Nach der Nominierung ihrer Mutter Sabina Müller zur SPD-Bürgermeisterkandidatin stellte sich Svenja Müller (r.) gemeinsam mit Vater Wolfgang zum Familienfoto auf. © Udo Hennes
SPD Fröndenberg

Posten-Knatsch: Tochter von Bürgermeisterin Sabina Müller tritt aus SPD aus

Svenja Müller, Tochter von Bürgermeisterin Sabina Müller, ist aus der SPD ausgetreten. Der Ortsverein Fröndenberg-Mitte ist damit auch seiner kommissarischen Vorsitzenden verlustig gegangen.

Der größte Ortsverein der Fröndenberger SPD hat keine Vorsitzenden mehr: Nach dem Rückzug von Kurt Potthoff ist der Ortsverein Mitte nach dem Parteiaustritt von Svenja Müller nun kopflos. Offenbar ist Knatsch bei einer Postenvergabe Auslöser für den überraschenden Vorgang.

Ihren Austritt aus der SPD hat Svenja Müller laut Fraktionsgeschäftsführer Gerd Schürmann mit Wirkung zum 31. März erklärt.

Svenja Müller erhält keinen Ausschusssitz

Im November hat nach Schürmanns Schilderungen Svenja Müller ihren Finger für ein Mandat auf SPD-Fahrkarte als sachkundige Bürgerin im wichtigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) gehoben.

Sachkundige Bürger haben im ASU volles Stimmrecht und sind den Stadträten formal gleichgestellt. Diesen Sitz mochte die SPD-Fraktion Müller aber nicht zugestehen, sondern bot ihr lediglich einen stellvertretenden Sitz an.

Laut Gerd Schürmann sollen bei der SPD die bei der Kommunalwahl unterlegenen Ratskandidaten stattdessen einen Sitz als sachkundige Bürger erhalten.

Dieser Sachverhalt traf auf die Tochter von Bürgermeisterin Sabina Müller nicht zu. Sie war lediglich Huckepack-Kandidatin von Sebastian Kratzel, der bei der Wahl im September 2020 ein Ratsmandat erzielte. Sie würde also erst bei einem Ausscheiden von Kratzel aus dem Rat dessen Platz einnehmen.

Svenja Müller schlug jedenfalls das Angebot eines Stellvertreter-Postens aus. Ob ihre Enttäuschung Ursache für ihren Parteiaustritt war, kommentierte sie bisher nicht persönlich. Auf eine Anfrage dieser Redaktion meldete sich Müller nicht.

SPD-Fraktionschef Klaus Böning mochte diese Schlussfolgerung nicht ziehen. Sie sei jedenfalls „beruflich stark eingespannt“, so Böning, und habe der Fraktion zu verstehen gegeben, „dass sie sich nicht mehr groß engagieren“ könne.

Beruflich stark eingespannt – kein Engagement?

Svenja Müller, die im Juli 2019 das beste Abitur an der GSF baute und, damals 19-jährig, wegen herausragender Leistungen mit dem Bildungspreis des Bürgermeisters bedacht worden war, absolviert ein duales Studium im Rahmen ihrer Ausbildung zur Regierungsinspektorin bei der Bezirksregierung Arnsberg.

Während Klaus Böning den Abschied von Svenja Müller gelassener sieht – „In den Parteien ist es immer ein Kommen und Gehen“ – sieht sein Fraktionsgeschäftsführer dagegen durchaus einen Zusammenhang zwischen Parteiehrgeiz und enttäuschten Erwartungen: „Ich kann sie absolut verstehen“, sagt Gerd Schürmann. Svenja Müller habe sich als junger Mensch bei den Sozialdemokraten engagieren wollen; etwas, das die Parteien, die Nachwuchs benötigten, ja allgemein gutheißen müssten.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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