Biber oder Nutria? Putzige Nager bewohnen den Aussichtshügel an der Kiebitzwiese

dzNeubürger im Tierreich

Nutria sind nett anzusehen, können dem heimischen Ökosystem als Eindringlinge aber auch schaden. Welchen Einfluss haben die Tiere aufs Naturschutzgebiet Kiebitzwiese, in dem sie sich sehr wohl fühlen?

Fröndenberg

, 26.11.2019, 13:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Biber oder Nutria? Diese Frage hat Falko Prünte von der Biologischen Station in den vergangenen Tagen oft gehört. Denn er ist zuständig für die Kiebitzwiese. Und dort können Bürger Nutrias in diesen Tagen gut beobachten. Ganz ohne Fernglas. Denn ein Bau der zum Teil auffällig hell gefärbten Tiere befindet sich direkt am Aussichtshügel.

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Nurtias sind größer als Bisamratten und werden deshalb häufig mit Bibern verwechselt. Vom in der Region deutlich selteneren Biber unterscheidet sie vor allem ihr Schwanz. Er ist beim Biber platt, ähnlich wie ein Paddel geformt. Der Schwanz des Nutrias erinnert an den einer Ratte. Ganz abwegig sei der Gedanke an einen Biber allerdings nicht, sagt Prünte. Denn zuletzt hatte es tatsächlich eine Bibersichtung im Ruhrtal gegeben. Das Tier sei aber vor einigen Wochen tot in Schwerte aufgefunden worden.

Biber oder Nutria? Putzige Nager bewohnen den Aussichtshügel an der Kiebitzwiese

Die zum Teil hellen Nutrias fallen vielen Spaziergängern an der Kiebitzwiese in Fröndenberg zur Zeit auf. Manch einer denkt, er hätte einen Biber gesichtet. © Zosel

Nutrias an der Ruhr gibt es schon seit den 80er-Jahren

Wie bereits berichtet, breiten sich Nutrias an der Ruhr immer weiter aus. Die putzigen Nager können dem Ökosystem aber auch schaden, erklärt der Diplom-Geograph von der Biologischen Station. Der Nutria ist sozusagen ein Neubürger – und Neubürger im Tierreich verdrängen meistens andere Arten. An der Ruhr ist er seit den 80er-Jahren heimisch. Damals wurden einige Tiere aus nicht mehr lukrativen Pelztierzuchten laufen gelassen.

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Obwohl auf der Kiebitzwiese aktuell so viele Nutrias zu sehen sind, wie lange nicht, ist das für die biologische Station kein Grund zur Sorge: „Jetzt sind es tatsächlich sehr viele, bei uns geht aber noch kein rotes Licht an“, sagt Prünte.

Uferböschungen und Dämme würden durch die unterirdischen Bauwerke der Tiere häufig unterhöhlt – um die Standsicherheit des Aussichtshügels müsse man sich aber noch keine Gedanken machen, scherzt Prünte. Anders als etwa der Fuchs, sei der Nutria hauptsächlich Pflanzenfresser, er nimmt keine Gelege aus. Sein Einfluss auf die Brut der Vögel sei daher gering.

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Biber oder Nutria? Putzige Nager bewohnen den Aussichtshügel an der Kiebitzwiese

Auch wenn Naturschützer auf die Anwesenheit von Neubürgern wie dem Nutria verzichten könnten, erweisen sich die Tiere an der Kiebitzwiese durchaus als nützlich. Rohrkolben steht auf ihrem Speiseplan und so halten sie das Wasser frei. © Zosel

Nutria an der Kiebitzwiese frisst gerne Rohkolben

Und der Nager hat sogar einen Nutzen. Der Rohrkolben, den Nabu und Biologische Station auf der Kiebitzwiese immer wieder in Zaum halten müssen, schmeckt dem Nutria gelegentlich ganz gut. So sorgen die Tiere dafür, dass der Rohrkolben das wichtige Gewässer nicht zuwuchert.

Unterm Strich wird der Neubürger auf der Kiebitzwiese also geduldet. Man würde ihn aber auch nicht vermissen, wenn er nicht da wäre, so Prünte.

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