Ein Fröndenberger soll am 20. Juni 2020 in Hamm einen schweren Raub begangen haben (Symbolfoto). © Marcus Land
Raub in Hamm

Reue nach Wild-West-Überfall: „In Entziehungsklinik geht‘s ans Eingemachte“

Bei einem Überfall auf einen Tedi-Markt in Hamm rammte ein Fröndenberger in Wild-West-Manier zwei Messer in die Kassentheke. Zuvor war der Mann aber noch nicht mit Gewalttaten aufgefallen.

Im Prozess vor dem Dortmunder Landgericht droht dem Fröndenberger eine lange Haftstrafe. Mindestens fünf Jahre sieht das Gesetz für einen bewaffneten Raubüberfall vor. Auf eine Milderung kann der Angeklagte nur hoffen, weil er zur Tatzeit völlig zugedröhnt und betrunken und deshalb möglicherweise nur vermindert schuldfähig war.

Kommt der von der 32. Strafkammer eingesetzte psychiatrische Gutachter wirklich zu diesem Ergebnis, droht dem 44-Jährigen eine möglicherweise eher unangenehme Folge. „Es geht hier auch um ihre mögliche Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsklinik“, sagte der Vorsitzende Richter Dirk Kienitz am Mittwoch zum Angeklagten.

„Muss etwas ändern“

Der Fröndenberger nickte und antwortete, dass er diese Maßregel „eher kritisch“ sehe. Warum? „Ich weiß, dass es in einer solchen Einrichtung wirklich ans Eingemachte geht“, sagte er. „Es ist garantiert bequemer, sich ein paar Jahre in einer normalen Gefängniszelle zu sehen und in den Fernseher zu glotzen.“

Dass eine Langzeit-Therapie aber vielleicht seine letzte Chance ist, will der Angeklagte auch nicht verhehlen. „Ich weiß, dass ich etwas in meinem Leben ändern muss“, sagte er am Mittwoch. Viel zu viel Zeit habe er schon sinn- und nutzlos verschwendet.

Schon als Teenager gekifft

Die Probleme des Mannes fingen schon im Alter von 13 Jahren an, als er zum ersten Mal in Kontakt mit Marihuana kam. Danach kiffte er schnell regelmäßig, schwänzte die Schule und war für seine Eltern eigentlich gar nicht mehr erreichbar.

Irgendwie schaffte der Fröndenberger zwar einen Realschulabschluss. Doch damit hatte es sich dann auch. Eine Tischlerlehre brach er nach nur wenigen Wochen ab, weil er keine Lust hatte, jeden Tag früh aufzustehen. „Und seit ich 18 bin, lebe ich nur noch von Sozialleistungen“, so der Angeklagte.

In Freiheit sah sein Tagesablauf bis zu seiner Festnahme nach dem Überfall so aus: aufstehen, Alkohol trinken, klauen, Drogen kaufen, Drogen nehmen, ins Bett gehen.

Vorstrafen wegen Diebstahls

Die Vorstrafenakte des Mannes ist deshalb entsprechend dick. Auffällig ist jedoch: Mit einer Gewalttat wie dem angeklagten Raubüberfall ist der Fröndenberger bislang noch nicht aufgefallen. Fast alle früheren Verurteilungen erfolgten wegen Diebstahls und Schwarzfahrens.

Die letzte Strafe bekam der Mann nur knapp eine Woche vor dem Überfall auf den Tedi-Markt in Hamm aufgebrummt.

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