Nun brodeln die Gerüchte, Kirche wollte ungeliebten Pfarrer loswerden

dzNach Rücktritt Wohlgemuths

Der Rücktritt Norbert Wohlgemuths von seinem Priesteramt ist nach wie vor Stadtgespräch in Fröndenberg. So mancher mutmaßt sogar schon, der Rücktritt könne dem Pfarrer nahegelegt worden sein.

Fröndenberg

, 30.07.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während sich am Dienstag das Seelsorgeteam zur Krisensitzung traf, steht bei dem zurückgetretenen Pfarrer Norbert Wohlgemuth das Telefon nicht mehr still. Seit er am Sonntag angekündigt hat, dass er ab 29. Juli kein Pfarrer mehr ist, hat der gebürtige Dortmunder kaum eine ruhige Minute.

„Dabei wollte ich mehr Zeit haben“, sagt der 58-Jährige doch ein wenig überrascht von dem überregionalen Echo. Die vielen Anrufe und Mails, die ihn sogar aus Brasilien und San Francisco erreicht haben, seien durchweg positiv. „Es gab keine einzige negative Rückmeldung“, sagt er.

Dafür brodelt die Gerüchteküche. Mutmaßungen, dem kritikfreudigen Pfarrer sei der Rücktritt vom Erzbistum nahegelegt worden, werden laut. Doch Wohlgemuth betont: „Ich bin selbst initiativ geworden.“ Seine Kritik sei im Gespräch mit Erzbischof Hans-Josef Becker gar nicht zur Sprache gekommen, weil der nicht versucht habe, ihn umzustimmen. „Ich hätte mich auch nicht umstimmen lassen, wohl aber gefreut, wenn man um mich geworben hätte“, gesteht Wohlgemuth.

Geschlossener Priester-Rücktritt hätte vielleicht wachgerüttelt

Doch im Erzbistum ist Kritik kein Thema. Vielleicht hätte das anders ausgesehen, wenn die zwölf Pfarrer, die Wohlgemuth in seiner Kritik an den Kirchenstrukturen dicht an seiner Seite weiß, mitgezogen hätten. „Aber sie haben nicht den Mut. Dabei hätte ein geschlossener Rücktritt so vieler Priester ja vielleicht wachgerüttelt“, will Wohlgemuth trotzdem niemanden dazu aufrufen, es ihm gleichzutun. Dennoch freut ihn, dass die Kollegen und vor allen Dingen auch viele Gemeindemitglieder seine Kritik mittragen.

Nun brodeln die Gerüchte, Kirche wollte ungeliebten Pfarrer loswerden

Gerade aus Wertschätzung für Georg Toborek (r.) hatte Norbert Wohlgemuth den Erzbischof gebeten, noch den Gottesdienst zum Priesterjubiläum für Toborek halten zu dürfen. © Pieper

Zeitpunkt der Rücktrittsankündigung ist Thema

Kritik einstecken muss Wohlgemuth für den Zeitpunkt seiner Rücktrittsankündigung. Wie schon Kirchenvorstands-Vize Klaus Bathen sehen einige der knapp 8000 Gemeindemitglieder dadurch die Feier zum 50-jährigen Priesterjubiläum von Georg Toborek empfindlich gestört. Aber Wohlgemuth beteuert: „Ich hatte keine Wahl.“

Etwas wie Kündigungsfristen sieht die katholische Kirche für ihre Pfarrer nicht vor. Als Wohlgemuth am 22. Juli seinen Freistellungsgesuch vorbrachte, habe Erzbischof Hans-Josef Becker geantwortet: Dann aber sofort. „Ich wollte Georg Toborek jedoch einen würdigen Abschied bereiten. Und habe deshalb um einen einwöchigen Aufschub gebeten“, erklärt Wohlgemuth, dass er daraufhin absolutes Stillschweigen versprechen musste. „Diese Woche nichts sagen zu dürfen, war sehr schwierig“, versichert der Ex-Pfarrer. Die Alternative sei gewesen, „dass sich Toborek quasi selbst verabschiedet.“ Zumindest wäre kein leitender Pfarrer dafür greifbar gewesen.

Ökumenisches Gemeindefest findet wie geplant statt

Für die Fröndenberger wird es zunächst weiter gehen wie geplant, kündigt Gemeindereferent Heiner Redeker an. Da Wohlgemuth ohnehin im August Urlaub gehabt hätte, stehen die Messen und Wortgottesfeiern bis 1. September. Das von Wohlgemuth initiierte ökumenische Gemeindefest Ende September soll stattfinden. Inzwischen habe auch Dechant Paul Mandelkow bestätigt, die Verwaltung des Pastoralverbundes zu übernehmen. Ein weiteres Krisentreffen ist für nächste Woche geplant – von Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand.

Raus aus dem Zölibat heißt nicht: ab in die Beziehung

Und Wohlgemuth? Bis Ende August wird er im Pfarrhaus wohnen, dann nach Marsberg umziehen, wo er mit einer befreundeten Familie zusammenleben wird. „Keine Liebesbeziehung“, betont er und lacht. Schließlich kursieren diverse Mutmaßungen.

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