Pfarrer im Ruhestand Werner Keßler, hier mit seiner Frau Esther, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Er prägte über mehr als zwei Jahrzehnte das Gemeindeleben der Evangelischen Kirchengemeinde Fröndenberg. © Stadtarchiv Fröndenberg
Nachruf

Pfarrer Werner Keßler: Prägende Gestalt mit vielen Spuren in Fröndenberg

Pfarrer Werner Keßler war über zwei Jahrzehnte prägende Gestalt in der Evangelischen Kirchengemeinde Fröndenberg. Der Geistliche hat viele Spuren in der Stadt hinterlassen. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Als Werner Keßler im September 1969 in die zweite Pfarrstelle der Evangelischen Kirchengemeinde Fröndenberg eingeführt wurde, war Aufbruchstimmung im ganzen Land. Auch der Pfarrer brachte viele Neuerungen in seine Gemeinde ein.

Keßler, der aus dem Siegerland stammte, prägte das evangelische Kirchenleben in der Stadt über mehr als 21 Jahre. Von der Bahnauer Bruderschaft, einer Missionsschule in Württemberg, wechselte Keßler, Jahrgang 1927, an die Ruhr und beerbte seinen Vorgänger Reimund Bröker auf jener Pfarrstelle, auf der er zunächst die Gemeindeglieder in Westick und auf der Hohenheide betreute.

Initiator von Wohnpark Stift und Umbau des Gemeindehauses

Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Pfarrer Alex Brune besetzte Keßler ab 1973 die erste Pfarrstelle und war für die Fröndenberger Kernstadt zuständig.

Zeitgenossen und Wegbegleiter verbinden mit dem durchaus nicht unumstrittenen Pastor eine reiche bauliche Tätigkeit der Kirchengemeinde.

Grundsteinlegung für das Schmallenbach-Haus am 23. Mai 1972: Pfarrer Werner Keßler (l.) und sein katholischer Amtskollege Hermann Bieker (M.) segnen das nachmalige Seniorenheim. © Privat © Privat

So gehen die Altenwohnungen im Wohnpark Stift, wo 32 seniorengerechte Wohnungen entstanden, auch auf die Initiative von Werner Keßler zurück. Unter seiner Ägide baute die Gemeinde 1976 den neuen Kindergarten an der Schröerstraße und ließ das damalige Jugendheim zum Gemeindehaus Stift ausbauen.

„Doppelspitze“ mit Ehefrau und Gemeindesekretärin Esther Keßler

Für die Kirchengemeinde war es eine Zäsur, als sie sich 1972 von ihrem Krankenhaus auf dem Sodenkamp trennte und das Hospital in die Trägerschaft der Stadt übertrug. Das Krankenhaus wurde schließlich aufgegeben und 1979 abgerissen.

Auch um das Gemeindeleben machte sich Keßler nachhaltig verdient, der mit seiner Frau Esther als Gemeindesekretärin jahrelang eine Art Doppelspitze in der evangelischen Kirche Fröndenbergs bildete.

Offene Kinder- und Jugendarbeit in Fröndenberg eingeführt

So führte er 1972 nicht nur den ersten gedruckten Gemeindebrief ein, sondern gründete die „Offene Tür“ und ließ fortan eine offene Kinder- und Jugendarbeit nach dem Vorbild Frömerns auch in Fröndenberg und Bausenhagen machen.

Zu diesem Zweck hatte Keßler den ihm aus der Bahnauer Bruderschaft noch bekannten Friedhelm Wegener als Jugendreferenten nach Fröndenberg geholt.

Um 1965 sah das damalige evangelische Jugendheim an der Eulenstraße noch so aus; unter Pfarrer Werner Keßler folgte der Umbau in das heutige Gemeindehaus Stift. © Stadtarchiv Fröndenberg © Stadtarchiv Fröndenberg

Vielen unvergessen sind die humorigen Schlagabtausche, die sich Protestant Keßler mit seinem katholischen Amtsbruder Hermann Bieker Jahr für Jahr auf der Bühne des Schützenfestes des BSV Fröndenberg lieferte.

Wie bei vielen Menschen mit Autorität schieden sich auch an Werner Keßler die Geister; war er den einen zu konservativ, spürten viele aber auch, dass mit ihm der frische Wind einer neuen Generation Pfarrer nach Fröndenberg gekommen war.

Werner Keßler verstarb nach Angaben aus der Kirchengemeinde am 21. Februar im Alter von 94 Jahren an seinem letzten Wohnort Hermannsburg in Niedersachsen.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
Zur Autorenseite
Marcus Land
Lesen Sie jetzt