Dieses Verkehrsschild muss bald geändert werden. Fahrradfahrer sind demnächst nicht mehr auf dem Marktplatz in Fröndenberg erwünscht. © Marcus Land
Verkehr in Fröndenberg

Rat beschließt Radfahrverbot für Marktplatz – aber wer kontrolliert?

Nach heftigen Diskussionen im Rat der Stadt Fröndenberg dürfen Radfahrer bald nicht mehr auf dem Marktplatz fahren. Doch die wichtigste Frage ist noch ungeklärt: Wer soll das kontrollieren?

Ihre Worte wählte Bürgermeisterin Sabina Müller bei der Ratssitzung am Mittwochabend (29. September) ganz bewusst aus. Sie ahnte schon, was kommt. „Dann mal Feuer frei für Ihre Argumente“, sagte die Rathauschefin, als der Bürgerantrag zur Untersagung des Radverkehrs auf dem Marktplatz anstand.

Was folgte, war eine lebhafte und emotionale Diskussion. Doch letztlich fiel die Entscheidung deutlich aus. Bei sieben Enthaltungen und nur einer Gegenstimme entschlossen sich alle anderen Ratsmitglieder dafür, dass die Verwaltung beauftragt wird, alle notwendigen Schritte für ein Verbot des Radverkehrs auf dem Marktplatz einzuleiten. Ab wann das Verbot in Kraft tritt, wird die Verwaltung noch bekannt geben.

„Ziel muss es sein, dass ein Fußgänger dort immer Vorrang hat“

Das Hauptargument: Viele Radfahrer hielten sich nicht an die Schrittgeschwindigkeit, die in der Fußgängerzone gilt. Dadurch würden Fußgänger – im Besonderen Kinder, Familien mit Kinderwagen, aber auch Senioren mit Rollatoren – gefährdet.

Gerd Greczka, Fraktionschef der CDU, wünscht sich zudem eine einheitliche Regelung in der Innenstadt. „Für den Marktplatz, den Bruayplatz und das Ulmke-Forum sollten die gleichen Regeln gelten. Ziel muss es sein, dass ein Fußgänger dort immer Vorrang hat.“ Sein Fraktionskollege Oliver Funke berichtete von „gefährlichen Situationen, die ihm Mieter und Anwohner“ regelmäßig schildern.

„Beschluss ist für die Galerie“

FWG-Ratsmitglied Alexandra Labs verwies dagegen darauf, dass Fröndenberg eine radfreundliche Stadt und damit attraktiv für Rad-Touristen sein wolle. „Daher ist es eine Grundsatzentscheidung, die wir treffen. Mit einem Verbot verbauen wir uns eine Chance.“ CDU-Ratsmitglied Funke entgegnete ihr jedoch: „Die Besucher des Ruhrtalradwegs sind nicht das Problem, wenn es um Fahrradfahrer auf dem Marktplatz geht. Wer rast, sind die Fröndenberger, die dort wohnen.“

Im Zusammenhang mit dem Verbot des Radverkehrs kam auch die Frage auf, wer das eigentlich kontrollieren soll. FDP-Ratsherr Andreas Wette sagte: „Der Vorschlag des Verbotes ist nicht durchdacht. Es wird keine Kontrolle möglich sein. Wir sind auf die Unterstützung der Polizei angewiesen. Deshalb ist ein Beschluss für die Galerie.“

Polizei: Schwerpunkteinsatz möglich

„Wie oft sehen wir die Polizei in Fröndenberg?“, tauchte als Frage bei der Ratssitzung auf. Auch Ordnungsamtsleiter Christoph Börger wiegelte recht schnell ab. „Wir sind nicht für den fließenden Verkehr zuständig.“ In Unna wird es jedoch anders gehandhabt: Hier kontrolliert das Ordnungsamt die Fußgängerzone und darf eine Verwarnung aussprechen.

Bernd Pentrop, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna, meinte auf Anfrage dieser Redaktion: „Eine Kontrolle des Fahrradverbots liegt in unserem Zuständigkeitsbereich. Der Bezirksbeamte wird sich darum kümmern und Präsenz zeigen. Wenn es Überhand nimmt, kommt auch ein Schwerpunkteinsatz in Frage.“

Mann nach Unfall mehrere Tage im Krankenhaus

Auslöser für die Diskussionen im Rat war ein schwerer Unfall Anfang September auf dem Marktplatz. Ein 25-jähriger Fahrer eines E-Scooters stieß mit einem 24-jährigen Fahrradfahrer heftig zusammen. Der Radfahrer erlitt schwere Verletzungen und musste für mehrere Tage ins Krankenhaus. Die Funktion eines Lungenflügels war zeitweise eingeschränkt, er klagte über Schwindel und Übelkeit und erlitt zahlreiche Schnittwunden.

Unabhängig davon hatte sich Rechtsanwalt Mathias Deimel, der seine Kanzlei am Markt hat, bereits im Juni an die Stadtverwaltung gewandt. Er berichtete davon, dass es beim Hinaustreten aus dem Hauseingang zu Beinahezusammenstößen gekommen sei. Daher habe er den Unfall von Anfang September kommen sehen.

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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