Bis zur offiziellen Schlüsselübergabe an die Vereine und Institutionen aus Dellwig dauert es nicht mehr lang. Die ersten Veranstaltungsideen stehen fest. Und jeder soll die neuen Räumlichkeiten mieten können.

Fröndenberg

, 28.01.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir sind geleitet worden als Christen“, sagt Presbyter Joachim Hosang – und meint damit den langjährigen Weg zum neuen Gemeindehaus. Mit dem Ergebnis seien nun fast alle mehr als zufrieden. Sogar die schärfsten Kritiker des Projekts, deren Herz noch am Bodelschwingh-Haus hängt, ließen sich bei einer Waffel am Sonntag so gut wie überzeugen.

Jetzt, seit es auch einen Telefonanschluss gibt, wird in den nächsten Tagen das Büro vom alten Gemeindehaus am Strickherdicker Weg in das neue Domizil umziehen. Die Schlüsselübergabe an die Vereine und Institutionen, die das alte Gemeindehaus regelmäßig nutzen, ist für den 12. Februar geplant.

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Mit dem Umzug geht’s nun doch schneller als gedacht. Denn am Strickherdicker Weg ist die Heizungsanlage kaputt. Sie zu reparieren würde sich auf gar keinen Fall mehr lohnen. Das Außengelände neben der Kirche ist nun aber so weit befestigt und beleuchtet, dass die Gemeinde trockenen Fußes in ihren neuen „FreiRaum“ gelangt.

Wettbewerb

„FreiRaum“ – der Name ist Programm

  • Die Gemeindeglieder der Evangelischen Kirchengemeinde waren aufgerufen, sich einen Namen für das neue Gemeinde- und Versammlungshaus zu überlegen.
  • Die Entscheidung des Presbyteriums ist dann auf den Namen „FreiRaum“ gefallen. Der Name spreche sowohl aus inhaltlicher Sicht als auch architektonisch für das Gebäude.
  • Denn zum einen ist der Raum ein Freiraum – nicht nur für die Gemeinde sondern für alle Bürgerinnen und Bürger.
  • Zum anderen ist der Raum mit hoher Decke bis ins Spitzdach symbolisch nach oben gen Himmel geöffnet, durch die großen Fenster tatsächlich zur Kirche ausgerichtet.

  • Dennoch habe der Raum auch Mauern, eine räumliche Grenze, sei eben auch eine „Beherbergung“ sagt Pfarrer Jochen Müller.

Am Donnerstag wird die Pfingstfeier geplant

Nachdem Bürgerinnen und Bürger bereits zum Weihnachtsmarkt und zur großartig besuchten Waffelstube am Sonntag einen Blick in die neuen Räume werfen durften, findet am Donnerstagabend ein größeres Treffen im „FreiRaum“ statt. Alle Vereine und Institutionen sind aufgerufen, sich ab 19 Uhr an der Planung für ein Gemeindefest an Pfingsten zu beteiligen. Für die nächste Zeit ist ein Dorftreff an Freitagabenden geplant. Er soll die fehlende Kneipe im Ort ersetzen und im Wechsel von Nutzergruppen des neuen Gemeindehauses organisiert werden.

Am Dienstag öffneten Pfarrer Jochen Müller und einige Presbyter die Tür, um die neuen vier Wände zu zeigen. Beim Betreten des Hauses, das schon von außen gar keine so „kleine Lösung“ zu seien scheint, wie es im Vorfeld befürchtet wurde, riecht es noch nach frischer Farbe.

Neuer „FreiRaum“ der Evangelischen Kirchengemeinde kommt gut an

Ein "FreiRaum", ein Haus der Gemeinde für alle, soll das neue Bürgerhaus in Dellwig sein. Die Presbyter Matthias Ernst, Joachim Hosang, Ingrid Stammer, Ulla Winkelkötter-Hunke und Pfarrer Jochen Müller fühlen sich wohl in ihrem neuen Domizil. © Hornung

Fußboden und Wände sind hell und freundlich gestaltet, schon der Eingangsbereich wirkt mit breitem Flur und offener Küche weitläufig. Weil der neue Versammlungsraum – anders als aus Kostengründen zunächst geplant – mit Spitzdach ohne Zwischenboden eine sehr hohe Decke hat, wirkt auch er geräumig. Obwohl die Gemeinde insgesamt weniger als halb so viel Nutzfläche wie am Strickherdicker Weg hat.

Schon vor rund zehn Jahren waren räumliche Veränderungen Thema

Vor rund zehn Jahren wurde das Geld knapper. Ob Küster oder Chorleiter – die Gemeinde stellte viel auf Ehrenamt um. Und drei Gemeindehäuser wurden einfach zu viel. Also gab die Gemeinde zunächst die Räume in Ardey auf. Es folgte eine Gebäudestrukturanalyse, bei der errechnet wurde, wie viel Fläche eine Kirchengemeinde pro Kopf benötigt. Die Evangelische Kirchengemeinde Dellwig lag immer noch weit über dem vorgegebenen Wert. Doch für Pfarrer Jochen Müller stand immer fest: „Wir brauchen einen Versammlungsraum in Dellwig“.

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Dann kam der glückliche Zufall: Die Evangelische Kirchengemeinde erhielt die Chance, auf einem Grundstück direkt neben der Kirche zu bauen. Erste Ideen, wie ein Gemeindehaus dort aussehen könnte, zeichnete schon der ehemalige Pfarrer Dieter Schiever auf.

Für das Grundstück nebenan lag bereits eine Genehmigung für drei Reihenhäuser vor. Doch der Makler konnte das Grundstück nicht veräußern, bis die Kirche auf den Plan trat, das Grundstück kaufte und statt der drei Reihenhäuser das heutige Gemeindehaus plante.

Neuer „FreiRaum“ der Evangelischen Kirchengemeinde kommt gut an

Direkt an das Gelände der Kirche grenzt das Grundstück, auf das die Evangelische Kirchengemeinde Dellwig das neue Versammlungshaus gebaut hat. © Hornung

Jetzt bietet das in Holzbauweise errichtete Gebäude Platz für rund 60 Menschen an Tischen und Stühlen, ein kleines Büro, eine Küche, barrierearme Toiletten und ein wenig Stauraum. Wenn alles fertig ist, gibt‘s eine Außenterrasse zum Grillen – mit tollem Ausblick. Den Vereinen und Institutionen, die auch das alte Gemeindehaus nutzten, steht das neue ohnehin zu Verfügung. Für kleines Geld können Bürger den Versammlungsraum aber auch mieten.

Das Gebäude ist zum Teil aus Holz errichtet worden: „Die Bauweise ist energetisch hervorragend und es geht schnell“, erklärt Baukirchmeister Matthias Ernst, der ehrenamtlich die Bauaufsicht übernommen hatte. „Und Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, das Haus somit ökologisch“, ergänzt Müller.

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Förderverein, Presbyterium, Kreiskirchenamt, nicht zuletzt die Leadermittel und Spenden einiger Bürger: Zum Gelingen des Vorhabens in Dellwig haben viele Stellen beigetragen. Ob nun alles so gut läuft, wie es sich die Beteiligten erhoffen, wird sich im täglichen Betrieb zeigen.

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