„Ich bin gefrustet“: Sabina Müller beklagt Frauenmangel bei der Kommunalwahl

dzSPD-Fraktion

Zur Kommunalwahl werden in den nächsten Wochen Kandidaten für den Stadtrat aufgestellt. Umgekehrt werden aber auch einige Ratsleute Abschied nehmen. Der SPD-Fraktion droht ein Frauenmangel.

Fröndenberg

, 13.02.2020, 12:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fristen für die Kandidatur zur kommenden Kommunalwahl am 13. September laufen demnächst aus. Während die Parteien und Wählergemeinschaften derzeit dabei sind, neue Kandidaten zu suchen und aufzustellen, verzichten langgediente Ratsmitglieder auf eine erneute Wahl.

„Ich bin gefrustet“: Sabina Müller beklagt Frauenmangel bei der Kommunalwahl

SPD-Fraktionsvorsitzende Sabina Müller. © Udo Hennes

»Was müssen die Parteien tun, um für Frauen attraktiv zu werden?«
SPD-Fraktionschefin Sabina Müller

Sie war 21 Jahre Ratsmitglied, gehörte genauso lange dem Kreistag an und saß elf Jahre in der Versammlung des Landschaftsverbandes – für Ursula Lindstedt ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich zu verabschieden.

„Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, sagt die langjährige Vorsitzende des Schulausschusses und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Kommunalpolitik hat sie zwar immer gern und aus Leidenschaft gemacht, aber zuletzt kam das Privatleben einfach zu kurz.

Ursula Lindstedt und Monika Kostorz sind zwei Drittel der SPD-Ratsfrauen

Die Phasen, in denen keine Zeit mehr für die persönlichen Dinge des Lebens blieb, seien immer länger geworden. Dennoch wird sie der Lokalpolitik verbunden bleiben: Seit 25 Jahren führt Ursula Lindstedt den SPD-Ortsverein Fröndenberg-West. Sie will sich weiter in der Stadtteilkonferenz West engagieren und im Dorfcafé Ardey, „meiner Herzensangelegenheit“, wie sie sagt.

Mit dem Rückzug von Ursula Lindstedt und ebenso der stellvertretenden Bürgermeisterin Monika Kostorz, die sogar seit 1989 Ratsfrau ist, gehen der SPD-Fraktion mit einem Mal zwei Drittel ihrer weiblichen Mitglieder verloren.

Und Fraktionschefin Sabina Müller, die dann noch verbleibt, bewirbt sich bekanntlich um das Bürgermeisteramt, könnte also ebenfalls künftig ihren bisherigen Platz verlassen.

„Ich bin gefrustet“: Sabina Müller beklagt Frauenmangel bei der Kommunalwahl

Tritt zur Kommunalwahl am 13. September nach 21 Jahren Ratsmitgliedschaft für die SPD nicht mehr an: Ursula Lindstedt. © privat

Zur Sache

Fristen der Kommunalwahl 2020

  • Das Gemeindewahlgebiet zur Kommunalwahl 2020 muss bis zum 29. Februar eingeteilt sein. Dies wird der Fröndenberger Wahlausschuss in seiner Sitzung am Montag, 17. Februar, 17 Uhr im Stiftssaal, beschließen.
  • Sobald die Wahlbezirke öffentlich bekannt gemacht sind, können die Wahlkreisbewerber, also die Direktkandidaten für den Stadtrat, gewählt werden.
  • Eine wesentliche Änderung gibt es bei der nächsten Kommunalwahl bei der Frist zur Einreichung der Wahlunterlagen: Sie läuft diesmal bereits 59 Tage, also am 16. Juli, vor dem Wahltermin ab, zuvor hatten die Parteien bis 48 Tage vor dem Wahltermin Zeit.

Müller bestätigt dieses Problem ihrer Fraktion: Es gibt zu wenig Frauen in der Riege. Jetzt, da die Kandidatensuche für die Kommunalwahl ansteht, stelle sie in Gesprächen immer wieder fest, dass Frauen sich nur selten für lokalpolitisches Engagement begeistern lassen.

„Ich bin sehr gefrustet darüber“, sagt Sabina Müller. Eine ausgewogene Mischung in einer Ratsfraktion, alt wie jung, männlich wie weiblich, sei wichtig, um Politik für alle zu machen, dazu gehöre eben auch „der Blick der Frauen“.

Da klingt tasächlich schon Verzweiflung durch, wenn Sabina Müller fagt: „Was müssen Parteien tun, um für Frauen attraktiv zu werden?“

Immerhin habe sie, über private Kontakte, eine junge Frau überzeugen können, sich am 13. September um ein Ratsmandat zu bewerben. Doch die Kandidatenliste wird von Männern dominiert sein.

Kaum Frauen in Sicht, dafür treten jüngere Bewerber an

Einen deutlichen Generationswechsel werde es allerdings auf jeden Fall geben: Denn neben Monika Kostorz treten auch der frühere Fraktionschef Herbert Ziegenbein (seit 1979 im Rat) und Helmut Köppe (seit 1989) nicht mehr an.

Dafür stellten sich Jüngere wie der Jusovorsitzende Sebastian Kratzel und Taner Cegit erneut zur Wahl und erstmals werde auch der neue SPD-Stadtverbandsvorsitzende Torben Böcker „sicherlich antreten“, so Müller.

Wer sich nicht zu einer Ratsmitgliedschaft entschließen könne, die immer auch mit der Zugehörigkeit in mehreren Fachausschüssen verbunden ist, könne die ersten Versuche auch in einer Art Mitgliedschaft „light“ machen: als sachkundige Bürgerin.

Ihre eigene politische Karriere, so Sabina Müller, habe jedenfalls so begonnen: als stellvertretende sachkundige Bürgerin für Alt-Bürgermeister Willi Demmer im Ausschuss für Kultur und Tourismus.

Frauenmangel hin oder her – in jedem Wahlbezirk werde die SPD jedenfalls auch am 13. September erneut Bewerber aufstellen können. Sabina Müller: „Wir bekommen unsere Listen besetzt.“

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