Das Gewerbegebiet Schürenfeld wird vorangetrieben und die Kritik wieder lauter. Nach Ansicht der IHK muss Fröndenberg Flächen vorhalten, um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben.

Fröndenberg

, 28.11.2018, 12:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus Sicht der IHK zu Dortmund „ist eine angebotsorientierte Flächenpolitik notwendig, um Fröndenberg und den gesamten Kreis Unna als einen attraktiven Wirtschaftsstandort zu erhalten und auszubauen“, sagte Wulf-Christian Ehrich anlässlich des IHK-Wirtschaftsgesprächs in Fröndenberg zu unserer Zeitung. Viele Unternehmen hätten es schwer, Expansions- und Ansiedlungsflächen innerhalb der Städte zu finden. „Insofern kann nicht von einer Konkurrenzsituation, sondern von einer Bedarfssituation gesprochen werden“, meinte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer mit Blick auf die ebenfalls geplanten Gewerbeflächen Hämmer II in Menden und das gemeinsame Industriegebiet von Unna und Kamen. Blicke man zunächst auf die Unternehmen im Kreis Unna, die neu entstehende Gewerbeflächen in der Umgebung betrachten, sei bei der Vermarktung des Schürenfeldes „eine gezielte Fokussierung nicht erforderlich“, weil der Kreis Unna durch ein großes Branchenspektrum geprägt sei.

Kennzahlen der Fröndenberger Wirtschaft

Spitzenplatz beim Hebesatz

der Gewerbesteuer

465 von Hundert beträgt der aktuelle Hebesatz für die Gewerbesteuer in Fröndenberg. Damit liegt die Stadt hinter Werne (445 v. H.) gemeinsam mit Hamm auf Platz zwei im gesamten IHK-Bezirk, der die kreisfreien Städte Dortmund und Hamm sowie den Kreis Unna umfasst. 11 Fröndenberger Unternehmen werden bei der IHK zu Dortmund mit einer Mitarbeiterzahl von mindestens 50 geführt. Die größten Arbeitgeber in der Stadt sind demnach Honsel Umformtechnik (Kategorie 200 bis 499 Beschäftigte), Schmöle, H. Hüttenbrauck Profil und Spedition Huckschlag (jeweils 100 bis 199 Beschäftigte), Isselmarkt, Fröndenberger Drahtwerk, Stadtwerke Fröndenberg, Gebr. Albert, Bielemeier sowie Technoflex (jeweils Kategorie 50 bis 99 Beschäftigte).

Angesprochen auf den langwierigen Ausschreibungs- und Vergabeprozess beim Breitbandprogramm des Bundes, für das die Stadt bereits im August 2017 den Zuschlag erhalten hatte, aber wohl nicht vor 2020 im Westen Glasfaser verlegen lassen kann, meinte Ehrich: „Fröndenberg hat den richtigen Weg eingeschlagen, um den Breitbandausbau voranzutreiben.“ Scheinbar kurzfristigere und kleinteiligere Lösungen führten nicht zu einer mittel- und langfristigen Versorgung mit ausreichender und in die Zukunft gerichteten Breitbandversorgung.

500 neue Arbeitsplätze in den vergangenen vier Jahren entstanden

Bei dem traditionellen Wirtschaftsgespräch am Montag im Golf-Hotel Gut Neuenhof hatte Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe auf die guten Eckwerte des Wirtschaftsstandortes Fröndenberg hingewiesen. So spreche die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten für Wachstum: In den vergangenen vier Jahren seien 500 neue Arbeitsplätze in der Stadt entstanden. Dies sei „auch eine wichtige Kennzahl für die Einkommenssteueranteile in der Gemeindefinanzierung und den entsprechenden Schlüsselzuweisungen“, sagte Rebbe. Der Bürgermeister führte unter anderem die eigene Ausbildungsmesse sowie 8 Millionen Euro an Investitionen – unter anderem für die Digitalisierung – in die Schulen als begünstigende Faktoren an, die die Stadt aktiv beeinflusse.

Schürenfeld: Dortmunder IHK sieht eindeutigen Bedarf für Gewerbeflächen in Fröndenberg

Trafen beim IHK -Wirtschaftsgespräch aufeinander (v. l.): Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Joachim Hüttenbrauck, Mitglied der IHK-Vollversammlung, Friedrich-Wilhelm Rebbe, Virtual-Reality-Experte Markus Rall sowie IHK-Geschäftsführer Michael Adel. © UDO HENNES

„Politik und Verwaltung sind da auf einem guten Weg, den wir gern mitbegleiten“, sagte Wulf-Christian Ehrich im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Vielzahl von Bausteinen trage dazu bei, „Fröndenberg als einen prosperierenden Wirtschaftsstandort mit qualifizierten Fachkräften zu gestalten und weiterzuentwickeln“. Die von Rebbe angeführten Maßnahmen im Schul- und Ausbildungsbereich ergänzten sich quasi mit dem IHK-Projekt der Azubi-Botschafter – „Die besten Fürsprecher für Ausbildung sind Auszubildende“ – sowie mit der Forderung, ein Schulfach Wirtschaft einzuführen.

Mit Blick auf die in Fröndenberg laufenden Haushaltsplanberatungen für 2019 warnt die IHK davor, eine mögliche Senkung der Grundsteuer B mit einer Anhebung der Gewerbesteuer auszugleichen. Jede Art der Steuersenkung für ihre Mitgliedsunternehmen werde von der IHK natürlich begrüßt. Eine Senkung der Grundsteuer zu Lasten der einer Erhöhung der Gewerbesteuer sei jedoch „eine einseitige Verschiebung von Steuerbelastungen auf die Wirtschaftsunternehmen“, meinte Michael Adel, Geschäftsführer der IHK.

Gewerbesteuer: Fröndenberg sollte seinen „Spitzenplatz“ nicht riskieren

Von seinem augenblicklichen Spitzenplatz bei den niedrigsten Hebesätzen im Kammerbezirk – hinter Werne – könne Fröndenberg noch profitieren, „weil Unternehmen Standortentscheidungen immer stärker von diesen allgemeinen Faktoren abhängig machen.“ Eine Erhöhung führe langfristig zur Schwächung des Standortes. Michael Adel: „Im kommunalen Wettbewerb liegt Fröndenberg mit der Gewerbesteuer damit in einer guten Position und sollte dies nicht verspielen.“

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