Die Trockenheit bleibt, der Wasserverbrauch steigt: Die Versorger können haargenau messen, wann die Fröndenberger den Hahn aufdrehen: nach Feierabend fürs Gießen der Blumen im Garten.

Fröndenberg

, 26.07.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das ist ein Geschenk, das wir gern annehmen“, freut sich Beigeordneter Heinz-Günter Freck über ein Deputat von 5000 Kubikmetern Wasser, das Gelsenwasser der Stadt kostenlos überlässt – „für die Baumrettung“, wie der Wasserversorger vermeldet. Das Grünflächenamt wässere derzeit bereits jeden Tag die Jungbäume und die Flachwurzler mit eigenen Fahrzeugen, die Wasserbehälter mitführen.

Ob der Vorschlag von Gelsenwasser, die Standrohre der örtlichen Feuerwehr für die Bewässerung der Bäume einzusetzen, realisierbar ist, will das Grünflächenamt noch prüfen. Schließlich könnte im Brandfall dann ein Standrohr fehlen. Die Standrohre werden an Hydranten angeschlossen und sind dann einsatzfähig. Gelsenwasser hingegen argumentiert, dass Zeit erspart werde, weil die Bewässerungsfahrzeuge nicht betankt und durch die Stadt gefahren werden müssten.

Im Jahresdurchschnitt werden täglich rund 120 Liter Trinkwasser pro Kopf verbraucht. Im Sommer steigt der Wert. „Im Juli 2017 waren es 150 Liter, in diesem Jahr liegen wir zwischen 190 und 200 Litern“, berichtet Heidrun Becker von Gelsenwasser auf Anfrage.

Die Wasserversorger

Gelsenwasser versorgt die westlichen Fröndenberger Stadtteile mit Trinkwasser. Die Verbrauchsmengen können in den Wasserwerken Halingen und Warmen abgelesen werden. Man könne sogar feststellen, dass jetzt hauptsächlich in den Abendstunden zwischen 17 und 21 Uhr der Verbrauch stark ansteigt. „Dann wird im Garten gegossen“, so Becker. Ein kritischer Wert sei indes noch nicht erreicht, die Talsperren seien noch zu 75 Prozent gefüllt.

Auch bei den Stadtwerken Fröndenberg wird momentan mehr Wasser aus dem Ruhrfiltrat gefördert und in die Hochbehälter auf dem Henrichsknübel und in der Nordstraße nahe dem Lunapark gepumpt. In den Monaten April bis Juni haben die Stadtwerke einen zehn Prozent höheren Verbrauch auf 236.000 Kubikmeter im Vergleich zum Vorjahreszeitraum registriert, berichtet Vertriebsleiter Michael Freitag.

Die Landwirtschaft

In Altendorf stehen sie jeden Morgen auf dem Grasland und kauen sattes Grün – ein Bild aus guten Tagen. „Die Pferde auf der Weide haben nichts mehr“, weiß Friedrich Westhelle. Die Situation für die Landwirtschaft ist dramatisch. Westhelle hat am Mittwoch die Weizenernte abgeschlossen – mit Ertragsminderung. Dabei sei der lehmige Boden im Fröndenberger Westen sogar noch relativ günstig bei Trockenheit. Die Bauern im Münsterland könnten auf ihren Sandböden kaum etwas einholen. In den nächsten Tagen kommt es beim Mais zum Schwur: Selbst wenn die Pflanzen in Altendorf noch ausreichend hoch stehen, brauche der Kolben genau jetzt Wasser, um sich auszubilden. Andernfalls könnte nahezu die Hälfte der Ernte – Achtung: Sarkasmus – ins Wasser fallen: Denn der Maiskolben mache 44 Prozent des Ertrages der gesamten Pflanze aus. „Ich schaue die ganze Zeit in meinem Büro aus dem Fenster und warte auf die Tropfen ...“, stöhnt Friedrich Westhelle.

Sein Kollege Sebastian Becker in Ostbüren schimpft, auf dem Traktor sitzend, ebenfalls: „Das Winterfutter muss jetzt schon verfüttert werden.“ Zwar habe man wegen des ausbleibenden regens mehr Ruhe und Zeit gehabt, um Heu und Strohballen einzufahren – bei nicht wenigen Landwirten drohe aber in diesem Jahr Futtermittelknappheit.

Die Golfclubs

Peter Stork ist Head Greenkeeper beim Golfclub Gut Neuenhof. Einen anderen Jahrhundertsommer hat er von 2003 noch in Erinnerung: Damals kam der Tiefbrunnen, aus dem das Wasser für den Platzrasen gepumpt wird, an seine Grenzen. „Wir haben danach einen neuen Brunnen gebohrt“, erzählt Stork. Aktuell brauche das Grün zwar mehr Wasser, weil die Feuchtigkeit viel schneller verdunste. Allerdings: „Zu viel Wasser darf nicht drauf“, erläutert der Experte. Dann könne der Rasen verfilzen. Dagegen wird ein biologisches Gemisch, Wetting Agent genannt, zusammen mit dem Wasser auf den Rasen gebracht: Das Mittel bewirke ähnlich wie Spülmittel, dass die Oberflächenspannung des Wassers aufgelöst werde und besser im Boden versickern könne. Halte die Dürre noch länger an, werde man auch beim Golfclub sehen, ob man zusätzlich zum Brunnen noch die städtischen Leitungen anzapfen müsse.

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