Eine Pracht in grün, rot, weiß und blau: Eine Blühwiese auf der Fröndenberger Hohenheide ist Vorbild für weitere Flächen, die in den nächsten Jahren als Nahrungsquelle und Lebensraum für Insekten und Vögel folgen sollen.

Fröndenberg

, 22.06.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nabu Fröndenberg und Stadtverwaltung haben auf der Hohenheide schulmäßig eine Blühwiese angelegt, die als Prototyp für weitere derzeit noch brach liegende Flächen dienen soll. Motiv für das Projekt: bedrohten Insekten, Singvögeln und sogar Fledermäusen wieder mehr Nahrungsquellen oder Lebensraum zu bieten.

Saat ist auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern aufgegangen

Das Projekt auf einem jahrelang ungenutzten städtischen Grundstück begann im Herbst 2018 mit dem Umgraben der Wiese und Ausbringen der Saat und steht in diesen Tagen vor seinem vorläufigen Höhepunkt: Auf rund 1000 Quadratmetern ist die Saat unverkennbar aufgegangen, es sprießen Dutzende unterschiedlicher Gräser und leuchten von rotem Klatschmohn über blaue Wicken und Kornblumen bis zu weißen Margeriten etliche nektarreiche Blumen.

Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel: Blühwiese als Vorbild für ganz Fröndenberg

Wolfgang Schumacher vom Nabu hat eine Hinweistafel liebevoll gestaltet. Die Biene Maja hat nach seiner Vorlage Schreinermeister Gerhard Tewes von der Hohenheide ausgefräst – einer von vielen Helfern, die das Blühwiesenprojekt unterstützen wollen. © Marcel Drawe

Paul Schlücking von der Nabu-Ortsgruppe Fröndenberg hat die Blühwiese bereits unter die Lupe genommen: Seit dem Frühjahr, als das erste Grün ausschlug, hat der Fachmann 33 Blütenpflanzen und sieben Gräserarten detailliert erfasst und fotografiert. Entdeckt hat Schlücking beim Durchschreiten der Wiese zum Beispiel den Kriechenden Hahnenfuß, das Hirtentäschelkraut, die Rote Taubnessel, aber auch Gundermann, Vogelmiere und den Schlitzblättrigen Storchschnabel - botanische Namen, bei dessen Klang jedem Naturfreund das Herz höher schlagen dürfte.

Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel: Blühwiese als Vorbild für ganz Fröndenberg

Das ist das Bild des Grundstücks auf der Hohenheide im Juni 2019... © Marcel Drawe

Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel: Blühwiese als Vorbild für ganz Fröndenberg

... und so sah das Grundstück im Oktober 2018 aus, nachdem die Firma Kuhlmann aus Holzwickede mit der Umkehrfräse die wilde Wiese umgepflügt hatte. © Borys Sarad

„Die Zahl der Arten dürfte sich bis zum Herbst noch auf 50 erweitern“, schätzt Paul Schlücking. Damit sind zwei entscheidende Punkte angesprochen: der Zeitraum der Vegetation und die Artenvielfalt. Die Blumenweide blüht vom Frühjahr bis zum Herbst und bietet für Insekten damit praktisch ganzjährig Pollen und Nektar. Und auch die Artenviefalt, die auf eine von der Biologischen Station angeratene spezielle Saatgutmischung zurückgeht, ist von entscheidender Bedeutung für den Wert einer Blühwiese. „Jede Blüten- oder Gräserart ist Nahrungsquelle oder Lebensraum für fünf unterschiedliche Insektenarten“, erläutert Schlücking.

Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel: Blühwiese als Vorbild für ganz Fröndenberg

Aus dieser Saatmischung ist die prächtige Blühwiese auf dem Grundstück entstanden. © Borys Sarad

Bienen, Hummeln, Schmetterlinge – natürlich denkt man zunächst an die sichtbaren Insekten, denen die artenreichen Wiesen zugute kommen. Die Wiesen sind aber auch für Wanzen, Milben, Ameisen oder Spinnentiere ein idealer Lebensraum. Diesen muss eine Blühwiese neben der Nektarquelle stets auch bieten. Daher sind wiederum Gräser wichtig. Sie sind Entwicklungsort für viele Insekten wie etwa Raupen von Faltern und Schmetterlingen.

Bürgerantrag gab den Anstoß für die Blühwiese

Das Grundstück war vor Jahren bei der Erschließung des Neubaugebietes In den Telgen-West nicht vermarktet worden, weil ein Strommast auf der Fläche steht. Zwar diente es als wilde Wiese quasi bereits als Ausgleichsfläche, die heutige Artenvielfalt wurde aber nie erreicht.

»Das, was wir hier an Geld reinstecken, bekommen wir in den nächsten Jahren doppelt und dreifach wieder heraus.«
Paul Schlücking, Nabu Fröndenberg

Dafür gab ein Bürgerantrag letztes Jahr den Anstoß. Die Stadt wird auf ihrem Grundstück nun die Mahd übernehmen. Die Zeitpunkte dafür müssen genau abgepasst werden, um die Vielfalt zu erhalten: Die Blüher und Gräser müssen zunächst abgesamt haben, wie Detlef Penzek vom Grünflächenamt erklärt.

„Das Schöne ist, dass der Nabu sich engagiert“, sagt Penzek. Denn ohne das ehrenamtliche Engagement könnte die Stadt beim Natur- und Artenschutz nur einen Bruchteil des gesamten Vorhabens erreichen: elf Flächen und acht kleinere Teilflächen können nach Begutachtung durch die Biologische Station in Blühstreifen umgewandelt werden.

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Der Nabu wiederum freut sich, dass die Blühwiese auf der Hohenheide für positive Resonanz sorgt. „Der Klatschmohneffekt hat reine Begeisterung ausgelöst“, berichtet Wolfgang Schumacher, der neben dem Grundstück wohnt. Es halten nicht nur viele Autofahrer an, um Fotos zu schießen. In der Nachbarschaft fand sich auch bereits eine Gruppe, die die Pflege der Weide übernehmen will. Paten sucht der Nabu ohnehin für künftige Blühstreifen. Die freiwilligen Helfer könnten mähen, die Mahd einsammeln, Pflanzen bestimmen oder auch bestimmte dominante Pflanzen wie Disteln und Brennnesseln entnehmen. Für diese Aufgaben müsse man keinen Bio-Leistungskurs besucht haben.

Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel: Blühwiese als Vorbild für ganz Fröndenberg

Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge gibt es ein reichhaltiges Nektarbüfett auf der Wiese; aber auch der Lebensraum für die verschiedenen Entwicklungsstadien der Insekten und Spinnentiere ist gegeben. © Marcus Land

Je mehr Ehrenamtliche sich finden, umso besser. Das könnte auch Kritik an den Kosten des Blühstreifenkonzepts verstummen lassen. Zumal jedes Ökosystem auch einen ökonomischen Wert habe. „Das, was wir hier an Geld reinstecken, bekommen wir in den nächsten Jahren doppelt und dreifach wieder heraus“, ist sich Paul Schlücking sicher. Detlef Penzek bringt ein solches ökonomisches Beispiel aus China: Dort bepinseln Schüler in speziell dafür ausgerufenen Ferien bereits per Hand die Blüten, weil es nicht mehr genügend Insekten zum Bestäuben der Obstbäume gibt. Umfräsen und Saatmischung für die Wiese auf der Hohenheide haben übrigens rund 2000 Euro gekostet.

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