Schmieden mit Gold in Frankreich: Maren Lange verbindet Liebe mit Leidenschaft im Elsass

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Wenn Handwerk goldenen Boden hat, ist Maren Langes Beruf von Gold nur so umhüllt. Die Goldschmiede-Gesellin erzählt von ihrer Liebe und Leidenschaft und verrät, warum sie ihren Trauring nicht selbst geschmiedet hat.

Fröndenberg, Frömern

, 12.06.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Goldschmieden dürfte einer der ältesten noch existierenden Handwerksberufe überhaupt sein. Maren Lange aus Frömern hat ihr Herz an eine ganz besondere Profession verloren - und mittlerweile auch an ihren Ehemann in Frankreich.

»Ich habe schon als Kind mit Hammer und Säge hantiert.«
Maren Lange

Dass die 25-Jährige im Februar die zweitbeste Gesellenprüfung in Nordrhein-Westfalen ablegen würde, mag ihre Meisterin Katrin Becker schon geahnt haben. „Ich hatte noch nie eine so talentierte Auszubildende“, schwärmt die Goldschmiedin mit dem Atelier im Alten Bahnhof Frömern.

Maren Lange muss lachen, als sie nach ihrer Berufswahl gefragt wird. Mit 16, da war sie noch Gymnasiastin in Unna, trug sie zunächst Zeitungen aus. Zu einer für den Teenager undankbaren Uhrzeit. „Mit 16 möchte man sonntags morgens nicht um 6 Uhr aufstehen“, gibt sie zu.

Das Löten ist eine der schwierigsten handwerklichen Tätigkeiten, die Maren Lange beim Goldschmieden beherrschen muss.

Das Löten ist eine der schwierigsten handwerklichen Tätigkeiten, die Maren Lange beim Goldschmieden beherrschen muss. © Udo Hennes

Zur Sache


Woher kommt das ganze Gold?

  • Als Kunde kann man alte Schmuckstücke zum Goldschmied bringen, umarbeiten oder einschmelzen und ein neues Juwel anfertigen lassen.
  • „Wenn man perfektes Metall haben möchte, bestellt man es in der Scheideanstalt“, erklärt Maren Lange.
  • Eine Scheideanstalt wird auch Affinerie genannt und ist im Grunde ein Recyclingbetrieb, der sich auf die Rückgewinnung von Metallen spezialisiert hat.
  • Edelmetalle werden aus dem angelieferten Altmaterial zurückgewonnen, das in der Regel ein Mix aus verschiedenen Elementen und Bestandteilen ist, daher spricht man von „scheiden“.

Schnell war im Dorf der Kontakt zur Goldschmiedewerkstatt von Katrin Becker geknüpft, wo sie als Praktikantin zuerst Schmuck reinigen und irgendwann dann auch kleinere Stücke selbstständig anfertigen durfte.

Talent und auch ein Faible für das Formen mit der Hand zeigten sich bei der Schülerin recht schnell - und müssen wohl in der Familie liegen. Ihr Großvater Heinz war in Frömern bereits Hufschmied, ihr Papa Heiner ist Schlosser.

„Ich habe schon als Kind mit Hammer und Säge hantiert“, erzählt Maren Lange. Die Praktikumszeit behielt sie ebenfalls in guter Erinnerung, ging nach dem Abitur aber zunächst für zwei Jahre ins Elsass.

Finessen und Feinheiten des Goldschmiedens

Ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte sie in einem Kinderheim und verlängerte dort sogar. „Eigentlich wollte ich ja in den sozialen Bereich“, sagt sie. Die Arbeit als Erzieherin habe sie sich aber nicht als Lebensaufgabe vorstellen können.

Aber es gab ja auch noch dieses Handwerk, das ihr so gut lag. So kehrte die vormalige Praktikantin als Auszubildende in das Atelier Juvenile in Frömern zurück. Nun lernte sie die Finessen und Feinheiten des Goldschmiedens von der Pike auf kennen.

