Nutrias breiten sich an der Ruhr immer weiter aus

dzGefahr für biologische Vielfalt

Auf den Bildern sehen die Nutrias putzig aus: Eine in einem verlassenen Nest, eine weitere putzt sich am Ruhrufer. Doch die Nager können in der Region zu einem ernsthaften Problem werden.

Fröndenberg

, 09.09.2019, 14:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als begeisterte Kanutin paddelt Gudrun Bürhaus regelmäßig die Ruhr flussabwärts – nicht selten mit ihrer Kamera an Bord, wenn sie ihr Boot bei Dellwig zu Wasser lässt. Was der naturbegeisterten Hobbyfotografin auf einer ihrer Touren jetzt vor dem Hengsener Wehr vor die Linse kam, überraschte sie gleichwohl.

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„Auch wenn das alles putzig aussieht – es bleiben wilde Nagetiere.“
Gudrun Bürhaus

„Noch nie habe ich vor dem Hengsener Wehr drei Nutrias gleichzeitig sehen können“, schreibt sie zu ihren Bildern. „Auch wenn das alles putzig aussieht – es bleiben wilde Nagetiere, bei denen wir Abstand halten sollten“, so Bürhaus.

Nutrias breiten sich an der Ruhr immer weiter aus

Ein Nutria putzt sich am Ruhrufer: Gudrun Bürhaus sind die Tiere kurz vor dem Hengsener Wehr aufgefallen. © Gudrun Bürhaus

Nutrias breiten sich in der Region aus

Die Beobachtungen von Gudrun Bürhaus passen ins Bild: Die Nager breiten sich auch in der Region aus – zum Leidwesen der biologischen Vielfalt, zumal die Tiere beträchtliche Schäden an der Ufer- und Wasservegetation wie auch an Agrarflächen hervorrufen und durchaus auch für den Menschen ein Risiko darstellen können. Schon seit 2008 gilt in Nordrhein-Westfalen deshalb ein Erlass, wonach Nutrias wie auch Bisame das ganze Jahr über gejagt werden dürfen.

Hintergrund

Das sind Nutrias

  • Nutrias sehen auf den ersten Blick aus wie Biber. Neben der Körpergröße unterscheidet sie jedoch der bis zu 45 Zentimeter lange Schwanz, der rund und nicht abgeflacht wie beim Biber ist.
  • Sie waren in Deutschland ursprünglich nicht heimisch. Sie stammen aus Südamerika und wurden einst wegen ihres Pelzes nach Europa geholt. Die heutige Population der Nutrias ist wohl vor allem auf von Tierfarmen entflohene Tiere zurückzuführen, mitunter aber auch auf bewusste Auswilderungen.
  • Die klimatischen Bedingungen sind für die Tiere hierzulande durchaus günstig; sie bevorzugen milde Winter. Zudem fehlen Fressfeinde, weshalb sie in Deutschland praktisch flächendeckend verbreitet sind.
  • Nutrias ernähren sich überwiegend vegetarisch, fressen hauptsächlich Blätter, Stängel und Wurzeln von Wasserpflanzen.
  • Bei einer Gesamtkörperlänge von bis zu einem Meter können sie bis zu zehn Kilogramm schwer werden. Die Tiere können über zehn Jahre alt werden.
  • Nutrias sind nach fünf Monaten geschlechtsreif und bringen nach einer Tragezeit von 19 Wochen sechs bis acht Junge zur Welt.

„Zur Abwendung erheblicher wasserwirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Schäden sowie zum Schutz der heimischen Pflanzen- und Tierwelt ist die Bekämpfung von Bisam und Nutria erforderlich“, heißt es in dem gemeinsamen Papier von Landesinnen- und Landesumweltministerium aus Oktober 2008. „Die Bekämpfung insbesondere des Bisam dient auch der Volksgesundheit und dem Schutz des Wildes.“ Der Bisam sei Überträger verschiedener, auch für den Menschen gefährlicher Infektionskrankheiten. Bremen erlaubt seit diesem Sommer die Jagd auf Nutria, das Land Niedersachsen bereits seit dem Vorjahr.

Uferbereiche von Tunneln durchzogen

„So schlimm wie in Bremen und Niedersachsen ist es hier noch nicht“, sagt Dietrich Junge, Leiter des Hegerings Schwerte. Dort wurden in der Jagdsaison 2018/2019 insgesamt 101 Nutrias geschossen – deutlich mehr als in Fröndenberg, wo es nur zwei waren. „Der Nutria-Bestand hat entlang der Ruhr sehr stark zugenommen“, sagt der Jäger und bestätigt: „Das kann für angrenzende landwirtschaftliche Flächen und auch für die Uferbefestigungen zum Problem werden.“ Die Tiere graben in den Uferbereichen Tunnel. „In der Folge können Uferbereiche schon mal nachsacken und abrutschen“, so Junge. Noch schlimmer sei das in Bereichen von Deichen und Wällen, die es in der Region entlang der Ruhr freilich nicht gibt.

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