St. Marien-Kirche leuchtet rot und weist auf die Misere einer Branche hin

dzNight of Light

Bundestag, Brandenburger Tor – und die Kirche St. Marien in Fröndenberg. Bei der Night of Light machte die Veranstaltungsbranche über die Grenzen von Deutschland hinaus deutlich, wie sie in der Corona-Krise leidet.

Fröndenberg

, 23.06.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sollte ein flammender Appell und Hilferuf an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft werden. In Fröndenberg wurde die Night of Light vor allem auch ein Besuchermagnet, freut sich der Veranstaltungstechniker Jan-Philipp Lekic. Der junge Fröndenberger hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und leidet nun wie alle aus der Branche besonders unter den Folgen des Coronavirus.

Während das Auftragsbuch des Licht- und Tontechnikers in diesen Tagen wesentlich leerer ist als üblich, hatten der 25-Jährige und sein Team am Montagabend alle Hände voll zu tun. Denn Last24, die kleine Firma des Fröndenbergers, beteiligte sich an der bundesweiten Night of Light. Überall in Deutschland wurden Kultur- und Verastaltungsstätten sowie ausgewählte Gebäude in rotes Licht getaucht. So machten allein in Deutschland Tausende Firmen aus dem Veranstaltungsbereich auf ihre schwere Situation aufmerksam. Die Aktion erstreckte sich aber auch über die Landesgrenzen hinaus.

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Jan-Philipp Lekic hatte Gemeindereferent Heiner Redeker gefragt, ob er die Kirche St. Marien beleuchten darf, deren Turm bis weit in die Ferne zu sehen ist. Und der Gemeindereferent war sofort begeistert von der Idee.

Über 105 Scheinwerfer und mehrere Hundert Meter Kabel waren nötig, um die Marienkirche in rotes Licht zu tauchen.

Über 105 Scheinwerfer und mehrere Hundert Meter Kabel waren nötig, um die Marienkirche in rotes Licht zu tauchen. © Udo Hennes

Vier Stunden, von 17 bis 21 Uhr, haben Lekic und seine Mitarbeiter gebraucht, um die gesamte Kirche in Szene zu setzen. Acht große Scheinwerfer, 105 kleinere und mehrere Hundert Meter Kabel wurden für die Aktion kurzfristig verbaut.

Besucher wollten den leuchtenden Turm aus der Nähe sehen

Ab Einbruch der Dunkelheit hatten sich einige Fröndenberger dann nicht damit begnügt, den leuchtenden Turm aus der Ferne zu betrachten. Sie kamen vorbei, um einmal um die Kirche zu spazieren, das Lichtkunstwerk aus allen Winkeln und auch aus der Nähe zu betrachten. Jan-Philipp Lekic und seine Kollegen ließen es sich nicht nehmen, zur Abwechslung auch ein paar Effekte zu zeigen, obwohl die Gebäude eigentlich nur rot leuchten sollten.

Zur „Blauen Stunde“ waren tolle Fotos der in der Night of Light illuminierten Gebäude möglich.

Zur „Blauen Stunde“ waren tolle Fotos der in der Night of Light illuminierten Gebäude möglich. © Udo Hennes

„Es waren Fröndenberger, Vertreter der Politik, Familie und Freunde, sogar Gäste aus Menden da“, freut sich Lekic über das Gelingen der Aktion. Letztere gaben an, den roten Kirchturm von Weitem gesehen zu haben und dann spontan in Richtung Fröndenberger Stiftsviertel gefahren zu sein. Viel Zuspruch für die rote Kirche gab es auch digital – von Kollegen aus anderen Städten. Die Aktion hat die Branche auch ein Stück zusammengeführt.

Nicht nur die Fröndenberger Marienkirche, auch die Kirche in Dellwig war Teil der Night of Light. Dort tobte sich David Dinse aus. Der Techniker hatte die Dorfkirche bereits in der Adventszeit 2018 ins rechte Licht gerückt und ist „ebenfalls durch die dramatische Lage der Veranstaltungswirtschaft betroffen“, sagt er zur seiner Motivation.

Hilfe reicht nicht aus

Zum Hintergrund der Aktion

  • Die Veranstaltungswirtschaft sei eine komplexe Branche, die viele unterschiedliche Gewerke und Spezialdisziplinen in sich vereint. Aus diesem Grund habe sie keine zentrale Lobby, so die Initiatoren der Night of Light.
  • Das vorläufige Verbot von Großveranstaltungen und ein danach noch folgender Vorlauf zur Planung von Veranstaltungen biete einen 80- bis 100-Prozent-Umsatzausfall über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Daraus resultiere eine akute Insolvenzgefahr für die gesamte Branche.
  • Die bisher gewährten Kredite würden nur zur Deckung der Betriebskosten reichen und nicht wertschöpfend investiert werden können, was das Aus vieler Unternehmen lediglich verzögere.
  • Ziel der Aktion war es, „mit der Politik ins Gespräch darüber zu kommen, wie die milliardenschwere, extrem heterogene Branche vor einer massiven Insolvenzwelle gerettet werden und der Erhalt von bundesweit mehreren hunderttausend Arbeitsplätzen gesichert werden kann“.

Aufmerksamkeit in den Medien sei nun das eine, was auf die Aktion tatsächlich politisch folgt, eine andere Frage, sagt Lekic. Ohne seinen zweiten Job als Elektriker könnte er seine kleine Firma nicht halten. Und auch die Lockerungen der vergangenen Wochen bescherten noch keine Flut an Aufträgen.

Zur Coronazeit ist bei Jan-Philipp Lekic nicht viel los: Unter anderem regelt er den Ton bei politischen Sitzungen in der Schützenhalle Hohenheide.

Zur Coronazeit ist bei Jan-Philipp Lekic nicht viel los: Unter anderem regelt er den Ton bei politischen Sitzungen in der Schützenhalle Hohenheide. © Udo Hennes

Es sei inzwischen zwar einiges reingekommen – „die Menschen sind aber immer noch vorsichtig“. Die meisten Anfragen würden sich schon auf das kommende Jahr beziehen. „Beim Blick auf Gütersloh ist das ja auch verständlich“, räumt der 25-Jährige ein.

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