Rennradmuseum erhält Colani-Designrad und am Marktplatz eine neue Fassade

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Auf der Ziellinie befindet sich die Eröffnung des neuen Rennradmuseums noch nicht, doch jetzt stehen die ersten Rennmaschinen im „Stall“ am Markt. Bei der Finanzierung ist noch ein steiler Berg zu bewältigen.

Fröndenberg

, 20.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für die Macher um Bettina Hartwig-Labs, Bernd Kern und Hans Kuhn war es ein Freudentag: Stifter Andreas Grünewald brachte vor wenigen Tagen die ersten Rennräder aus seiner großen Sammlung in die Räume am Marktplatz.

»Wir wollen Geschichten erzählen.«
Jürgen Labs

„Wir wollen nach außen demonstrieren: Es tut sich was“, erzählt eine gut gelaunte Bettina Hartwig-Labs, die vor gut zwei Jahren den Kontakt zu dem gebürtigen Fröndenberger Andreas Grünewald hergestellt hatte.

Es tut sich etwas – wieder. Denn die Einschränkungen durch das Coronavirus setzten natürlich auch den Mitgliedern des noch kleinen Rennradmuseumsvereins Fröndenberg zu. Einige Wochen lang mussten auch die Aktiven wegen der Kontaktverbote ihre Arbeiten in dem ehemaligen Ladenlokal von Bücherparadies und Stadtbücherei unterbrechen.

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Die ersten Exponate, darunter mehr als 30 Rennräder, haben die Macher des Museumsvereins bereits in die Räumlichkeiten am Fröndenberger Marktplatz gebracht.

Die ersten Exponate, darunter mehr als 30 Rennräder, haben die Macher des Museumsvereins bereits in die Räumlichkeiten am Marktplatz gebracht. © Marcus Land

Doch nun geht es auch bei dem rein ehrenamtlich gestemmten Projekt unverdrossen weiter. Nicht nur Andreas Grünewald, der kürzlich ganz spontan aus Schwäbisch Gemünd anreiste, steuert übrigens Rennräder bei.

Auch Fröndenbergs Radsport-Idol Hans Kuhn hat schon 13 Rennräder von Peugeot und dem Kettler-Alurad-Team, dessen Chef er einst war, gestiftet. Die Reihen mit den Rennmaschinen geben im vorderen Raum ein imposantes Bild ab, das die Herzen von Radsportfreunden höher schlagen lassen dürfte.

Vitrinen für Trikots von Zabel & Co.

Das Museum soll natürlich von innen wie außen einen repräsentativen und einladenden Eindruck machen. Da gibt es noch viel zu tun. Da steht nicht nur Handwerkliches an wie neue Fußböden, Anstriche oder die Elektrik.

Dringend nötige Anschaffungen gehen ebenfalls ins Geld. Es werden nicht nur Vitrinen benötigt, in denen Exponate wie Trikots von Zabel & Co. richtig zur Geltung kommen sollen. Auch die Fassade will Eigentümer Bernd Kern so umgestalten, dass das Museum künftig gut mit dem dann ebenfalls neu gestalteten Marktplatz harmoniert – und gerade Radtouristen sofort ins Auge fällt.

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Überhaupt freut man sich, dass jetzt gerade alles so gut zusammenpasst und die gute Stube der Stadt fast zeitgleich aufgehübscht wird. Der Museumsverein erhofft sich daher auch zunehmende Unterstützung seitens der Stadtverwaltung.

Schließlich werde ja ein Anziehungspunkt für Touristen geschaffen und mit dem Radsport ein Teil der Stadtgeschichte dargestellt, der Fröndenberg schon in den 1930-Jahren und auch später deutschlandweit bekannt gemacht hat.

Vor allem sind es natürlich die Rennmaschinen bekannter Fabrikate von den großen Wettkämpfen vergangener Zeiten, die die Besucher anlocken sollen. Doch auch schöne Sammlerstücke wie dieses Originalplakat von 1991 wird einen Platz im Rennradmuseum finden.

