Pleite abwenden: Evangelische Jugendarbeit in Fröndenberg braucht mehr Geld

dzEvangelische Kirchengemeinde Frömern

Die Evangelische Jugend in Frömern kommt auf Dauer mit den Zuschüssen nicht aus: Einen dringenden Appell richtet Jugendreferent Sebastian Richter an den Jugendhilfeausschuss des Kreises.

Frömern

, 09.09.2019, 12:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Evangelische Jugend Frömern blickt besorgt in die Zukunft: Verbleiben die öffentlichen Zuschüsse auf dem derzeitigen Niveau, kann in den Augen der Macher um Jugendreferent Sebastian Richter das Angebot nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden.

Der Zulauf von ehrenamtlichen Helfern und Teilnehmern der Jugendarbeit in der Kirchengemeinde Frömern ist seit Jahren riesengroß. „Wir stagnieren aber bei den Finanzen, die Zuschüsse sind lange nicht erhöht worden“, sagt Sebastian Richter.

Zur Sache

Finanzierung der Ev. Jugendarbeit in Frömern

  • Für die Stelle eines Jugendreferenten erhält die Kirchengemeinde rund 45.000 Euro vom Kreis Unna (Landes- und Kreismittel) und nach neuer Beschlusslage des Sozialausschusses 7000 Euro von der Stadt Fröndenberg.
  • Die Stelle von Jugendreferent Sebstian Richter allein kostet bereits etwa 60.000 Euro. Richter: „Und da ist noch kein Bleistift gekauft, noch keine Heizung eingeschaltet, noch kein Raum gereinigt und noch kein Fahrzeug bewegt.“
  • Der Betrieb der Einrichtung koste – ohne Programm- und Angebotskosten – rund 100.000 Euro jährlich.
  • Die Ev. Kirchengemeinde Frömern übernimmt also einen rund 50-prozentigen Eigenanteil.

Für die Träger-Kirchengemeinden seien in den letzten Jahren „harte Zeiten angebrochen“, so Richter, der mit einer halben Stelle als Vorsitzender der Ev. Landesarbeitsgemeinschaft Offener Türen auch Fürsprecher für die Offene Kinder- und Jugendarbeit landesweit ist.

»Wenn nicht ab und zu Menschen und Firmen etwas spenden würden oder wir nicht den einen oder anderen Projekttopf anzapfen könnten, sähe es schon länger ziemlich düster aus.«
Jugendreferent Sebastian Richter

Während externe Zuschüsse für die Kinder- und Jugendarbeit nur relativ gering angestiegen seien, erhöhten sich zugleich Programm-, vor allem aber Instandhaltungs- und Personalkosten immens.

Richter rechnet vor: 2004 erhielt Frömern noch 125.000 Euro Kirchensteuermittel von der Landeskirche, zuletzt waren es – vor allem auch wegen schrumpfender Einnahmen – noch 75.000 Euro. Geld, das für die gesamte Gemeindearbeit verwendet werden muss.

Pleite abwenden: Evangelische Jugendarbeit in Fröndenberg braucht mehr Geld

Mehr als 60 Ehrenamtliche der Evangelischen Jugend Frömern feierten an diesem Wochenende ihr Sommerfest. Hierzu fuhren sie gemeinsam auf die Hüstener Sauerlandkirmes und verbrachten einen entspannten Tag zwischen Zuckerwatte, Music-Express und Kettenkarussell. © privat

Pfarrer Gisbert Biermann sagt hierzu: „Die Kinder- und Jugendarbeit ist uns unumstritten viel wert. Es wird für uns aber gleichzeitig immer schwieriger, die nötigen finanziellen Mittel für die engagierte Kinder- und Jugendarbeit aufzubringen.“

Der neue Kinder- und Jugendförderplan werde voraussichtlich erst ab 2021 greifen. Man hoffe daher für 2020 auf einen Zuschuss, „der uns hilft, die Herausforderungen zu stemmen. Ich spreche in dieser Sache sicherlich auch für die anderen Gemeinden mit hauptamtlicher Jugendarbeit“, so Biermann.

Zur Sache

Angebot und Programm der Ev. Jugend Frömern

  • Jugendreferentin Katharina Grügelsiepe ist seit dem 1. Januar 2018 mit halber Stelle und seit Juni 2018 dank einer zusätzlichen Förderung durch das Kreisjugendamt sowie der Stadt Fröndenberg mit voller Stelle Jugendreferentin in der Kirchengemeinde.
  • 80 Personen bringen sich in einem Kalenderjahr mindestens einmal irgendwie ein. „Aber die meisten davon tun das sehr viel regelmäßiger“, sagt Katharina Grügelsiepe.
  • Die ehrenamtlichen Jugendleiter und Helfer zwischen 15 und etwa 24 Jahren übernehmen in der Ev. Jugend Verantwortung bei vielen Aktionen und Projekten.
  • Sie sorgen für den reibungslosen Betrieb des Jugendtreffs Spirit und gestalten wöchentliche Angebote für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren.
  • Die Helfer unterstützen, organisieren und entwickeln auch kleinere und größere Aktionen: zum Beispiel das bekannte „Sei-kein-Schaf“-Projekt, Kinderbibelwoche, Altkleidersammlungen, Konzerte, Familientage, Mädchen- und Jungenaktionstage.

„Wenn nicht ab und zu Menschen und Firmen etwas spenden würden oder wir nicht den einen oder anderen Projekttopf anzapfen könnten, sähe es schon länger ziemlich düster aus“, ergänzt Richter.

Als Landesvorsitzender habe er in den letzten Jahren „viele Einrichtungen richtiggehend pleite gehen sehen.“ Die Offene Kinder- und Jugendarbeit müsse künftig stärker als bisher unterstützt werden. Richter: „50 Prozent Eigenanteil sind auf Dauer einfach zu viel.“

Zwar stiegen die Landesmittel um ein paar Hundert Euro pro Jahr, auch der Kreis Unna hat 2018 Einmalzuschüsse gewährt. Sebastian Richter: „Das waren tolle Hilfen – aber ich fürchte, dass das mittelfristig nicht reichen wird.“

Der Jugendhilfeausschuss des Kreises Unna tagt am Dienstag, 10. September, ab 16 Uhr im Gemeindehaus Frömern, Brauerstraße 5.
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