Über vier Wochen Weihnachtsbäckerei können diese Frauen nur lachen: Rühren, mischen, unterheben heißt es für das Back-Team aus Ardey an bald 365 Tagen im Jahr. Ergebnis: 1300 Torten in drei Jahren.

Ardey

, 19.12.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sehr groß ist diese Küche nicht. Doch auf die Füße treten sich die vier Frauen der Schicht an diesem Dienstagvormittag nie. Beim Back-Team im Dorfcafé Ardey ist die Hand-in-Hand-Arbeit längst zur Routine geworden.

„Wir scheuen uns vor keiner Torte.“
Mia Gajewski

Barbara Lichte verstreicht gerade cremigen Baiser auf die Stachelbeeren, während Mia Gajewski neben ihr schon einen zweiten, mit Mandelsplittern bestreuten Boden in zwölf tortenstückgroße Deckel zerteilt und nach und nach auf die süße weiße Masse setzt, die ihre Co-Bäckerin jetzt komplett auf die Früchte aufgetragen hat.

„Wenn man harmoniert, klappt das“, sagt Mia Gajewski, die sich von den vielen Fragen gar nicht groß ablenken lässt. Viele Köchinnen verderben im Dorfcafé also ganz bestimmt nicht den Brei? Da schauen die vier Frauen dann doch kurz auf und schütteln vielsagend den Kopf unter ihren Häubchen.

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Nicht nur zur Weihnachtszeit: Ardeys Back-Team schafft 1300 Torten in drei Jahren

Anja Riesenberg (l.) und Gerda Röhrmann beim Blick ins Rezept: Hand in Hand wird beim Back-Team im Dorfcafé Ardey gearbeitet. © Udo Hennes

Im Februar 2017 ging‘s los in der Küche, nachdem gerade das Café Buntes Sofa in der neuen Ardeyer Dorfmitte seinen Betrieb eröffnet hatte. Heute besteht das ehrenamtliche Back-Team, das Heidi Steenhuis aufbaute, aus zwölf Frauen, die in Zweier-Schichten täglich Torten frisch für die Gäste des Cafés zubereiten.

Ein einzelner Herr backt Baumkuchen – Buttercreme mag er nicht

Tatsächlich traute sich bislang kein Mann unter die backenden Amazonen. Stimmt nicht ganz. Ein einzelner Herr, der die Kunst des Baumkuchenbackens beherrscht, lässt sich hin und wieder sehen. Das war es aber auch schon. Baumkuchen ja, mit Buttercreme gibt er sich nicht ab.

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Ardeys Back-Team schafft 1300 Torten in drei Jahren

Eine Spezialität des Back-Teams im Dorfcafé Ardey ist Stachelbeerbaiser. Hier streicht Barbara Lichte die cremige Masse auf die Früchte . . . © Udo Hennes

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Ardeys Back-Team schafft 1300 Torten in drei Jahren

. . . während Mia Gajewski mit einem Tortenteiler zwölf gleichgroße Deckel zurechtschneidet . . . © Udo Hennes

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Ardeys Back-Team schafft 1300 Torten in drei Jahren

. . . und sie anschließend auf den Baiser und die Stachelbeeren hebt. © Udo Hennes

Ständige männliche Unterstützung würde das weibliche Dutzend mit offenen Armen aufnehmen, aber man ist auch ohne bestens organisiert.

Aus zwei Backbüchern können die Frauen unter rund 40 Tortenrezepten auswählen. Es gibt Garniervorschläge und auf Unpässlichkeiten der Gäste wird auch Rücksicht genommen: Allergene werden gekennzeichnet und natürlich gibt es glutenfreie Torten im Sortiment.

„Die Schränke müssen gefüllt sein.“
Gerda Röhrmann

40 verschiedene Torten braucht‘s im Dorfcafé aber ohnehin nicht. Denn das Back-Team arbeitet marktwirtschaftlich: Bei den Gästen gibt‘s natürlich eine Hitliste. Also finden sich Schwarzwälderkirsch, Stachelbeerbaiser oder Capuccinotorte eben regelmäßig in der Auslage. Einen Sortimentswechsel im Drei-Wochen-Rhythmus schafft das Back-Team aber mühelos.

Nicht nur zur Weihnachtszeit: Ardeys Back-Team schafft 1300 Torten in drei Jahren

Das Back-Team im Dorfcafé Ardey kann aus einem Rezeptefundus von rund 40 Torten auswählen. Natürlich gibt es eine Hitliste unter den Gästen. © Udo Hennes

„Frankfurter Kranz nur im Winter“, ruft Maja Gajewski beim Thema Tortenauswahl. Schließlich müssen die Torten – natürlich gekühlt – auch noch einen zweiten Tag im Café überstehen.

Das Waffelkonzept – ja, auch das gibt es – sieht ebenfalls saisonal abgestimmte Angebote vor. „Zimt-Bratapfel mit Walnusseis im Dezember“, sagt Gerda Röhrmann mit derart viel Schmelz in der Stimme, dass es ansonsten kaum eines weiteren Verkaufsarguments bedürfte.

