Schänder des jüdischen Friedhofs in der Pogromnacht zeigten 1946 keine Reue

dzReichspogromnacht 1938

Die Stadt Fröndenberg lädt zum 15. Mal zum Pogromgedenken ein: Gedacht wird der Opfer jener Nacht von 1938, in der auch in der Ruhrstadt jüdische Mitbürger misshandelt wurden. Das Nachspiel war ebenso schändlich.

Fröndenberg

, 08.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wenn die Stadt Fröndenberg am Sonntag, 10. November, zum 15. Pogromgedenken einlädt, wird wieder der jüdischen Opfer der Reichspogromnacht gedacht. In Fröndenberg gab es ein schändliches Nachspiel.

In der Stadt ist nicht am 9. November wie sonst im ganzen Land, sondern einen Tag später „durch staatlich gelenkte Terrormaßnahmen auch die Lebensgrundlage der jüdischen Bürgerinnen und Bürger vor Ort am Kirchplatz und am Himmelmannplatz zerstört“ worden, weiß Stadtarchivar Jochen von Nathusius.

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Schänder des jüdischen Friedhofs in der Pogromnacht zeigten 1946 keine Reue

Die Schänder des jüdischen Friedhofs in Fröndenberg in der Reichspogromnacht überließen 1946 entgegen einer Weisung die Grabsteine der Witterung. Viele Grabinschriften sind deshalb heute nicht mehr lesbar. Jochen von Nathusius erläutert am 10. November die Geschichte des Friedhofs. © Udo Hennes

Während oder kurz nach der Pogromnacht vom 10. auf den 11. November hatten einheimische Nazis auch den jüdischen Friedhof teilweise verwüstet, die Grabsteine aus den Verankerungen gerissen und umgeworfen.

Im Februar 1946 ermittelte die Polizei 26 Fröndenberger, die sich in der Pogromnacht an Ausschreitungen beteiligt hatten. Sie wurden dazu eingesetzt, den Friedhof „aufzuräumen.“

Die Täter von damals zeigten indes weder Reue noch den Drang zur Wiedergutmachung. Sie legten die beschädigten Steine flach auf den Boden und missachteten dabei die Verfügung des Regierungspräsidenten, die Instandsetzungsarbeiten gefordert hatte.

So blieben die Steine bis 1991 liegen, den Witterungsbedingungen ausgesetzt. Namen und Daten sind heute zu einem Großteil ausgewaschen.

Die öffentliche Gedenkveranstaltung beginnt am Sonntag 10. November, mit Beteiligung der jüdischen Gemeinde Unna um 11.30 Uhr auf dem jüdischen Friedhof an der Springstraße. Nach dem Gedenken wird Stadtarchivar Jochen von Nathusius die Geschichte des Friedhofs erläutern. Männliche Teilnehmer werden gebeten, beim Betreten des Friedhofs eine Kopfbedeckung zu tragen.
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