Fröndenberg feiert erstes ökumenisches Gemeindefest in bald 800-jähriger Geschichte

dzÖkumene

Marienkirche und Stiftskirche in Fröndenberg liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Dennoch feiern Katholiken und Protestanten erstmals ein ökumenisches Gemeindefest. Das hat noch Norbert Wohlgemuth initiiert.

Fröndenberg

, 09.09.2019, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ökumene wird in Fröndenberg zwar schon lange gelebt. Ein gemeinsames Gemeindefest der beiden Kirchengemeinden ist aber in der bald 800-jährigen Stadtgeschichte nicht bekannt. Vom 20. bis 22. September ist Premiere.

Fröndenberg feiert erstes ökumenisches Gemeindefest in bald 800-jähriger Geschichte

Laden ein zum 1. Ökumenischen Gemeindefest des Pastoralverbundes Fröndenberg sowie der Evangelischen Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen (v.l.): Gemeindereferentin Mona Schomers, Presbyteriumsvorsitzende Annelie Richwin-Krause und Pfarrerin Runa Ahl. © Marcus Land

Der Pastoralverbund Fröndenberg feiert sein Gemeindefest erstmals gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Fröndenberg und Bausenhagen – zwischen Marienkirche und Stiftskirche, die nur ein Katzensprung voneinander trennt.

»Vielleicht Vorurteile abbauen, die noch in manchen Köpfen sitzen.«
Pfarrerin Runa Ahl

„Wir gehören zusammen“ – unter dieses verbindende Motto haben Katholiken und Protestanten das 1. Ökumenische Gemeindefest gestellt.

Zur Sache

Als die Protestanten einen katholischen Pfarrer vertrieben

  • Das Stiftsgebäude war ein Spiegelbild gelebter Ökumene in Fröndenberg, wie Stadtarchivar Jochen von Nathusius weiß. Nach 1819 diente der nördliche Teil als Pastorat und Wohnung den evangelisch-lutherischen Geistlichen und ihren Familien, der südliche Teil den katholischen Geistlichen und deren Haushälterinnen.
  • Hier lebten u.a. die katholischen Geistlichen Christian Altendorff, Bernhard Siemer, Bernhard Schröder und ab 1911 der geistliche Rat und (ab 1956) Ehrenbürger der Stadt Fröndenberg Heinrich Schmallenbach (1871-1958).
  • Während des Kulturkampfes in der Bismarckzeit musste der katholische Pfarrer Siemer seine Wohnung im Stiftsgebäude kurzzeitig verlassen und auch sein Gehalt wurde gesperrt.
  • Doch der im fernen Berlin angezettelte Kampf gegen die katholische Kirche konnte die Fröndenberger nicht schrecken. Der evangelische Pfarrer zur Nieden nahm Siemer in seiner Dienstwohnung im gleichen Gebäude für vier Wochen auf, ehe ihm im Boeselager‘schen Haus (in Besitz der katholischen Gemeinde) eine Wohnung hergerichtet wurde.
  • Bis 1895 wurde die Kloster- und Stiftskirche simultan durch beide Konfessionen genutzt. Erst zu diesem Zeitpunkt hatte sich die stets größer werdende katholische Gemeinde ein eigenes Gotteshaus erbauen lassen. Traditionell findet auch heute noch traditionell wenigstens jährlich eine katholische Messe hier statt.

In früheren Zeiten haben die Konfessionen das nicht unbedingt so gesehen: Da haben Evangelische während der Fronleichnamsprozession der Katholiken demonstrativ ihre Wäsche aufgehängt, katholische Pfarrer schüttelten protestantischen Sargträgern nicht die Hand.

Diese Zeiten sind auch in Fröndenberg längst überwunden. Mit dem Stadtkirchentag gab es auch schon Ansätze der beiden Kirchen, noch näher zusammenzurücken. „Der ist aber keine Tradition geworden“, bedauert Annelie Richwin-Krause, Vorsitzende des Presbyteriums der Protestanten.

Ein kürzlich zurückgetretener katholischer Pfarrer gab erneut den Anstoß. „Norbert Wohlgemuth ist vorangeprescht“, sagt Runa Ahl, Pfarrerin in Bausenhagen.

Während nun Wohlgemuth das ökumenische Fest nicht mehr im Amt erlebt, hat sich der Pfarrgemeinderat der Marienkirche in den letzten Wochen umso stärker bemüht, das Fest auch ohne ihren Pfarrer zu einem Erfolg zu führen.

Aus dem Gemeinderat sei ohnehin ein Impuls gekommen, die Ökumene voranzutreiben, sagt Gemeindereferentin Mona Schomers. Schomers wird übrigens gemeinsam mit Runa Ahl am Sonntag einen nur von Frauen geleiteten Gottesdienst in der Marienkirche feiern.

Fröndenberg feiert erstes ökumenisches Gemeindefest in bald 800-jähriger Geschichte

Liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt: die Fröndenberger Marienkirche und Stiftskirche. Jetzt wird zum ersten Mal ein ökumenisches Gemeindefest gefeiert. © Freyth

Programm

Rockmusik, Kabarett und Kaffeeparcours

  • Freitag, 20. September: 18 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der Stiftskirche – Liturgische Leitung Jörg Rudolph (ev.), Ansprache Mona Schomers (kath.); 19.30 Uhr Ökumenisches Konzert mit der Stiftskantorei und dem Kirchenchor „Cäcilia“ in der St. Marien-Kirche
  • Samstag, 21. September: 18.30 Uhr Kabarett im Pfarrzentrum St. Marien mit Ulrike Böhmer (Eintritt 7 Euro); 20.30 Uhr „Rock am Kirchturm“ im Pfarrzentrum St. Marien.
  • Sonntag, 22. September: 11 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der St. Marien-Kirche – Liturgische Leitung Mona Schomers und Heinrich Stangorra (kath.), Ansprache Runa Ahl (ev.), Mitwirken der Freikirche Ecclesia aus Menden, vermutlich musikalische Mitgestaltung der jüdischen Gemeinde Unna; anschließend wird gefeiert mit Spiel und Spaß für Klein und Groß, Info- und Verkaufsständen, Kaffeeparcours, Eine-Welt-Verkauf, Kirchenführungen, Heimatmuseum, Biblischer Escape-Room, Lebendkicker, Bobycar-Parcours.

Die Stände auf dem dreitägigen Gemeindefest werden „ökumenisch“ besetzt, „damit die Gruppen nicht wieder unter sich bleiben“, sagt Runa Ahl. Wenn es allerdings überhaupt noch etwas Trennendes gebe zwischen den Konfessionen in Fröndenberg, dann seien es eher die Entfernungen.

Die katholische und evangelische Jugend in Bausenhagen wollen künftig enger zusammenarbeiten – denn die eigenen Leute in Fröndenberg sind beiden Gruppen ein Stück zu weit.

Dennoch setze man darauf, dass das Ökumenefest auch etwas bewirken kann. Runa Ahl: „Vielleicht Vorurteile abbauen, die noch in manchen Köpfen sitzen.“

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