Schülerverkehr: So voll ist der Bus von Fröndenberg nach Unna wirklich

dzÖPNV

Im Busverkehr läuft es nicht mehr rund, seit die neuen Fahrpläne in Kraft getreten sind. Offenbar arbeitet Westfalenbus an einer Lösung. Reden will das Unternehmen darüber aber nicht. Wir haben uns deshalb selbst ein Bild gemacht.

Fröndenberg, Unna

, 17.01.2020, 08:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Westfalenbus scheint hinter den Kulissen bereits auf die Probleme im Busverkehr zu reagieren: Das Verkehrsunternehmen überarbeitet derzeit offenbar den Fahrplan, der zum 7. Januar in Kraft getreten ist und seitdem für Probleme insbesondere im Pendlerverkehr von Schülern sorgt.

Jetzt lesen

Die Stadt Fröndenberg vermeldet auf ihrer Internetseite, dass die eingestellten Fahrpläne „teilweise fehlerhaft“ seien. „Sobald die korrigierten Daten vorliegen, werden die Fahrpläne neu eingestellt“, heißt es.

Schülerverkehr: So voll ist der Bus von Fröndenberg nach Unna wirklich

Gerade erst ist der neue Fahrplan in Kraft getreten, schon sind Änderungen nötig. Die Stadt Fröndenberg gibt auf ihrer Internetseite deshalb den pauschalen Hinweis auf fehlerhafte Fahrpläne. © Alexander Heine

Auf Nachfrage bestätigte Stefan Betzinger von der Stadtverwaltung, dass Westfalenbus infolge der Hinweise insbesondere von Eltern und Schülern eine Überarbeitung der Fahrpläne angekündigt habe. Es handle sich manchmal um Kleinigkeiten, manchmal funktionierten Umläufe nicht wie geplant.

Westfalenbus überarbeitet die neuen Fahrpläne

„Alles Dinge, die erst im Echtbetrieb aufgefallen sind“ und hier und da zu Problemen geführt hätten, die Westfalenbus nun ausräumen wolle, so Betzinger. Weil hier und da Strecken zwischenzeitlich womöglich schon optimiert worden seien, habe man den pauschalen Hinweis auf fehlerhafte Fahrpläne veröffentlicht.

Stadt Fröndenberg: Schulbusverkehr gab es in Fröndenberg nie

Das Unternehmen habe keinen verbindlichen Termin für die Überarbeitung der Pläne genannt, aber eine kurzfristige Lösung in Aussicht gestellt. „Das haben wir natürlich auch erwartet“, die Situation sei auch aus Sicht der Stadt unbefriedigend gewesen, so Betzinger. Er stellte allerdings nochmal klar, dass es in Fröndenberg nie einen Spezialverkehr für Schüler gegeben habe. Es sei der Eindruck entstanden, dass ein ehedem eigener Schulbusverkehr in den normalen Linienverkehr integriert worden sei und das ursächlich für die Probleme sei. Das sei „so nicht richtig“, so Betzinger. „Es gab auch schon vorher keinen Schulbusspezialverkehr.“

„Eltern dürfen auch erwarten, dass ihre Kinder sicher zur Schule kommen.“
Christoph Ueberfeld, Stadt Unna

Eltern und Schülern sind solche Spitzfindigkeiten freilich egal. Sie erwarten, dass ihre Kinder zuverlässig und vor allem sicher zur Schule kommen. Und das „dürfen (die) auch erwarten“, sagte Christoph Ueberfeld, Sprecher der Stadt Unna, die als Trägerin zweier Gymnasien mit Schülern aus Fröndenberg ebenfalls involviert ist.