Vor allem sind es natürlich die Rennmaschinen bekannter Fabrikate von den großen Wettkämpfen vergangener Zeiten, die die Besucher anlocken sollen. Doch auch schöne Sammlerstücke wie dieses Originalplakat von 1991 wird einen Platz im Rennradmuseum finden. © privat

Er wollte nicht, aber dann hat man ihn dazu gedrängt: Hans Kuhn nahm für das Foto noch einmal einen Meisterkranz aus seiner langen Radsportkarriere in die Hand. Der frühere Spitzensportler unterstützt den Rennradmuseumverein Fröndenberg als Berater.

Er wollte nicht, aber dann hat man ihn dazu gedrängt: Hans Kuhn nahm für das Foto noch einmal einen Meisterkranz aus seiner langen Radsportkarriere in die Hand. Der frühere Spitzensportler unterstützt den Rennradmuseumverein Fröndenberg als Berater. © Marcus Land

Zur Sache

Mitglieder, Helfer und Spenden einwerben

  • Die Zahl der Mitglieder des Rennradmuseumsvereins Fröndenberg ist noch übersichtlich; die Mitgliederwerbung war in den Wochen der Corona-Pandemie kaum möglich.
  • Im Vorstandsgremium um Bettina Hartwig-Labs ist auch Radsport-Experte Hans Kuhn als Beisitzer und Berater vertreten.
  • Der ADFC Fröndenberg hatte bereits in der Gründungsphase des Vereins und auch schon anfangs zu Zeiten der provisorischen Ausstellung im Ladenlokal am Markt/Unionstraße Unterstützung signalisiert.
  • Weitere Informationen über den Verein können unter info@rennradmuseum.de erfragt werden.

Von der Schließung des Kult-Kiosks an der GSF konnten die Museumsmacher schon profitieren: Ihnen wurde der Tresen überlassen, das gute Stück wird künftig den Eingangsbereich zieren.

Vieles muss aber eingekauft und vor allem vorfinanziert werden, wie Jürgen Labs, der ebenfalls in vorderster Reihe mithilft, zu bedenken gibt. Die einzige öffentliche Förderung erhält der Museumsverein nämlich aus dem EU-Programm „Leader – Börde trifft Ruhr“.

Investitionen müssen vom Verein vorfinanziert werden

Mit rund 80.000 Euro Investitionskosten rechnet der Verein, davon gibt es 65 Prozent, also maximal 52.000 Euro aus dem Topf als Zuschuss. 28.000 Euro muss der Verein aus Eigenmitteln stemmen.

Man muss aber nicht nur Klinken putzen und Spenden sammeln – es müssen sämtliche Rechnungen vorfinanziert werden, ehe Geld aus dem Topf fließt. „Und das mit erheblichem zeitlichen Verzug“, macht Jürgen Labs deutlich, dass man ohne Darlehen wohl kaum auskommen werde.

»Der Radsport stellt einen Teil der Stadtgeschichte von Fröndenberg dar.«
Hans Kuhn

Ganz unbürokratisch wird der staatliche Zuschuss auch nicht bewilligt; immer müssen Kosten plausibel mit Angeboten und Preisinformationen eingereicht werden. Man sei allerdings für die sehr gute Unterstützung durch Leader-Projektmanager Timo Jäckel dankbar.

Träume hat man schon einige – und möglichst viele davon sollen Wirklichkeit werden. Ein Medienraum zum Beispiel, in dem Filme wie jene von Bergwertungen der Deutschlandtour an der Eule oder Deutschen Straßenmeisterschaften laufen, die einst in der Ruhrstadt ausgetragen wurden.

Colani-Rennrad kommt als Leihgabe nach Fröndenberg

Ein Farb- und Beleuchtungskonzept soll die Besucher thematisch durch die Räume leiten. Die Ausstellung soll vor allem nicht statisch, sondern dynamisch werden. „Wir wollen Geschichten erzählen“, bringt es Jürgen Labs auf den Punkt. Vielleicht auch jene über eines von nur zwei Colani-Rennrädern. Das wird das Fröndenberger Museum als Leihgabe erhalten; oder jene über die radsportbegeisterte Dame, die sich bei der Nachricht von den ersten Exponaten direkt auf ihr Rickert-Rad schwang und nach Fröndenberg radelte.

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