Fröndenbergs Schwimm-Star Adam Karas beurteilt einen eingefleischten Nichtschwimmer

dzSchwimmunterricht in Unna

Redaktionsmitarbeiter Martin Krehl ist bekennender Nichtschwimmer. Der Fröndenberger Leistungssportler Adam Karas attestiert ihm Grundtalente im Wasser. Im Hallenbad in Unna trafen sie sich.

von Martin Krehl

Fröndenberg, Unna

, 26.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Welten prallen aufeinander: Wenn Adam Karas (18) ein Schwimmbecken nur sieht, muss er 'rein. Ich hingegen (59) habe nie wirklich Schwimmen gelernt und würde meine Freizeit nicht im Schwimmbad verbringen.

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Den Leistungssportler und den Wasser-Verweigerer verbindet indes die Erkenntnis, dass man unbedingt Schwimmen können muss. Alle Kinder sollten es können.

Lehrschwimmbecken der Overbergschule als Startpunkt für grandiose Karriere

Adam Karas hat es bei der DLRG Fröndenberg bis zum Seepferdchen gebracht, das Lehrschwimmbecken in der Overbergschule war für den Studenten der Startblock in eine beispiellose Karriere.

Inzwischen ist er von den Deutschen Meisterschaften 98 Mal mit einer Gold-, 50 Mal mit einer Silbermedaille und 30 Mal mit Bronze um den Hals nach Hause auf die Hohenheide gekommen.

Fröndenbergs Schwimm-Star Adam Karas beurteilt einen eingefleischten Nichtschwimmer

Adam Karas aus Fröndenberg sammelt bei Schwimmmeisterschaften Medaille um Medaille. © Adam Karas

Adam fehlt der linke Unterarm von Geburt an, er geht offensiv mit dem Handicap um. „Gerade das Schwimmen stärkt die Muskulatur, deshalb hat mich meine Mutter auch zur DLRG geschickt. Und dann wollte ich gar nicht mehr raus aus dem Wasser“.

Sein Heimatverein sind schon lange die Schwimmfreunde SF Unna 01/10, der Lagenschwimmer sahnt Urkunden, Medaillen und Pokale reihenweise ab. Bei den Europameisterschaften wurde er Achter!

Mehr als Hundepaddeln ist ohne Schwimmunterrricht nicht drin

Und ich? Ich kann mehr als Hundepaddeln. Schwimmunterricht in der Schule hatte ich so gut wie gar nicht. Ich komme „im Tiefen“ allerdings voran – aber ich könnte zum Beispiel niemanden retten.

Mit meinen vier Kindern schwimmen gehen kommt also nicht infrage. Beim Urlaub an der Nordsee bleibe ich „an“ der Nordsee, die Familie tobt „in“ der Nordsee. Meine Kinder aber haben bis auf die Jüngste alle natürlich das Seepferdchen.

Mein strenger „Lehrer“ am Beckenrand grinst: „Mehr als das Seepferdchen-Abzeichen hatte ich auch nicht, als ich schon Deutscher Meister war“.

»Da versagt auch das System. Es muss natürlich mehr Bäder geben, mehr Lehrer, mehr Unterricht. Dann wären Kinder auch gesünder.«
Adam Karas

Brust, Rücken, Delphin, Kraulen – der junge Fröndenberger mit dem muskulösen Kreuz unterm Shirt ist in allen Lagen fit. „Im Schwimmen kann ich nicht mehr erreichen, deshalb wechsele ich nach Gold-Medaille Nummer 100 zum Triathlon“.

Da hat er letztens für die Dortmunder Tri-Geckos mal eben die Meisterschaft und eine Goldmedaile im Kurz-Sprint-Triathlon geholt.

Für den jungen Sportler gehört Schwimmenkönnen zur Grundbildung von jungen Menschen: „An den Schulen läuft schon was falsch, da muss viel mehr und intensiver Schwimmen gelehrt werden, alles andere ist doch total gefährlich“. Badeunfälle dürften doch einfach gar nicht mehr vorkommen.

Fröndenbergs Schwimm-Star Adam Karas beurteilt einen eingefleischten Nichtschwimmer

Adam Karas' Hobby ist die Fotografie, hier kann er sich total versenken und entspannen. © Martin Krehl

Adam Karas staunt, wie wenig Schulkinder auch an weiterführenden Schulen im Wasser können; manchmal beobachtet er beim Training Schulklassen und kann sich nur wundern: „Da versagt auch das System. Es muss natürlich mehr Bäder geben, mehr Lehrer, mehr Unterricht. Dann wären Kinder auch gesünder“. Kein Kind wäre zu dick, Schwimmen verbrauche die meisten Kalorien. Und verlernen kann man es nicht.

Nach 25 Metern in der Schwimmsporthalle Unna reif fürs Sauerstoffzelt

Adam Karas meint, dies seien Investitionen, die sich in der Zukunft lohnen würden. Vielleicht würde manch einer dann genau wie er auch Gefallen an dem Element Wasser haben und sich dem Schwimmsport widmen.

Der Hohenheider, dessen Eltern aus Polen stammen, studiert jetzt im ersten Semester Elektrotechnik an der TU Dortmund, da arbeitet er bis zu 60 Stunden intensiv fürs Studium. Trotzdem, fürs Schwimmen findet er immer Zeit.

Kaum ist das Foto gemacht, pflügt der 18-Jährige schon durchs Wasser – schnell und locker 200 Meter Bahnen in allen Lagen. Mal eben so.

Ich bin nach 25 Metern mit dem gerade von Adam gelernten korrekten Beinschlag reif fürs Sauerstoffzelt. Aber ich übe, versprochen...

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