Sie sind bunt und liegen überall in der Stadt versteckt. Wer sie findet, darf sie woanders wieder aussetzen oder behalten. Ralf Kesper erzählt, was es mit der Ostereiersuche der anderen Art auf sich hat.

Fröndenberg

, 11.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Ralf Kesper spazieren geht, gilt sein Blick nicht nur der Natur, sondern auch dem Boden. „Ich laufe durch die Pampa und sehe überall nur tolle Steine.“ Er lacht. „Man geht mit anderen Augen durch die Gegend.“

Der Hobbyfotograf hat die Pottsteine im Oktober vergangenen Jahres in die Ruhrstadt gebracht. „Ich habe damals auf Facebook gefragt, wie ich sie nennen soll. Sauerlandstones oder Pottsteine“, erzählt der Hinzugezogene.

Pottsteine im Ruhrgebiet

Für die Frage hat er von den Internetnutzern einiges um die Ohren bekommen, denn Fröndenberg mag zwar an der Grenze des Ruhrpotts liegen, aber Sauerlandstones kam für die Mehrzahl natürlich nicht in Frage. „Also lege ich in Menden die Sauerlandstones aus und in Fröndenberg und Umgebung die Pottsteine“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die Aktion

Von der Idee zur Tat

  • Auf die Idee gekommen ist Ralf Kesper übrigens durch einen Zeitungsartikel. In diesem wurde die Geschichte einer Frau erzählt, die in einem anderen Land Steine bemalte und aussetzte.
  • Die Geschichte trug Kesper eine Weile im Hinterkopf.
  • Als er dann einen schönen Stein fand, entstand die Idee, dasselbe in seiner Heimatstadt zu machen.
  • In Fröndenberg seien bereits ein paar Steine von anderen Malern unterwegs gewesen. Erst Kesper brachte die Bewegung unter dem Namen Pottsteine aber in Fröndenberg richtig ins Rollen.

Seine Steine liegen in Menden am Hexenteich, auf dem Radweg Richtung Schwerte oder in der Alleestraße in Fröndenberg. „Ein paar meiner Steine haben es sogar bis Borken oder Hirschberg geschafft.“

Finden, freuen, wieder aussetzen

Was aber steckt hinter diesen Steinen? Die Idee ist simpel: Es ist eine Ostereiersuche mit Steinen, gemacht für Groß und Klein. Ralf Kesper nimmt schöne Steine mit nach Hause, bemalt sie und setzt sie dann in der Umgebung aus. Auf der Rückseite der Steine befindet sich dabei eine Anleitung, was Finder mit ihnen machen können.

Finden, freuen – optional: ein Bild in der Facebook-Gruppe „Pottsteine – Wir machen den Ruhrpott bunt“ posten und mit anderen freuen – und wieder aussetzen. „Manche behalten die Steine auch, weil sie sie so schön finden.“ Das sei nicht verboten. Im Idealfall setze der Finder dafür aber einen neuen Stein in die Welt.

Mehr als 10.000 Menschen machen mit

Die Facebookgruppe gibt es schon länger. Sie gewinnt stetig Zuwachs. Auch Fröndenberg ist seit Oktober 2019 ein Teil davon. „In der Gruppe sind mittlerweile mehr als 10.000 Mitglieder“, erzählt Kesper. Unter ihnen freudige Finder, aber auch begeisterte Maler im ganzen Ruhrgebiet.

Ralf Kesper hat die bunten Pottsteine nach Fröndenberg gebracht

Kesper ist immer auf der Suche nach schönen, neuen Steinen, die er bemalen kann. © Borys Sarad

Besonders viele sind mittlerweile auch in Essen unterwegs, aber auch im Kreis Unna sind viele Menschen aktiv. „Man freut sich immer, wenn man sieht, dass ein eigener Stein gefunden wurde“, sagt Kesper.

Neuer Auslageort jedem selbst überlassen

Wo der Stein wieder ausgesetzt wird, ist jedem selbst überlassen. „Der eine legt ihn offensichtlicher hin, damit sein Stein auch gefunden wird, der andere sucht sich einen versteckteren Ort.“ Besonders am Hexenteich würden mittlerweile viele liegen.

„Manche haben sie auch schon bei Aldi in die Kühltheke gelegt, damit sie dort gefunden werden.“ Kesper hebt die Augenbrauen. Könne man machen, müsse man aber nicht.

Gefunden werden sie am Ende immer. „Wenn ich an einem Ort vorbeigehe, an dem ich einen Stein ausgelegt habe, liegt er in der Regel nicht mehr dort.“

Immer einen Stein in der Tasche

Er selbst hat bislang allerdings noch keinen Pottstein gefunden, nimmt den Umstand allerdings mit Humor. Ihm mache vielmehr das Erschaffen neuer Steine Spaß. Dabei arbeite er besonders gerne mit den unterschiedlichen Formen. Aus zwei runden Steinen hat er zum Beispiel Minions gezaubert. „Die darf ich aber nicht aussetzen. Die gehören meiner Tochter“, sagt er und lacht.

Hauptziel der Pottsteine sei es, den Menschen „ein Lächelns in Gesicht zu zaubern“. Rund 40 Stück hat er seit Oktober bereits in Umlauf gebracht. Ob davon noch alle unterwegs sind? „Das weiß ich nicht. Hin und wieder sehe ich einen meiner Steine in der Gruppe und freue mich dann.“

Ralf Kesper hat die bunten Pottsteine nach Fröndenberg gebracht

Auf der Rückseite der Pottsteine steht eine Anleitung, wie mit den Steinen zu verfahren ist. Wer einen besonders schönen findet, darf ihn aber auch behalten und kann dafür ja einen neuen aussetzen. © Borys Sarad

Erst der Ort oder erst das Motiv

Manchmal findet er auch erst einen schönen Ort und dann ein Motiv. Ein Feuerwehrauto für die Feuerwache, ein rotes Kreuz vor dem Krankenhaus. Nur Orte mit viel Personenverkehr meidet er, Bahnhöfe zum Beispiel. „Ich hab immer Angst, dass die Steine am Ende nur im Müll landen. Das wäre zu schade.“

Parks oder Wanderwege hingegen nutzt er gerne, um seine Steine zu verstecken. „Wenn ich unterwegs bin, habe ich eigentlich immer einen Stein in der Tasche.“ So hat er die Hoffnung, dass seine Kunstwerke auch den Fröndenberger Raum verlassen und mit ihren Findern auf Reisen gehen, um irgendwo anders Leuten eine Freude zu machen.

Am Ende profitiere die Gruppe von jedem, der einen Stein findet und so auf die Aktion aufmerksam wird. „Je mehr Leute von der Aktion wissen und mitmachen, desto mehr Spaß haben wir alle.“

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