Neue Kettenbiegemaschine: 16-Tonnen-Koloss aus Iserlohn aufwendig angeliefert

dzWestfälisches Kettenschmiedemuseum

Für den Förderverein Kulturzentrum war es ein Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk gleichermaßen. Die tonnenschwere neue Kettenbiegemaschine ist das sechste Exponat für den Außenbereich.

Fröndenberg

, 26.11.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Da sieht man mal, wo Ketten noch genutzt werden“, freute sich Norbert Muczka vom Förderverein Kulturzentrum, der das Kettenschmiedemuseum in Fröndenberg betreibt. An den dicken Ketten einer Fachfirma für Maschinen-Schwertransporte baumelten am Dienstag eine Kettenbiegemaschine und eine Haspel.

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Das Ensemble ist ein neues Exponat für das Westfälische Kettenschmiedemuseum. Zuvor hat die Maschine der Firma Thiele in Iserlohn gute Dienste erweisen. Jetzt war für den Koloss das Ende gekommen. In Fröndenberg an der Graf-Adolf-Straße lebt er gewissermaßen weiter – und erinnert an die alte Industrie.

Firma Thiele hat Transport organisiert und übernimmt die Kosten

„Die Maschine ist Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk zugleich“, sagt Norbert Muczka. Nicht nur das Exponat hat Thiele kostenlos angeboten. Auch der aufwendige Transport, das Aufstellen und Ausrichten ist für den Förderverein vollständig kostenfrei. Zudem wird gerade ein Film fertiggestellt, der die letzten Arbeitstage der Biegemaschine zeigt. Sobald der Erklärstreifen fertig ist, kann das Museum ihn vorführen.

Neue Kettenbiegemaschine: 16-Tonnen-Koloss aus Iserlohn aufwendig angeliefert

Anwohner und Mitglieder des Fördervereins Kulturzentrum wohnten dem Spektakel an der Graf-Adolf-Straße bei, fotografierten und filmten die Anlieferung der tonnenschweren Maschine. © Hornung

Nun handelte es sich bei der 1,50 Meter hohen und 16 Tonnen schweren Maschine nicht um ein Geburtstagsgeschenk, das Thiele per Post zustellen konnte. Und so hat die Firma einen Experten für Schwertransporte beauftragt, der auch die eigenen Maschinen bei Bedarf von A nach B befördert.

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Mit vier großen Fahrzeugen kamen Stahlplatten, Gabelstapler, Haspel und das Herzstück des Transports am späten Vormittag in Fröndenberg an. Unten am Schmiedemuseum war die Graf-Adolf-Straße gesperrt. Damit die Stadtwerke erreichbar bleiben und Anlieger zu ihren Häusern kommen, wies ein Ehrenamtlicher vom Förderverein Kulturzentrum an den Zufahrten weiter oben den Verkehr darauf hin, dass unten am Museum kein Durchkommen ist.

Neue Kettenbiegemaschine: 16-Tonnen-Koloss aus Iserlohn aufwendig angeliefert

Über Stahlplatten musste das Kranfahrzeug den Stellplatz für die Kettenbiegemaschine anfahren. © Hornung

Ein paar Schaulustige Anwohner und interessierte Mitglieder des Fördervereins wurden im Museum mit Kaffee und belegten Brötchen versorgt – während sich die Arbeiter draußen ans Werk machten. Zunächst verlegten sie Stahlplatten über die Wiese bis zum Standort für das neue Exponat, damit das mit Gewichten behängte, 38 Tonnen schwere Kranfahrzeug, an dem noch 16 Tonnen Maschine hingen, nicht einsank.

Anschließend kam der dicke Fisch an den Haken – und wurde vorsichtig in Richtung seines neuen Standorts befördert. Den Boden hatte der Förderverein Kulturzentrum bereits vor mehreren Wochen ertüchtigt. Denn einfach auf die grüne Wiese stelle man solch eine Maschine selbstverständlich nicht.

Neue Kettenbiegemaschine: 16-Tonnen-Koloss aus Iserlohn aufwendig angeliefert

Die genaue Platzierung der Kettenbiegemaschine war Maßarbeit. © Hornung

Kaum war das neue Exponat zu Boden gelassen, setzten Muczka und Kollegen das Bandmaß an. Steht die Maschine wie geplant? So lange der Arbeitskran da ist, ließen sich Fehler ja noch beheben. Das war nicht nötig. Und so konnte als nächstes die Haspel, auf der früher Draht für die Maschine aufgewickelt wurde, an ihren Ruhestandort gehievt werden.

Neue Kettenbiegemaschine: 16-Tonnen-Koloss aus Iserlohn aufwendig angeliefert

Die Kettenbiegemaschine war nicht das einzige Teil, das die Fachfirma anlieferte. Auch eine Haspel, auf die schwerer Draht gewickelt war, hing später noch am Haken. © Hornung

Die Kettenbiegemaschine

  • Der Koloss, der zuletzt in Iserlohn „im Dienst“ war, ist 1,50 Meter hoch und wiegt 16 Tonnen.
  • Die Kettenbiegemaschine wurde im Jahr 1953 in der Maschinenfabrik Meyer Roth & Pastor in Köln-Raderberg gebaut.
  • Last-, Kran- und Handketten konnten mit der Maschine hergestellt werden.
  • Bis zu 2,6 Zentimeter dicken Stabstahl konnte die Maschine biegen.
  • Das ist etwa der Durchmesser des Stahls, den Schmied Dagobert Köster bei seinen Vorführungen verwendet.

„Ich wundere mich, dass das Ordnungsamt gar nicht vorbeischaut“, scherzte Muczka am Rande der Baustelle. Er betonte, dass ein Nutzungsvertrag über den Bereich mit der Stadt abgeschlossen ist. Und erinnerte sich im gleich Zug an Adolf Ulmke, der Anker und Dampfwalze damals einfach so im und am Park abstellte – und Ärger mit der Stadt bekam. „Der hat keine Verträge abgeschlossen“, erinnert sich Muczka gerne an die Kühnheit des großen Fröndenbergers.

Das nunmehr sechste große Exponat im Außenbereich des Museums wird in den kommenden Wochen mit einem Bauzaun geschützt. Später soll die Maschine, ähnlich wie die Exponate im Park, ansehnlich eingezäunt werden.

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