Eine schwere Goldwalze steht in der Werkstatt in Frömern, an der die Goldschmiede Edelmetallplättchen in Form bringen und Drähten die passende Stärke verpassen.

Eine schwere Goldwalze steht in der Werkstatt in Frömern, an der die Goldschmiede Edelmetallplättchen in Form bringen und Drähten die passende Stärke verpassen. © Udo Hennes

»Es wird oft unterschätzt, wie anspruchsvoll Handwerk ist.«
Maren Lange

Der Weg „von einem Klumpen Metall zu einem schön polierten Ring“, der Maren Lange so fasziniert, führt durch etliche Handgriffe, die beherrscht sein wollen. Etliche Male muss sie eine schwere Walze mit einer Kurbel in Gang setzen, damit die Edelmetallplättchen die richtige Stärke bekommen. Drähte streckt sie an der Ziehbank in die passenden Längen und Gold und Silber muss sie mit einem Lötkolben schmelzen oder aufweichen: „Es wird oft unterschätzt, wie anspruchsvoll Handwerk ist“, findet die prämierte Gesellin.

Gravieren per Hand ist eine seltene Kunst

Eine Schwäche hat sie für das Gravieren entdeckt - natürlich auch per Hand und nicht computergesteuert, was heutzutage selten ist. Graveur ist ein eigener Ausbildungsberuf. Maren Lange hat eine Zusatzqualifikation erworben und mit ihrem Gesellenstück, auf das sie eine fein ziselierte Pusteblume eingeritzt hat, die Prüfer überzeugt.

Maren Langes Gesellenstück, das sie zum Abschluss ihrer Ausbildung im Atelier Juvenile Frömern anfertigte und das die Handwerkskammer zu Dortmund sogar als bestes Stück auszeichnete, in Nordrhein-Westfalen kam die Fröndenbergerin auf den zweiten Platz.

Maren Langes Gesellenstück, das sie zum Abschluss ihrer Ausbildung im Atelier Juvenile Frömern anfertigte und das die Handwerkskammer zu Dortmund sogar als bestes Stück auszeichnete, in Nordrhein-Westfalen kam die Fröndenbergerin auf den zweiten Platz. © Udo Hennes

„Von innen nach außen - von außen nach innen“ lautete die Aufgabe bei der Gesellenprüfung, bei der Maren Lange ein Medaillon aus Rotgold anfertigte und gravierte.

„Von innen nach außen - von außen nach innen“ lautete die Aufgabe bei der Gesellenprüfung, bei der Maren Lange ein Medaillon aus Rotgold anfertigte und gravierte. © Udo Hennes

Mittlerweile pendelt die Goldschmiedegesellin zwischen Frömern und Guebweiler, einem kleinen Ort zwischen Colmar und Mühlhausen. Denn im Elsass hat sie nicht nur den Lebensstil schätzen und lieben gelernt - „Es ist schon entspannter dort“ -, sondern auch ihren heutigen Ehemann Jeremie Pascazio.

Inzwischen sind die beiden verheiratet und Maren Lange ist ins Elsass umgezogen. „Die Liebe war dann doch stärker“, sagt sie mit einem Strahlen. Übrigens gibt es unter Goldschmieden einen Aberglauben: Der eigene Ehering darf nicht selbst geschmiedet werden - dann zerbricht die Ehe. Kurzerhand übernahm ihr Kollege Alexander Grawer in Frömern diese Aufgabe.

Hinter jedem Schmuckstück steht eine Geschichte

Überhaupt sind die Bande nach Frömern weiter eng geknüpft: Bei Katrin Becker holt sich Maren Lange nun alle zwei Monate Aufträge und Material ab und schmiedet die Schmuckstücke in ihrer eigenen kleinen Werkstatt.

An ihrem Beruf begeistern Maren Lange neben der feinsinnigen Arbeit die individuellen Geschichten, die hinter jedem Schmuckstück stecken. Die junge Frau ist überzeugt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben: „Handwerk kann ich jedem nur ans Herz legen!“

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