nicht mehr, auch insgesamt gehe die Zahl der Hallenvermietungen zurück, schwanke dazu stark zwischen 16 und 26 pro Jahr. Lange schon bleibe daher von den Mieten viel übrig, was auf die hohe Kante gelegt werden könnte.

Umso wichtiger seien aber die festen Größen als Einnahmequelle, die aber 2020 allesamt ausfallen – vielleicht mit einer Ausnahme. Denn während das Ruhrtal-Rockfestival aufs Frühjahr 2021 verschoben wird, will man so lange es geht am Termin für die Après-Ski-Party festhalten.

Vorstand haftet am Ende persönlich

Gemeinsam mit dem Ordnungsamt könnte man doch vielleicht ein tragfähiges Konzept mit begrenzter Besucherzahl entwickeln, hoffen die Schützen. Im Ruhrtal ist man daher über einen Fördertopf des Landes froh. Nicole Kimmel habe bereits einen Antrag vorbereitet.

„Die Spritze brauchen wir jetzt erst einmal“, stellt Lothar Scheiter fest. Denn über eines mache sich der Vorstand, der am Ende auch persönlich haftet, keine Illusionen. „Wenn es 2021 so weiter geht – dann müssten wir an unser Erspartes ran“, sagt Uwe Kock voraus.

Info

Fördertopf für Brauchtumsvereine ab dem 15. Juli

  • Die Landesregierung legt ein Sonderprogramm „Heimat, Tradition und Brauchtum“ zur Unterstützung von Vereinen und Verbänden während der Corona-Lage in Höhe von 50 Millionen Euro auf.
  • Gemeinnützige Vereine oder Organisationen, die im Sinne ihrer satzungsgemäßen Aktivitäten den Bereichen Heimat, Tradition und Brauchtum zuzuordnen sind, sollen zur Überwindung eines durch die Corona-Krise verursachten existenzgefährdenden Liquiditätsengpasses einen einmaligen Zuschuss in Höhe von bis zu 15.000 Euro beantragen können. Die Unterstützung richtet sich nach dem tatsächlichen Bedarf.
  • Voraussetzung für die Gewährung der Sonderhilfe ist die Vermeidung eines durch die Corona-Pandemie verursachten Liquiditätsengpasses, der zu einer Existenzgefährdung in Form einer drohenden Zahlungsunfähigkeit führen könnte. Die existenzbedrohende wirtschaftliche Lage und/oder der finanzielle Engpass muss aufgrund des Wegfalls von Einnahmen und/oder nicht zu verhindernden Ausgaben durch die Corona-Pandemie eingetreten sein.
  • Informationen sind auf der Homepage des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen abrufbar. Anträge können ab dem 15. Juli 2020 online gestellt werden.

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