Die Kfd und 100 Mitstreiter protestieren am Sonntag für Reformen in der Kirche - und finden Gehör. Vertreter des Bistums sind vor Ort, am Mittwoch kommt sogar der Personalchef persönlich.

von Dominik Pieper

Fröndenberg

, 11.08.2019, 13:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Forderung der Kfd St. Marien nach einer menschlichen Kirche im Zuge des Rücktritts von Pfarrer Wohlgemuth hat eine überraschende Reaktion des Erzbistums ausgelöst. Am kommenden Mittwoch wird Monsignore Andreas Kurte als Mitglied der Bistumsleitung und verantwortlicher Personalchef persönlich nach Fröndenberg kommen, um mit der Frauengemeinschaft über ihren Protest und ihre Forderungen zu sprechen.

Erfolgreicher Protest im Fall Wohlgemuth: Personalchef des Bistums kommt nach Fröndenberg

Thomas Wendland leitet im Erzbistum Paderborn die Beschwerdestelle. Er war am Sonntag persönlich nach Fröndenberg gekommen, um sich ein Bild von der Aktion zu machen und seine Eindrücke umgehend der Bistumsleitung zu melden. © Marcel Drawe

Im Pfarrhaus soll bald wieder ein Priester wohnen

Thomas Wendland, Leiter der Beschwerde- und Konfliktstelle des Bistums, und Pressesprecher Benjamin Krysmann waren am Sonntagmorgen persönlich als Abordnung des Bistums nach Fröndenberg gekommen, um sich ein Bild von dem Protest zu machen. Wendland, der das Gespräch und den Besuch am Mittwoch ankündigte, sagte, dass der Rücktritt von Pfarrer Wohlgemuth in Paderborn niemanden kalt ließe.

„Kalt lässt das in Paderborn niemanden.“
Thomas Wendland, Leiter der Beschwerdestelle des Bistums, über den Rücktritt von Pfarrer Wohlgemuth und den Protest der Fröndenberger

„Die Fragen drängen“, gestand Wendland ein - sowohl zu den Forderungen der Kfd selbst, als auch zur zukünftigen Ausrichtung der Gemeinde in Fröndenberg. Klar sei: Im Pfarrhaus im Schatten der Marienkirche werde bald wieder ein Priester wohnen, erklärte Wendland. Wer dies sei und welchen Status er habe, sei noch offen. Die Eindrücke, die die beiden Vertreter des Bistums am Sonntag gewonnen haben, würden sie noch am selbten Tag Monsignore Andreas Kurte melden. Der wiederum stehe als Mitglied der Bistumsleitung in direktem Austausch mit Erzbischof Hans-Josef Becker.

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Fall Wohlgemuth: Protest der kfd in Fröndenberg

Die ersten Protestanten kamen schon um kurz nach neun

Was die Abordnung des Bistums am Sonntag sah und hörte, war indes deutlich: Mehr als 100 Mitstreiter hatte die Kfd gefunden, um ihrer Forderung nach einer menschlichen Kirche Ausdruck zu verleihen. Während der blaue Himmel über dem Kirchturm der Pfarrkirche strahlte, waren die grauen Wolken angesichts der Situation in Fröndenberg zumindest sinnbildlich allgegenwärtig.

Erfolgreicher Protest im Fall Wohlgemuth: Personalchef des Bistums kommt nach Fröndenberg

Aus Fröndenberg und umliegenden Orten waren Teilnehmer gekommen, um sich an der Aktion der Kfd St. Marien zu beteiligen. © Pieper

Eigentlich sollte der Protest um 9.30 Uhr beginnen - die ersten 30 Protestierenden waren aber schon um kurz nach 9 Uhr vor dem Hauptportal der Kirche zusammengekommen. Birgit Bender aus Iserlohn hatte über die sozialen Medien von der Aktion gehört und war eigens nach Fröndenberg gekommen, um mitzumachen. „Wir Frauen werden in der Kirche viel zu wenig beachtet“, klagte sie. Dass jemand wie Pfarrer Wohlgemuth auch wegen seiner Kritik an den Machtstrukturen der Kirche zurücktrete, müsse aufrütteln.

Organisatorinnen freuen sich über großen Zuspruch

Apropos Aufrütteln: Die vielen Gespräche über Gründe, Reformen und Möglichkeiten wurden erst vom Geläut der Glocken im Kirchturm unterbrochen. Fast alle Protestteilnehmer nahmen an der Messfeier in der Kirche teil, die Pastor Heinrich Stangorra leitete. Eine Predigt, in der etwa auf den Protest draußen vor der Kirche eingegangen hätte werden können, entfiel am Sonntag. Stattdessen zündeten Kfd-Vertreterinnen am Altar Kerzen an und sprachen über die Rechte von Frauen in der Kirche.

