Reisende aus dem Sauerland verpassen in Fröndenberg den Anschluss nach Dortmund

dzDeutsche Bahn

Zugausfälle, Verspätungen und mangelnde Informationen in Fröndenberg: Die Eisenbahnfreunde Hönnetal klagen - die Bahn dementiert, dass es mit der Verbindung Probleme gibt.

Fröndenberg

, 14.03.2019, 13:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis 2016 lief es zuverlässig, doch nun mehren sich die Probleme im Sauerland-Netz. So empfinden es die Eisenbahnfreunde Hönnetal. Es käme zu Verspätungen und Ausfällen, die auf mehrere Faktoren zurückzuführen seien. Das veranlasst den Verein, der sich die Pflege der Strecke der Hönnetalbahn, Menden - Balve - Neuenrade, auf die Fahne geschrieben hat, seinen Unmut mit einer umfassenden Erklärung zu bestehenden Störungen Ausdruck zu verleihen. Probleme gebe es auch an den Bahnhöfen in Fröndenberg und Menden und bei der Verbindung zwischen den beiden Städten.

Auf die Bahn sei kein Verlass mehr

„Vorbei scheinen die Zeiten, in denen man einfach so zum Bahnhof gehen konnte und verlässlich seinen Zug bekam, mit dem man pünktlich am Zielort eintraf“, so die Eisenbahnfreunde. Es sei nicht nur ein Eindruck, sondern tagtäglich aufs Neue zu beobachten, dass es im Nah- und Fernverkehr auf der Schiene in NRW – also auch im Hönnetal – alles andere als rund laufe: „Irgendetwas ist immer – und seit dem vergangenen Herbst besonders oft.“

Einige Gründe für die Probleme mit der Bahn seien im DB-Konzern zu suchen. Andere seien eher gesellschaftlicher und/oder politischer Natur. „Dazu zählen ein verändertes Verhältnis zum Thema Zuverlässigkeit und Risikobereitschaft“, so die Eisenbahnfreunde.

Hinter dem neuen Fahrplan stecken gute Absichten

Hinter dem neuen Fahrplan steckten gute Absichten. Mit Blick auf die Infrastruktur sei er aber sehr ambitioniert. In Fröndenberg solle der Reisende aus dem oberen Hönnetal einen schnellen Anschluss Richtung Dortmund haben. Doch die kleinste Kleinigkeit gefährde diesen Anschluss. Das hänge damit zusammen, dass man beim Zugang zum Bahnsteig in Menden auf die technische Sicherung des Bahnübergangs am Gleis 2 verzichtet habe.

„In der Folge müssen sich alle Züge aus Neuenrade, statt direkt auf Gleis 2 einzufahren, durch Gleis 4 schlängeln, was nur mit verminderter Geschwindigkeit möglich ist“, so die Eisenbahnfreunde Hönnetal. Das mache rund ein bis zwei entscheidende Minuten aus. Die neuen Fahrzeuge der Bauart „PESA-Link“ könnten den neuen Fahrplan tatsächlich halten – wenn sie zuverlässig funktionieren. Zum morgendlichen Betriebsbeginn gebe es bei den Fahrzeugen aber immer noch zu viele Fehlfunktionen. Auch das notwendige Kuppeln zu einer Doppelgarnitur scheine noch eine Herausforderung für die neue Technik zu sein.

Von Kinderkrankheiten könne die Bahn nach sechs Monaten nicht mehr sprechen

Diese Probleme als „Kinderkrankheiten“ der Fahrzeuge abzutun, wie es ein Bahnsprecher auch gegenüber unserer Zeitung formuliert hatte, sei nach sechs Monaten Einsatz nicht mehr angebracht, so die Eisenbahnfreunde.

Mögliche Gründe für all diese Probleme sind aus Sicht der Eisenbahnfreunde umständliche, zu weit ausdifferenzierte Zuständigkeiten der DB-Tochterunternehmen wie auch die knapp auf Kante genähte Personaldecke und ein verloren gegangener kurzer Dienstweg.

Aus Sicht der Bahn laufe gerade die Verbindung der RB 54 gut

Ein Sprecher der Bahn dementiert die genannten Probleme auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung fast vollständig. Gerade auf der Strecke der RB 54 gebe es fast keine Verspätungen. 99,5 Prozent der Züge seien pünktlich oder hätten eine Verspätung von maximal drei Minuten. Auf anderen Linien in NRW und auch im Sauerland sei die Bilanz erheblich schlechter.

Die neuen PESA-Züge würden „recht zuverlässig“ fahren. Dass es Kinderkrankheiten gibt, bestreitet der Sprecher nicht. Leidtragende wären dann vor allem die Neuenrader. Denn ist die Verspätung zu stark, fahre die Bahn nicht mehr bis zum Ende durch, sodass sich die Verspätung nicht über den gesamten Tag hinzieht.

Die App soll zuverlässig laufen und beliebt sein

Probleme mit der App in den frühen Morgenstunden gibt es aus Sicht der Bahn nicht. Nur zu außerordentlichen Ereignissen wie zum Beispiel Unwettern sei sie nicht vollkommen genau.

Die orangefarbene digitale Anzeige, die an den Bahnsteigen Verspätungen anzeigt, werde übrigens aus den selben Informationen bespielt wie die App der Bahn. Die Durchsagen würden heute aus organisatorischen Gründen von einer Computerstimme durchgeführt und gründen ebenfalls auf den Informationen, die Reisenden auch über die DB-App und die Anzeigetafeln zur Verfügung stehen. Fahrdienstleiter übernehmen die Ansage aus organisatorischen Gründen nicht mehr.

Was Fahrgäste tun können

  • Fahrgäste sollten aus Sicht der Eisenbahnfreunde aktiv werden, beziehungsweise sich beschweren - beim zuständigen Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) in Unna, der die Zugleistungen bestellt und bezahlt.
  • Im Westfalentarif gibt es eine Mobilitätsgarantie. Kunden sollten sie ausschöpfen.
  • Die Probleme einfach schlucken, oder auf das Auto umzusteigen, ist aus Sicht der Eisenbahnfreunde keine Option. Das würde dem umweltfreundlichen Verkehrsmittel langfristig schaden.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Mord am Hellweg

Krimi-Cops ermitteln in Fröndenberg die besten Schauplätze für schaurige Verbrechen

Hellweger Anzeiger Bürgermeisterwahl

Bürgermeister-Kandidatur: FWG will nur einen Fröndenberger ins Amt hieven

Hellweger Anzeiger Kaninchenausstellung

Kaninchenzüchter aus Warmen feiern Jubiläum mit Kreismeistertiteln und mehr als 500 Tieren