Die Koordinaten und ein Foto währen alles, was von der Naturbeisetzung in den Niederlanden übrigbleibt. Hier in an der Maas bei Venlo hat die Fröndenbergerin Cornelia Büse die Asche ihres Mannes verstreut. © Privat

Naturbeisetzung als Nachbarschaftshilfe: Fröndenbergerin startet Angebot

In Deutschland dürfen Hinterbliebene die Asche eines Verstorbenen nur unter bestimmten Umständen zur Abschiednahme mit nach Hause nehmen. Cornelia Büse hilft dabei.

Sterben, Tod und die anschließende Bestattung sind Themen, über die viele Menschen immer noch nicht gerne reden. Besonders unangenehm wird es, wenn das Geld knapp ist. Cornelia Büse spricht darüber – und möchte Fröndenbergern helfen, eine Abschiednahme im häuslichen Umfeld zu ermöglichen.

Seit 2012 lebt Cornelia Büse in Fröndenberg. Damals trennte sie sich räumlich von ihrem Mann, mit dem sie sich weiterhin gut verstand. Einige Fröndenberger kennen vielleicht den Shabby-Markt in Ostbüren, den die 63-Jährige mehrere Jahre organisiert hat.

Tod des Mannes im Dezember

Andere kennen sie womöglich vom Netzwerk Demenz, in dem sich die qualifizierte Alltagsbegleiterin gemeinsam mit Birgit Mescher und Norbert Zimmering engagiert.

Mit ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten versuchte Cornelia Büse zum einen, in Fröndenberg Fuß zu fassen. Sie füllen ihren Alltag aber auch mit sinnvoller Beschäftigung, seit sie nicht mehr erwerbstätig ist.

Als im Dezember des vergangenen Jahres der eigene Mann starb, ging die Fröndenbergerin einen Weg, der auch Mitbürger interessieren könnte, wie sie vermutet.

Kosten liegen bei rund 1000 Euro

Wunsch ihres Mannes war, dass seine Asche verstreut wird. Das ist in Deutschland grundsätzlich möglich. „In Dortmund und in Letmathe gibt es Asche-Streufelder“, weiß Cornelia Büse, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Außerdem darf die Asche auf See beigesetzt werden.

Allerdings kämen allein für die anonyme Form der Bestattung auf einem Streufeld hohe Kosten von rund 1000 Euro zusammen. „Das hätte ich mir nicht erlauben können“, sagt die Fröndenbergerin ehrlich.

In anderen Ländern wie den Niederlanden, der Schweiz oder Luxemburg muss die Asche von Menschen nicht auf einem offiziellen Asche-Streufeld beigesetzt werden. „Krematorien dürfen die Aschekapsel deshalb aushändigen, wenn die Hinterbliebenen eidesstattlich versichern, die Asche auf ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen ins Ausland zu bringen“, erklärt Büse. Sechs Wochen dürfe die Urne dann zuhause aufbewahrt werden.

Cornelia Büse wohnt seit 2012 an der Westicker Straße in Fröndenberg. Mit ihrem Angebot der Naturbeisetzung möchte sie Nachbarn ehrenamtlich helfen.
Cornelia Büse wohnt seit 2012 an der Westicker Straße in Fröndenberg. Mit ihrem Angebot der Naturbeisetzung möchte sie Nachbarn ehrenamtlich helfen. © Udo Hennes © Udo Hennes

„Mein Mann hatte viele Freunde“, sagt die 63-Jährige. Weil er in der Corona-Zeit verstarb, kamen diese im Abstand von 60 Minuten zeitversetzt in die Wohnung ihres Mannes. Dort stellte die Fröndenbergerin seine Urne für das etwas andere Abschiednehmen auf. Über den Fernseher zeigte sie Fotos . „Die Leute waren sehr glücklich darüber, dass sie sich auf diesem Weg verabschieden konnten.“

Kontakt

Naturbeisetzung in den Niederlanden

  • Bisher möchte Cornelia Büse ihr Angebot erst mal nur allen Fröndenbergern machen. Und zwar kostenlos.
  • Auf ihrer Internetseite unter www.abschieds-agentur.com, die sie noch aufbaut, informiert die Fröndenbergerin über ihr Angebot.
  • Erreichbar ist die Nachbarschaftshilfe für Hinterbliebene Angehörige unter Tel. (0 23 73) 6 88 79 19 oder Tel. 0176 56 79 71 86 sowie auch via Email unter [email protected]

Anschließend fuhr Cornelia Büse mit der Urne nach Holland. Der sogenannte „kleine Grenzverkehr“ machte die Einreise möglich. Ohne Testpflicht dürfen Deutsche bis zu 30 Kilometer weit in die Niederlande hineinfahren, sofern sie sich nicht länger als 24 Stunden jenseits der Grenze aufhalten. Bei Venlo verstreute die Fröndenbergerin die Asche ihres Mannes dann in die Maas.

Corona-Tote im Bekanntenkreis

„Das ist sicher nichts für jeden“, weiß sie. Aber denjenigen, die sich für eine ähnliche Beisetzungsform interessieren, bietet sie ab sofort ihre Hilfe an. Vollkommen ehrenamtlich berät sie Hinterbliebene zuhause und unterstützt sie im Beratungsgespräch beim Bestatter. Denn nicht alle wollen die Urne aushändigen. „Ich würde auch nach Holland fahren und die Asche beisetzen“, sagt Büse.

Vor allem in der Corona-Zeit biete das Aufstellen der Urne zuhause eine gute Möglichkeit der persönlichen Abschiednahme, weiß Büse. Sie selbst hatte zwei Corona-Tote im Bekanntenkreis.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
Zur Autorenseite
Dagmar Hornung

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.