Beide sind alteingesessene Händler am Markt. Doch die Meinungen von Oya Soyyigit und Christian Rafalcik zur Marktsperrung könnten unterschiedlicher nicht sein.

Fröndenberg

, 18.01.2019, 17:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die hoch emotional besetzte Diskussion über das Für und Wider der Marktsperrung, ist spätestens seit dem von Lars Köhle initiierten Bürgerbegehren erneut aufgekocht. 1700 Bürger haben per Unterschrift die Politik und Verwaltung dazu aufgefordert, einen Bürgerentscheid zum Thema durchzuführen. Doch was sind die sachlichen Argumente, die Gegner und Befürworter der Sperrung umtreiben? Die Redaktion wollte das von Menschen wissen, die als Gastronomen und Unternehmer direkt vor Ort sitzen und damit direkt betroffen sind. Hier ihre Positionen.

Pro Sperrung: Oya Soyyigit, Café Melange, Markt 8

Die 33-jährige Betreiberin des Café Melange am Markt 8 arbeitet seit 2001 in dem Gastronomiebetrieb und hat es 2016 von Vorbesitzerin Jutta Stein übernommen. Sie ist für eine Sperrung der Marktquerung.

Der Betrieb läuft zufriedenstellend. Im Sommer verzeichnet Soyyigit in Spitzenzeiten 35 Gäste allein im Außenbereich. Doch mittlerweile wird sie des öfteren angesprochen: „Die Leute sagen, wenn die Sperrung kommt, werde ich Umsatzeinbußen haben. Ich aber sage: Nein, Kaffeetrinker, Frühstücksgäste und Tortenesser parken nicht auf den Stundenparkplätzen auf dem Markt. Sie parken an der Harthaer Straße.“ Ohnehin seien die Nutzer der vier Parkplätze an der Marktquerung „immer dieselben“.

Was die 33-Jährige ärgert: „In Fröndenberg haben die Menschen immer Angst vor Neuerungen. Und das führt dazu, dass jegliche Entwicklung ausgebremst wird.“ Dabei habe sich zum Beispiel mit dem neuen Veranstaltungsformat „Fröndenberg karibisch“ gezeigt, dass es viele Möglichkeiten gibt, die Stadt zu beleben. Für die junge Café-Betreiberin steht fest: „Wenn die Straße gesperrt würde, dann könnte der Marktplatz bei solchen Festen und Veranstaltungen endlich ganz anders bestückt werden.“ Denn seit jeher ärgert sich Oya Soyyigit, dass ihr Café gerade bei großen Veranstaltungen, die ihr mehr Kunden bescheren könnten, zugestellt wird. „Mal ist es ein Edeka-Truck genau vor der Tür, mal sind es Weihnachtsbuden“, sagt sie. Als die Verwaltung ihr dann auch noch einen Fischstand vor die Cafétür stellen wollte, sei sie vehement geworden. „Das konnte ich gerade noch verhindern.“

Die Sperrung, so meint sie, würde aber nicht nur mehr Möglichkeiten eröffnen, sondern würde den Markt auch sehr viel sicherer machen. Die 33-Jährige beobachtet besonders an Markttagen, wenn für die Marktbeschicker die bestehenden Poller an der Zufahrt Harthaer Straße entfernt werden, „wie die Autofahrer hier mit 50 bis 60 Sachen am Schaufenster vorbeirasen. Und wenn die Poller da sind, machen sie davor eine Vollbremsung“. Einmal habe ein Autofahrer fast schon einen Radfahrer angefahren. „Glücklicherweise ist bis auf einen lautstarken Streit nicht viel passiert“, sagt sie. Doch gerade Kinder und Ältere leben ihrer Meinung nach auf dem Fröndenberger Markt gefährlich.

Die Aufregung um die geplante Sperrung versteht Oya Soyyigit nicht. „Jede Stadt hat eine Fußgängerzone. Es kann doch nicht sein, dass wir alle zu faul sind, fünf Meter zu laufen. Gehen Sie nach Unna oder Dortmund, da würde man Sie auslachen, wenn Sie so ein Thema dort ansprechen würden, dass der Markt befahrbar sein muss.“

