Die Hecke muss geschnitten werden? Gassi gehen steht an? Oder ein Gang ins Rathaus? Weil Senioren all dies zu beschwerlich sein kann, soll in Ardey eine Nachbarschaftsinitiative gegründet werden.

Ardey

, 22.02.2019, 17:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

In einem gemeinsamen Vorhaben wollen verschiedene Akteure für den Stadtteil Ardey eine Nachbarschaftsinitiative ins Leben rufen. Das Grundanliegen dabei: Älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit ehrenamtlicher Hilfe ein möglichst langes Verbleiben in ihrem gewohnten Wohnumfeld zu ermöglichen. Das können kleinere Handgriffe in Küche und Bad ebenso sein wie Begleitung bei Behördengängen, Gartenarbeit oder schlichtes Zuhören bei einer Tasse Kaffee.

Modellprojekt des Bundesministeriums für Gesundheit

Der größte Fröndenberger Stadtteil profitiert von der Teilnahme an einem Modellprojekt des Bundesministeriums für Gesundheit, für die sich der Förderverein Dorfgemeinschaft Ardey und der Verein Seniorenkreise Fröndenberg stark gemacht haben. „Förderung und Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements durch Servicepunkte“ heißt der sperrige Name des Projekts. Gemeinsam mit 14 anderen Institutionen und Vereinen in Nordrhein-Westfalen ist man ausgewählt worden, weil das innovative Konzept aus Ardey ankam.

«Mein Ziel ist es, die Stadt sozial, solidarisch und sorgend aufzubauen.»
Birgit Mescher, Geschäftsführerin der Seniorenkreise Fröndenberg

Die Initiatoren sind sich recht sicher, warum sie gute Karten bei der Auswahl ihrer Idee hatten. „Das Bunte Sofa in Ardey ist bereits ein Leuchtturmprojekt, Ardey ist ein überschaubarer Stadtteil und außerdem läuft hier schon viel Nachbarschaftshilfe“, sagt Sibylle Fleitmann, die das Dorfcafé in Ardey koordiniert. Organisiert mit Telefondienst und Vermittlungsstelle sind die täglichen Gefälligkeiten der Ardeyer untereinander allerdings längst nicht. Das soll sich künftig ändern – soweit sich überhaupt eine ausreichende Zahl von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für das Projekt meldet. Viel Engagement gibt es im Ortsteil ohnehin schon. „Mit dem Potenzial von 168 Mitgliedern des Fördervereins müsste es möglich sein“, hofft Sibylle Fleitmann. Natürlich sollen sich aber alle Ardeyerinnen und Ardeyer nun von einem Aufruf, der in den nächsten Tagen gestartet wird, angesprochen fühlen. Die Aktiven im Dorf-Café selbst sind bei der neuen Akquise allerdings außen vor. „Es würde dem Ehrenamt zuwiderlaufen, wenn man ihnen noch mehr aufbürden würde“, betont Wolfgang Harwardt, 1. Vorsitzender des Fördervereins.

Keine Konkurrenz zu ambulanten Pflegediensten

Für Birgit Mescher war eine Unterstützung des Projekts nie eine Frage. „Mein Ziel ist es schließlich, die Stadt sozial, solidarisch und sorgend aufzubauen“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Seniorenkreise Fröndenberg. Mescher kennt auch die Zahlen: Ein gutes Drittel der rund 2400 Einwohner von Ardey sind „60plus“. Sie habe bereits mit der Taschengeldbörse die Erfahrung gemacht, dass es ein hohes Potenzial an freiwilligem unbezahlten Engagement gebe, „das aber nicht vollständig abgerufen wird“. Pflegerische Leistungen können und sollen die Ehrenamtlichen nicht erbringen. Denn was die Nachbarschaftsinitiative in Ardey nicht dürfe und nicht wolle: ambulanten Pflegediensten Konkurrenz machen.

Wohn- und Lebensqualität im Quartier verbessern

Haushaltsnahe Dienstleistungen von Profis vermittelt und subventioniert die UKBS für ihre Mieter ab 70 Jahre, die ebenfalls Projektpartner ist. Man engagiere sich nun auch für die Nachbarschaftsinitiative, „weil wir damit etwas dazu beitragen könne, dass die Wohn- und Lebensqualität im Quartier verbessert wird“, sagt Matthias Fischer, Geschäftsführer der Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft. Die UKBS ist bereits Träger der „Neuen Mitte“ Ardey, die neben ärztlicher Versorgung, Geldautomat und Treffpunkten für Jugendliche und Ältere ein neues Dorfzentrum mitkonzipiert hat.

«Nachbarschaftshilfe wird immer weiter an Gewicht gewinnen.»
Wolfgang Harwardt, Vorsitzender Förderverein Dorfgemeinschaft Ardey

„Uns geht es nicht nur um das Produkt Wohnung, sondern auch um das Wohnen“, räumt Matthias Fischer ein, dass ein längerer Verbleib von Mietern in ihren eigenen vier Wänden auch dem Unternehmen zugute komme. Schließlich sei jeder Wohnungswechsel für die UKBS mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden. Ab dem 1. März sollen alle Haushalte in Ardey über die geplante Nachbarschaftsinitiative informiert werden. Man werde mit dem Projekt garantiert beginnen, sobald auch nur ein Ehrenamtlicher seine Hilfe angeboten habe. Denn dass es an Hilfebedürftigen kein Mangel gibt, daran haben die Initiatoren keinen Zweifel.

MODELLPROJEKT

6400 EURO KOMMEN VOM MINISTERIUM

  • Das Modellprojekt wird vom Kuratorium Deutsche Altershilfe im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit in sechs Bundesländern durchgeführt.
  • Gesucht werden innovative Ideen und Best-practice-Beispiele, die vom Kuratorium begleitet und ausgewertet werden.
  • Das Ministerium unterstützt die Teilnahme an dem Projekt mit 6400 Euro; hiervon können Personal- und Sachkosten, Werbemittel und Öffentlichkeitsarbeit bestritten werden.

Sei die Hilfevermittlung erst einmal ins Rollen gekommen, „wird es sich in Ardey herumsprechen“, ist sich Wolfgang Harwardt sicher. Schließlich könne auch jeder Ehrenamtliche im Alter einmal die Rolle wechseln. „Nachbarschaftshilfe wird immer weiter an Gewicht gewinnen.“ So wie es früher auf dem Dorf schon selbstverständlich war. Wolfgang Harwardt lebt es: Er tut sich nicht nur mit Nachbarn zusammen, um gemeinsam – günstiger – Heizöl einzukaufen. „Ich besitze auch die Haustürschlüssel von drei Nachbarn“, verrät er. Hat er einen der Älteren zwei, drei Tage nicht gesehen, schaut er sicherheitshalber einmal nach.

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