Eine kleine Catering-Firma in Frauenhand ist das erfolgreichste Integrationsprojekt der Region. Dank Nada Homssi-Dadikhi. Die Kundschaft ist fast rein deutsch. Und isst jetzt syrisch...

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 05.10.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Solch' eine Frage stellt man arabischen Menschen nicht. Sie haben darauf keine Antwort. Nada Homssi-Dadikhi muss überlegen, ob und wenn ja welchen Grund es gegeben haben mag, seinerzeit den in unerwarteten Mengen kommenden syrischen Flüchtlingen in Fröndenberg spontan zu helfen. „Warum? Weil ich da war...“

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Da, also in Deutschland, ist die sympathische Akademikerin und Unternehmerin seit 1991. Da kam sie mit ihrer Familie erst nach Duisburg, dann Dortmund, dann Frömern. Seit drei Jahren lebt sie nun in Unna.

Englische Literatur in Aleppo studiert

In Aleppo hatte sie englische Literatur studiert und in einem Personalbüro gearbeitet. In Deutschland wurde sie Heilpraktikerin. Sie wendet ausschließlich Naturheilmittel an. Drei Jungs hat sie geboren, alle sind zweisprachig – „bis zur Grundschule haben die echt geglaubt, zuhause dürfe man nicht Deutsch reden...“ Lacht und rührt in einem riesigen Topf eine sämige Linsensuppe an.

Nada Homssi-Dadikhi war einfach da und half Syrerinnen beim Start in Fröndenberg

Nada Homssi-Dadikhi ist Heilpraktikerin, ihre Praxis in Unna will sie unbedingt neben Nefisa weiter betreiben. © Krehl

Natürlich ist sie vor ein paar Jahren ihren Landsleuten sofort zu Hilfe gekommen, hat Deutschland und die Deutschen auf arabisch erklärt, hat Papierkriege geführt, organisiert und beraten, getröstet und aufgemuntert. Das war sozusagen „alternativlos“, sie hätte nicht anders gekonnt – und kann es bis heute nicht.

Seit zwei Jahren ist Nada Homssi-Dadikhi die gute Seele von „Nefisa kocht“, der wohl erfolgreichsten Integrationsarbeit der Region. Fünf syrische Frauen kochen, backen, braten und dekorieren mit Nada Homssi-Dadidkhi für ein inzwischen bekanntes und beliebtes Catering-Unternehmen.

98 Prozent der Kunden der Syrerinnen sind Deutsche

Ein Buffet für 160 Personen mit Köstlichkeiten aus dem Morgenland? „Kein Ding, so etwas stemmen wir inzwischen“, sagt Nada Homssi-Dadikhi stolz. Bei so mancher Hochzeit, so manchem Seminar, sogar bei einem 80. Geburtstag vertraute man dem Team der syrischen Frauen. „98 Prozent unserer Kunden sind Deutsche“, sagt die Chefin.

Nada Homssi-Dadikhi war einfach da und half Syrerinnen beim Start in Fröndenberg

Beim Kochkurs im Treffpunkt Windmühle gab Nada Homssi-Dadikhi (r.), Chefin vom Party-Service „Nefisa kocht“, einiges von ihrem Wissen weiter. © Marcel Drawe

Das Exotische, das Unbekannte, neue Genüsse, Geschmäcker, Texturen und Konsistenzen, gern auch rein vegetarisch – wer sich Nefisa ins Haus holt, wird es nicht bereuen. Der Name stammt übrigens von der arabischen Oma von Nada Homssi-Dadikhi, sie hatte auch noch eine tschechische: „Gulasch kann ich auch...“

„Nefisa“ bedeutet „die Köstliche“.

Der Geschäftserfolg ist bei dem Projekt gar nicht das Wichtigste

Für Nada Homssi-Dadikhi ist der Geschäftserfolg gar nicht das Wichtigste: „Ich will, dass hier die Frauen zum Zuge kommen, vollkommen ohne Männer. Dass sie mit dem, was sie können, Erfolg haben und anerkannt werden, das ist mir die Mühe wert.“ Ihre Entwicklung zu beobachten, vom Flüchtling zur selbstbewussten Köchin – das macht der Chefin so viel Freude.

Ihre Heilpraktikerin-Praxis betreibt die emsige Unnaerin ja weiter, „Nefisa kocht“ im Moment tatsächlich noch nicht jeden Tag in der schmucken, aber kleinen Küche auf dem Hof Eckei am Ostbürener Weg. Die Wochenenden, die Vorweihnachtszeit mit den Betriebsfesten – es ist ein Stoßgeschäft. Das Team hält sich bereit, bis die Kundschaft anruft. Das tut sie aber jetzt immer öfter, die Aufträge werden immer größer und kommen in schnellerer Folge.

Erste Syrerin soll in Vollzeit angestellt werden

Jetzt wird die Firma eine Syrerin fest in Vollzeit anstellen, die Dame arbeitet auch an ihrem Führerschein, denn der Einkauf frisst die meiste Zeit von Nada Homssi-Dadikhi: „Ich fahre bis Hagen, um gute und frische Zutaten zu bekommen.“ Drei Frauen arbeiten auf Minijob-Basis. Ziel ist es für alle weg vom Jobcenter zu kommen.

Eine Syrerin hat extra eine Ausbildung als Hygienefachkraft für Küchen absolviert. Sie unterrichtet die Kolleginnen an den Töpfen und die Chefin. „Ja, ich lerne so viel und bin so dankbar dafür,“ strahlt Nada Homssi-Dadikhi. Ihre Köchinnen kommen aus allen Teilen Syriens und bringen ihr Wissen über Spezialitäten mit, die Nada Homssi-Dadikhi manchmal selbst noch nicht kannte.

Nada Homssi-Dadikhi war einfach da und half Syrerinnen beim Start in Fröndenberg

Karin Eckei (l.) stellt den Frauen um „Nefisa kocht“ eine große Küche auf dem Hof Eckei zur Verfügung. © Marcel Drawe

In dem kleinen Betrieb arbeiten keine Männer. „Wir sind und bleiben ein reiner Frauenbetrieb", konstatiert Nada Homssi-Dadikhi. Die Buffets werden von den Frauen auch zur Kundschaft gebracht und vor Ort aufgebaut und dekoriert. Fahren kann bisher nur die Chefin, aber das soll sich ja bald ändern.

„Wir Menschen aus Aleppo haben sowieso den Tick mit dem Kochen“, meint Nada Homssi-Dadikhi. Und den Tick mit der bedingungslosen Hilfsbereitschaft auch.

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