Bürgerbegehren wird geprüft

1434 Unterschriften reichen

Am 14. Januar haben die Querungsbefürworter 1700 Unterschriften für das Bürgerbegehren im Rathaus abgegeben. An diesem Stichtag waren 17.925 Wahlberechtigte beim Einwohnermeldeamt registriert. Acht Prozent davon müssen für das Bürgerbegehren unterschrieben haben, also genau 1434. Nun wird im Rathaus die Gültigkeit der abgegebenen Listen überprüft. „Einige Mendener haben unterschrieben, bei einigen fehlt die Unterschrift – diese Einträge sind ungültig“, erläutert Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe. Die Überprüfung werde dauern. Etwa zwei Wochen, schätzt er. Je nach Ergebnis wir Rebbe dem Rat in seiner Sitzung im März entweder empfehlen, den Bürgerentscheid durchzuführen. „Dazu wäre die Stadt bei ausreichend gültigen Unterschriften auch rechtlich verpflichtet“, so Rebbe. Dann könnten wie bei einer normalen Wahl alle Wahlberechtigen ihre Stimme zur Marktsperrung abgeben. Oder aber es stellt sich heraus, dass mehr als 266 ungültige Unterschriften abgegeben wurden. Dann wäre das Bürgerbegehren gescheitert. „Ich würde dem Rat dann auch empfehlen, es abzulehnen.“ Zeitdruck, den die CDU aufgebaut hatte, sieht Rebbe übrigens nicht: „Die Gestaltung des Marktplatzes ist völlig unabhängig von seiner Sperrung“, betont er noch einmal.

Contra Sperrung: Christian Rafalcik, Fleischerei, Markt 5

Um seine Umsätze fürchtet der 37 Jahre alte Christian Rafalcik, der die seit 1991 existierende Fleischerei-Filiale am Markt 2007 von seinem Vater Horst Rafalcik übernommen hat. Er ist gegen eine Sperrung der Marktquerung und hatte in seinen Filialen am Markt und in Westick auch Unterschriftenlisten für das Bürgerbegehren ausgelegt.

„Ich erwarte schlichtweg weniger Umsatz, wenn die Sperrung kommt. Positive Effekte kann ich hingegen nicht erkennen“, sagt er. Rafalcik schätzt, dass 20 bis 40 Prozent seiner Kunden mit dem Auto die Marktfiliale ansteuern. „Wenn die wegbleiben, dann ergibt es für mich keinen Sinn mehr.“ Besonders für die Handwerker, die sich bei Rafalcik das Frühstück oder das warme Mittagessen holen, müsse es schnell gehen. Der Geschäftsmann bezweifelt, dass diese Kunden der Marktfiliale nach einer Sperrung die Treue halten würden.

Trotz relativ geringer Kundenfrequenz am Markt bekundet der Fröndenberger heute großes Interesse daran, die Filiale in der Mitte der Ruhrstadt aufrechtzuerhalten. Allerdings müsse sich das auch rechnen. Vor ein paar Jahren habe nur das Entgegenkommen des Vermieters die Schließung verhindert. Trotzdem musste Rafalcik letztlich die Öffnungszeiten reduzieren. „In Unna betreibe ich seit einem Jahr den Hackepeter. Da läuft es gut. Trotzdem möchten wir nicht in fremde Städte abwandern“, sagt er.

Christian Rafalcik hält das gesamte Konzept der Neugestaltung mit Sperrung der Marktquerung für falsch. „Fröndenberg braucht keine Wasserfontänen, sondern muss eine befahrbare Einkaufsstadt bleiben, weil wir sonst mit dem Angebot der größeren Städte in der Nachbarschaft nicht konkurrieren können.“

Ein Argument, das von den Sperrungsgegnern stets ins Feld geführt wird, ist die erschwerte Anlieferung. Zwar bekommt die Fleischerei zwei- bis dreimal am Tag frische Ware geliefert, für Rafalcik wäre die Anlieferung aber auch mit Sperrung kein großes Thema: „Das wäre machbar, wenn wir die Poller selbst versenken können“, sagt er.

Die Umsatzentwicklung ist für ihn viel auschlaggebender. „Sollte das Bürgerbegehren keinen Erfolg haben und die Sperrung des Marktes wirklich kommen, werde ich die Entwicklung des Umsatzes beobachten und entsprechende Konsequenzen ziehen“, kündigt der 37-Jährige an.

Ginge es nach ihm, würde der Markt übrigens nicht nur nicht gesperrt, sondern sogar noch weiter geöffnet. Der alte Vorschlag von Hans-Günter Friese, den bei der jüngsten Debatte auch die FWG favorisiert hatte und der eine Öffnung zur Eulenstraße vorsieht, gefällt auch Rafalcik gut.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Spende übergeben

Fröndenberger Marinekameraden besuchen Seenotretter in Hooksiel und besichtigen Kreuzer

Hellweger Anzeiger Deutsche Bahn

RB 54: Mehr Bahnschranken in Fröndenberg könnten Reisende schneller nach Dortmund bringen

Hellweger Anzeiger Stadtwerke Fröndenberg

Vollsperrung auf wichtiger Route in der Fröndenberger Innenstadt dauert einen Monat

Hellweger Anzeiger Schulwegsicherheit

Warum Fröndenberg eine Einbahnstraße schon nach sechs Monaten wieder aufheben könnte

Hellweger Anzeiger Ruhrtal Rockfest

Mit Verlosung: Wacken-Stimmung in Warmen – ein Dorf fiebert dem ersten Festival entgegen

Meistgelesen