Rezept

Die weihnachtliche Mandarinen-Spekulatius-Torte

  • In der Adventszeit stehen beim Back-Team auch einige besondere Kreationen hoch im Kurs wie zum Beispiel die Mandarinen-Spekulatius-Torte. Rezepte dürfen eigentlich nicht verraten werden. Für unsere Leserinnen und Leser machte das Back-Team aber eine Ausnahme.
  • Zutaten für den Teig: 3 Eier, 1 Prise Salz, 100 g Zucker, 90 g Mehl (405er), 30 g Speisestärke, ½ Tl Backpulver, 30 g zerlassene Butter, 50 g Spekulatiuskeks.
  • Zutaten für die Füllung: 2 Dosen Mandarinen, 400 g Sahne, 4 Tl Sahnesteif, 300 g Mascarpone, 1 Spritzer Vanilleextrakt.
  • Zutaten außerdem: 100 g Mandel-, Haselnuss- oder Erdnusskrokant; Spekulatiuskekse.
  • Zubereitung Teig: Backofen auf 170° C Ober-/Unterhitze vorheizen; Spekulatius in einem Gefrierbeutel mit Kuchenholz grob zerkleinern; Eier, Salz und Zucker etwa 3 bis 4 Minuten cremig rühren; Mehl, Stärke, Backpulver vermischen und durch ein Sieb unterheben; ebenfalls Butter und Spekulatiusbrösel unterheben; Teig in Springform füllen und ca. 15 bis 20 Minuten backen, anschließend abkühlen lassen.
  • Zubereitung Füllung: Mandarinen abtropfen lassen, einige Früchte für die Deko beiseite legen; Sahne etwas schaumig rühren und Sahnesteif steif schlagen und kühl stellen; Mascarpone mit Vanilleextrakt und etwas Mandarinensaft (ca. 40 bis 60 ml) und Sahnesteif kurz verrühren, Sahne unterheben; anschließend die abgetropften Mandarinen unterheben.
  • Torte fertigstellen: Tortenplatte mit Backpapier belegen, darauf den Biskuit legen; die Creme auf den Tortenboden gleichmäßig verteilen; mit Krokant, Mandarinen und Spekulatius dekorieren; bis zum Servieren kühl stellen.

Gerda Röhrmann ist die Einkäuferin des Back-Teams. „Die Schränke müssen gefüllt sein“, sagt die Frau, die damit auch für den Backplan zuständig ist. Der Blick in den Vorratsraum verrät es: Wo ein Dutzend Gläser Stachelbeeren und noch mehr Pakete mit Mehl und Zucker stehen, wird im Akkord gebacken.

Ein dritter Backofen ist der große Wunsch des Back-Teams

Doch auch beim Backen ist Gerda Röhrmann dabei, hat sich mittlerweile schon viel Wissen angeeignet, denn Backwerk war eigentlich nie ihr Ding. „Torte war bei mir immer Gummi arabicum“, sagt die Ardeyerin nicht ohne Selbstironie.

In der Küche wird derweil ohne Unterlass weiter gebacken. An eine Schoko-Zimttorte wagen sich die Frauen zum ersten Mal. Vorsichtig wird die Mousse im Wasserbad aufgeschlagen. „Wir scheuen uns vor keiner Torte“, sagt Maja Gajewski.

Ist auch nicht nötig. Denn ausgestattet ist man mit zwei Backöfen auch technisch bestens in der Ardeyer Tortenschmiede, einen dritten hätten sie aber schon noch gern – ist ja bald Weihnachten. Müßig zu erwähnen, dass sich gut zehn Springformen, etliche Schneebesen und Teigschaber in Schränken und Schubläden verbergen.

Gesundheitszeugnis und Hygienebelehrung sind Pflicht

Das ehrenamtliche Team versorgt einen Cafébetrieb mit Nachschub, der nach außen wie professionell geführt erscheint. Damit Gäste daher auch wirklich niemals in den leeren Backofen schauen müssen, koordiniert Anja Riesenberg den Einsatzplan.

Riesenberg sorgt auch dafür, dass alle Hobby-Bäckerinnen ein Gesundheitszeugnis erhalten und eine Hygienebelehrung empfangen. Die Rechtspflegerin ist eine der wenigen Bäckerinnen im Dorfcafé, die nebenbei noch einen Beruf ausübt. Die meisten Frauen aus dem Back-Team haben ihr Berufsleben dagegen hinter sich und sind heute glücklich, sich an drei, vier Stunden in der Woche mit Leidenschaft für die Sache ausleben zu können.

Das Dorfcafé Buntes Sofa in Ardey hat täglich außer montags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Letzter Öffnungstag in diesem Jahr ist der 19. Dezember. Die Weihnachtspause dauert bis einschließlich 6. Januar 2020.
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