Unnaer Gymnasien leiteten Beschwerden von Schülern weiter

Vonseiten des Pestalozzi-Gymnasiums und des Ernst-Barlach-Gymnasiums seien Beschwerden von Eltern über den problembehafteten Busverkehr an die Stadtverwaltung herangetragen worden, so Ueberfeld. Demnach hätten Fahrer nicht so recht gewusst, wann sie welche Haltestelle anfahren müssten. „Wir haben uns daraufhin sofort mit dem Busunternehmen in Verbindung gesetzt und zeitnah eine bedarfsgerechte Lösung eingefordert.“ Weil zuletzt keine Beschwerden mehr über die Schulen an die Stadt herangetragen worden seien, gehe man davon aus, dass die Probleme zwischenzeitlich gelöst worden seien, so Ueberfeld.

Das mag für den Umstand gelten, dass Busfahrer nach der Fahrplanumstellung mitunter nicht wussten, wann sie eigentlich welche Haltestelle anfahren müssen. Für das Problem überfüllter Busse gilt das ganz und gar nicht.

Linie R70: So war die Situation am Freitagmorgen

Wir haben uns die Situation am Freitagmorgen gegen 7 Uhr in Kessebüren an der Haltestelle „Fröndenberger Straße“ angesehen; eine der letzten Stationen der Linie R70. Auf der Strecke von Fröndenberg nach Unna waren vor der Fahrplanumstellung noch zwei Busse unterwegs, seit dem 7. Januar fährt ein einziges Fahrzeug quasi durch die gesamte Stadt. Tatsächlich stehen Schüler dicht gedrängt in dem Bus, teilweise vorne im Fahrerbereich – sie haben dort keine Chance, sich irgendwo festzuhalten. Nicht auszudenken, was ihnen im Falle eines Unfalls passiert. Der Bus der Linie R70 in die Gegenrichtung war um diese Zeit übrigens leer.

Schülerverkehr: So voll ist der Bus von Fröndenberg nach Unna wirklich

Ein Bus der Linie R70, aufgenommen am 17. Januar 2020 gegen 7 Uhr an der Haltestelle "Fröndenberger Straße" in Kessebüren. Der Bus ist voll mit Schülern, die nach Unna wollen. Genügend Platz haben sie nicht: Sie stehen sogar vorne im Fahrerraum, wo sie sich nicht festhalten können. © Alexander Heine

Keine Information: Stadt Unna bewertet Umstellung „unglücklich“

Übrigens ist die Stadt Unna Ueberfeld zufolge von der Fahrplanumstellung überrascht worden. „Unglücklich“, nannte der Stadtsprecher das. „Wir hätten uns eine Vorabinformation gewünscht.“ Überhaupt scheint Westfalenbus in dieser Angelegenheit nicht sonderlich kommunikativ zu sein: Anfragen dieser Redaktion in der Angelegenheit sind bislang unbeantwortet geblieben.

„Die Menschen haben Angst um ihre Kinder, das haben wir natürlich ernst genommen.“
Stefan Betzinger, Stadt Fröndenberg

Stefan Betzinger seinerseits sagt, „fast täglich“ mit Westfalenbus Kontakt zu haben. „Die Menschen haben Angst um ihre Kinder, das haben wir natürlich ernst genommen.“ Nachdem es Anfang der Woche noch einige Hinweise gegeben habe, sei es zuletzt aber ruhiger geworden – wobei Betzinger darauf verweist, dass nicht jede Beschwerde zwingend bei der Stadtverwaltung lande, Eltern sich womöglich auch direkt an das Unternehmen wendeten. So oder so geht er fest davon aus, dass sich die Probleme schon in Kürze erledigen. Anlass, sich die Situation im morgendlichen Pendlerverkehr von Schülern einmal selbst anzusehen, sah die Stadtverwaltung bislang allerdings nicht...

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Feuerwerk- und Steingartenverbot
FDP Fröndenberg sieht „gefährliche Tendenz zu allgemeiner Verbotskultur“
Hellweger Anzeiger Kostüm-Wahn
Karneval in der Schützenhalle Warmen: So haben die Fröndenberger früher gefeiert
Meistgelesen