Namenspatron des Schmallenbach-Hauses wirkte fast ein halbes Jahrhundert in Fröndenberg

dzEhrenbürger

An einen bemerkenswerten Fröndenberger erinnerte der Heimatverein am Pfingstsamstag bei der zweiten Museumsöffnung im Stiftsgebäude. Pfarrer Schmallenbach hat viele Spuren in der Stadt hinterlassen.

von Sebastian Pähler

10.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Dort, wo heute das Heimatmuseum beheimatet ist, wohnte und wirkte einst Pfarrer Heinrich Schmallenbach, der bis heute älteren Fröndenbergern in Erinnerung ist.

Erinnerungen an den einzigen Ehrenbürger Fröndenbergs

Wer in Fröndenberg den Namen Schmallenbach hört, denkt wahrscheinlich an die Pflegeeinrichtungen auf dem Hirschberg und in der Stadt. Doch ihren Namen haben diese von einem Mann, der als Pfarrer der katholischen Gemeinde fast die Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Ruhrstadt wirkte.

Persönliche Erfahrungen mit dem Geistlichen Rat

Welche Bedeutung Heinrich Schmallenbach für die Stadt hatte, kann man daran ablesen, dass er bis heute Fröndenbergs einziger Ehrenbürger ist.

„Das Hospital war die Keimzelle des heutigen Schmallenbachhauses.“
Stadtarchivar Jochen von Nathusius

Rund ein Dutzend Fröndenbergerinnen und Fröndenberger, darunter viele die ihn noch erlebt haben, kamen am Samstag ins Heimatmuseum, bei der zweiten Museumsöffnung mehr über ihn zu erfahren und ihre persönlichen Erfahrungen mit dem „Geistlichen Rat“ Schmallenbach zu teilen.

Ein Mann mit Charakter - das zeigt auch ein gemaltes Porträt

Dass er Charakter hatte, ist auch seinem Porträt anzusehen, das Heimatpfleger Jochen von Nathusius und Rainer Ströwer vom Heimatverein im Stiftsgebäude präsentierten.

Pfarrer Schmallenbach stammte aus dem Siegerland

Er wurde am 20. August 1871 als zweitjüngstes von zehn Kindern des Landwirts Hermann Schmallenbach und seiner Ehefrau Anna Katharina in Obernetphen im Siegerland geboren. 1897 wurde er im Hohen Dom zu Paderborn zum Priester geweiht.

Der Tod des Fröndenberger Pfarrers führte ihn zu St. Marien

Von 1897 bis 1902 war er Vikar in Bödefeld im Sauerland, danach bis 1911 Pfarrer in St. Marien in Freudenberg im Siegerland. Im Februar dieses Jahrs starb in Fröndenberg Pfarrer Joseph Bernhard Schröder, der seit 1881 im Amt war. „Lange Amtszeiten waren damals durchaus üblich“, erläuterte von Nathusius. Unter Schröder war die Marienkirche errichtet worden, in der Schmallenbach am 25. Juli 2011 die vakante Stelle des Pfarrers übernahm. Rund 1400 Katholiken gab es damals in der Gemeinde.

Namenspatron des Schmallenbach-Hauses wirkte fast ein halbes Jahrhundert in Fröndenberg

Sein Bild, sein Kreutz und sein Bierseidel erzählen viel über Pfarrer Schmallenbach. © Sebastian Pähler

Ein Haus, das seinen Namen trägt

1916 wurde in Fröndenberg eine Niederlassung Olper Franziskanerinnen eröffnet, für die sich Pfarrer Schmallenbach stark gemacht hatte. Ihr Ziel war die „Krankenpflege, Pflege und Unterweisung noch nicht schulpflichtiger katholischer Kinder in einer Kleinkinder-Bewahranstalt sowie Unterweisung nicht mehr schulpflichtiger katholischer Mädchen in Handarbeit“.

Aus der Fabrikantenvilla wird das Marienhospital

Nach dem Ersten Weltkrieg ging in Fröndenberg ein Elektrokabelwerk bankrott. Für die Besitzer bedeutete das auch, dass sie ihre, bereits im Bau befindliche Fabrikantenvilla aufgeben. Durch Schmallenbachs Wirken und mit vielen Spenden entstand daraus stattdessen 1927 das Marienhospital, in dem die Olper Franziskanerinnen bis 1962 tätig waren. „Das Hospital war die Keimzelle des heutigen Schmallenbachhauses“, erläuterte Heimatpfleger von Nathusius.

Offener Umgang mit Andersgläubigen - beim Doppelwacholder

Bekannt war Pfarrer Hermann Schmallenbach auch für seinen offenen Umgang mit Andersgläubigen. So wussten einige Teilnehmer der Museumsöffnung etwa Anekdoten über seine Freundschafft mit dem evangelischen Pfarrer Gustav Stollberg zu berichtet. So trafen sich die beiden Geistlichen etwa regelmäßig zum „Doppelwacholder“.

„Gustav, wir sehen uns bald beim selben Herrgott wieder.“
Pfarrer Schmallenbach am Grab des evangelischen Pastors

Als die Marienkirche 1945 durch drei Bombentreffer zerstört wurde, soll Schmallenbach im Luftschutzbunker zu Stollberg gesagt haben: „Jetzt komme ich wieder in deine Kirche“. So wurde die Stiftskirche von beiden Gemeinden genutzt, bis die Marienkirche wieder aufgebaut war.

Als Pfarrer Stollberg stab, machte Schmallenbach das Schlusswort und sagte am offenen Sarg zu seinem Freund „Gustav, wir sehen uns bald beim gleichen Herrgott wieder“. Wenig später, am 20. August 1956 starb Heinrich Schmallenbach im Alter von 85 Jahren. Er wurde auf dem alten Friedhof an der Seite seiner Vorgänger beigesetzt.

„Ich finde, dass er schon eine sehr bemerkenswerte Persönlichkeit der Ortsstabilität war“, schloss Jochen von Nathusius seinen Vortrag ab.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Samstag Gemeindeversammlung

Die Wege von Ex-Pfarrer und Kirchenvorstand trennen sich ohne Worte

Hellweger Anzeiger Schulsanierung

High-End-Ausstattung: Zweites Jahrgangscluster für Gesamtschul-Neulinge ist fertig

Hellweger Anzeiger Wanderung

„Zu neuen Ufern und alten Höfen“: Politiker-Wanderung „mündet“ am Hof Sümmermann

Hellweger Anzeiger Infrastruktur

Straßenlaternen leuchten am helllichten Tag: Eine Mission der Stadtwerke Fröndenberg

Meistgelesen