Rapperin Schwesta Ewa ohne Chance auf Haftplatz in Fröndenberg

dzMutter-Kind-Einrichtung

Schwesta Ewa wird nicht in die Mutter-Kind-Einrichtung in Fröndenberg aufgenommen. Während die verurteilte Rapperin das öffentlich bejammert, erläutert der JVK-Leiter die Gründe.

Fröndenberg

, 07.01.2020, 12:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Rapperin und frühere Prostituierte Schwesta Ewa, die in der Vergangenheit üble Schlagzeilen produzierte und mittlerweile rechtskräftig zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden ist, hat keine Chance auf einen Platz in der Mutter-Kind-Einrichtung in Fröndenberg.

Rapperin Schwesta Ewa ohne Chance auf Haftplatz in Fröndenberg

JVK-Leiter Joachim Turowski © Udo Hennes

»Wir wollen verhindern, dass sich schon nach ein paar Tagen herausstellt, dass die Mutter für diese Einrichtung doch nicht geeignet ist.«
Joachim Turowski, Leiter des JVK

Das JVK Fröndenberg hat es durch die Wehklage Schwesta Ewas vor ein paar Tagen sogar in die Illustrierte „Gala“ geschafft.

„Aaliyah wird die Bindung zu mir verlieren, es zerfrisst mich innerlich, es tötet mich einfach“, beklagt sich Schwesta Ewa jetzt auf ihrem Instagram-Profil über die ablehnende Entscheidung aus Fröndenberg. Und: „An mir wird nunmal ein Exempel statuiert“, behauptet sie in ihrem Post, den zumindst ihre gut 86.000 Fans bei Instagram gelesen haben dürften.

Was aber ist dran an der Behauptung Schwesta Ewas, dass sie ein „Promi-Minus“ habe und daher nicht in Fröndenberg aufgenommen wurde?

Bereits im Juni 2017 war die 35-Jährige vom Landgericht Frankfurt am Main zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft wegen 35-facher Körperverletzung, Steuerhinterziehung und sexueller Verführung Minderjähriger verurteilt worden.

Schwesta Ewa hat sich als Deutschrapperin bei Fans dieses Musikstils in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht und bereits Charterfolge erzielt. 2019 wurde die gebürtige Polin Mutter einer Tochter.

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Zur Sache

Mutter-Kind-Einrichtung des JVK

  • Die Mutter-Kind-Einrichtung inklusive Kindertagesstätte liegt auf dem Gelände des JVK auf dem Hirschberg.
  • Die Einrichtung hat 15 Plätze für Frauen und 20 Plätze für deren Kinder. Betreut werden die Häftlingen unter anderem von Sozialpädagogen.
  • Grundsätzlich gilt, dass bei der Aufahme die Mutter rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt worden und ihr Kind im Zeitpunkt der Haftentlassung noch nicht im schulpflichtigen Alter ist.
  • Weil es sich um eine Einrichtung des offenen Vollzugs handelt, werden generell keine Straftäterinnen aufgenommen, die eine Gewaltbereitschaft oder Manipulationsfähigkeit erkennen lassen.

Für verurteilte Straftäterinnen, die Mütter von Kleinkindern sind, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Strafe in Mutter-Kind-Einrichtungen zu verbüßen.

Einem entsprechenden Antrag Schwesta Ewas im vergangenen Jahr, nachdem der Bundesgerichtshof die Revision gegen ihr Urteil abgewiesen hatte, stimmte die Leitung des JVK allerdings kürzlich nicht zu.

Joachim Turowski, Leiter des Justizvollzugskrankenhauses, dem die Mutter-Kind-Einrichtung angeschlossen ist, betont, dass der Fall von Schwesta Ewa wie jeder andere nach sachlichen Kriterien überprüft worden ist.

Zum konkreten Fall darf Turowski nicht allzu viel sagen. So habe das zuständige Jugendamt wohl dem Ansinnen Schwester Ewas nicht widersprochen. Es sei auch trotz ihrer Verurteilung überhaupt nicht gesagt, dass die Rapperin „eine schlechte Mutter ist“, so Turowski.

Allerdings sei die Einrichtung in Fröndenberg auf den offenen Vollzug ausgerichtet, die Haftstrafe kann also tagsüber praktisch außerhalb der Gefängnismauern verbüßt werden, damit die Resozialisierung beschleunigt wird, indem zum Beispiel auch eine Arbeit aufgenommen werden kann.

„Schwierig wird es bei Gewaltstraftäterinnen, das ist bei Frauen immer noch außergewöhnlich“, gibt Joachim Turowski zu bedenken. Bei der Entscheidung müsse er generell die Art der Straftaten, aber auch das Verhalten der Angeklagten vor und während des Prozesses und nach dem Urteil zugrunde legen.

»Doch auch durch die Mauern des Gefängnis wird die Liebe zu meinem Schatz nur größer und stärker.«
Schwesta Ewa

Entscheidend seien das Kindeswohl und die Förderung der Mutter-Kind-Beziehung im frühen Kindesalter. „Wir wollen verhindern, dass sich schon nach ein paar Tagen herausstellt, dass die Mutter für diese Einrichtung doch nicht geeigent ist“, erläutert Joachim Turowski. Kleinkinder müssten sich an eine Umgebung gewöhnen können.

Die Behauptung Schwesta Ewas, es seien an sie andere Maßstäbe angelegt worden, so Turwoski, sei daher nicht richtig. „Doch auch durch die Mauern des Gefängnis wird die Liebe zu meinem Schatz nur größer und stärker, also Kopf hoch“, lässt Schwesta Ewa unterdessen ihre Fans auf Instagram wissen.

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