„Tschüss, ich gehe zurück ins Fort Knox“.
Hildegard Pielken von der Kfd über das Zitat eines früheren Pfarrers, der sich in seine Einsamkeit zurückzog.

Die Organisatoren des Protests um Hildegard Pielken und Karin Schmidt von der kfd St. Marien staunen nicht schlecht, welch große Resonanz ihr Protestaufruf ausgelöst hat. „Wir haben das nicht geplant“, sagte Hildegard Pielken. Dass es dennoch notwendig war, belegt eine kleine Geschichte, die sie am Rande des Geschehens erzählte. Als Aushilfsküsterin hätte sie vor vielen Jahren einem zwischenzeitlich verstorbenen Priester in der Sakristei die Sachen zurechtgelegt. Nach dem Gottesdienst verabschiedete sich der Geistliche mit den Worten: „Ich gehe zurück ins Fort Knox.“ Was Hildegard Pielken immer auf die vergitterten Fenster des Pfarrhauseses schob, bekam für sie nach dem Rücktritt von Norbert Wohlgemuth eine völlig neue Dimension. Der Pfarrer meinte vermutlich nicht die Gitter vor dem Fenster, sondern seine Einsamkeit, denkt Hildegard Pielken - eine Einsamkeit, die krank machen kann und die auch Norbert Wohlgemuth mit zu seiner Entscheidung getrieben hat.

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Protestaktion der kfd St. Marien

Mehr als 100 Teilnehmer kommen am Sonntagmorgen vor die Pfarrkirche St. Marien in Fröndenberg und folgen damit dem Protest-Ruf der Kfd. Gemeinsam fordern sie nach dem Rücktritt von Pfarrer Norbert Wohlgemuth Reformen in der Kirche ein - und sie werden tatsächlich gehört. Eine Abordnung des Erzbistums Paderborn kommt eigens nach Fröndenberg, um den Protest der Frauen und Männer aufzunehmen.
11.08.2019
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In großer Runde versammelten sich die kfd-Damen und viele Mitstreiter vor der Kirche, um für eine menschliche Kirche zu werben. © Marcel Drawe
Ihre Protestbotschaften hatten die Damen auf Plakate und Schilder gedruckt und brachten damit still, aber deutlich ihre Meinung zum Ausdruck.© Pieper
Parallel zur Protestaktion gab es eine Unterschriftensammlung, um für einen Reformprozess in der Kirche zu werben. © Marcel Drawe
Sind Frauen Christen zweiter Klasse? Die Frage stellen die kfd-Damen offen. © Pieper
Ihre Botschaft lautet: "Wir wollen eine menschliche Kirche."© Pieper
Helga Hedderich von der Kfd hat sich vor dem Pfarrhaus im Schatten der Marienkirche aufgestellt. Auch sie fordert Reformen von der Kirche und bedauert den Weggang des beliebten Pfarrers. © Marcel Drawe
Protestaktion der kfd vor St. Marien© Pieper
Thomas Wendland als Leiter des Beschwerde- und Konfliktstelle des Paderborner Erzbistums war am Sonntagmorgen in den Fröndenberg zu Gast, um sich ein persönliches Bild vom Protest zu machen. © Marcel Drawe
Protestaktion der kfd vor St. Marien© Pieper
Protestaktion der kfd vor St. Marien© Pieper
Protestaktion der kfd vor St. Marien© Pieper
Protestaktion der kfd vor St. Marien© Pieper
Protestaktion der kfd vor St. Marien© Pieper
Kfd Protest St Marien Fröndenberg© Marcel Drawe
Kfd Protest St Marien Fröndenberg© Marcel Drawe

Pfarrer Wohlgemuth war nicht dabei

Die vielen Protestanten vor der Pfarrkirche waren sich am Sonntag einig: Die katholische Kirche brauche Reformen, die gerade den Priesterberuf attraktiver machen. Mit Pfarrer Wohlgemuth verliere man einen akzeptierten und modern denkenden Pfarrer. Ein Schild mit einem Zitat Bertolt Brechts machte dies deutlich: „Wenn ein Freund weg geht, muss man die Türen schließen, sonst wird es kalt.“

Pfarrer Wohlgemuth war am Sonntag übrigens nicht bei der Aktion. Hildegard Pielken vermutet aber, dass er von teilnehmenden Freunden schnell und umfassend informiert wird.

Das Gespräch mit Monsignore Andreas Kurte, dem Personalchef des Bistums, und Thomas Wendland als Leiter der Beschwerdestelle findet am kommenden Mittwoch in Fröndenberg statt. Das Leitungsteam der Kfd soll dann Antworten auf seine Fragen bekommen, wenngleich die Zusage von Reformen nicht zu erwarten ist. Die Pressestelle des Bistums will nach dem gemeinsamen Gespräch über die Inhalte informieren.
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