Nach unzähligen Straftaten: 24-jähriger Geflüchteter erhält Bewährungsstrafe

dzUrteil gesprochen

Er zog eine Spur der Verwüstung hinter sich her, provozierte ungläubiges Kopfschütteln und Schlagzeilen in Fröndenberg und Umgebung. Dennoch erhielt der 24-Jährige nun vom Unnaer Amtsgericht eine Chance.

von Sylvia Mönnig

Fröndenberg

, 25.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Was ich für mich gelernt habe, ist, dass man hinter die Akten gucken muss.“ Mit diesem Satz brachte Verteidiger Carsten Vogeler auf den Punkt, was ein mehrtägiges Verfahren prägte. Denn der bloße Blick auf die Vorwürfe gegen den 24-jährigen Flüchtling aus Guinea hätte im Vorfeld des Prozesses vor dem Unnaer Schöffengericht keinesfalls mit dem Mann rechnen lassen, der dort dann auf der Anklagebank saß. Unzählige Schwarzfahrten, zerstörte Autos, Randale in der Unterkunft, tätlicher Angriff auf Polizeibeamte, Diebstahl und ein Einbruch in Fröndenberg und Umgebung: Er sorgte immer wieder für Aufsehen, vielleicht auch für Angst. Die Beschädigung eines städtischen Fahrzeugs in Fröndenberg wurde sogar Gegenstand eines Handy-Clips, der in den sozialen Medien kursierte.

Angeklagter sprach von Stimmen im Kopf und Teufeln

Nach mehreren Monaten in U-Haft und nach Einnahme von Medikamenten zeigte sich ein zurückhaltender Mann, der dem Gericht trotz aller Höflichkeit außer Abbitten wenig zu sagen hatte, wenn es um ihn selbst ging. Das, was ihn zur Tatzeit umtrieb, das Ungewisse, das Gefühl, überall ungewollt zu sein, Todesfälle und nicht zuletzt die offenbar dramatischen Erlebnisse in seiner Heimat vor der Flucht beschrieb in erster Linie seine Flüchtlingspatin. Er bestätigte ihre Angaben oder steuerte, auf Nachfrage, selbst ein wenig bei. Dann zum Beispiel, wenn er von den Stimmen in seinem Kopf und von den Teufeln sprach.

Eine eingeschränkte Schuldfähigkeit wegen einer psychischen Störung sah das Gericht letztlich dennoch nicht. Wohl aber, dass das Bild, das in der Prozessakte zunächst unweigerlich entstand und das aktuelle Bild des Angeklagten nicht in Übereinstimmung zu bringen waren. Auf der einen Seite standen die vielen Straftaten und das zum Teil sehr gewaltsame Vorgehen, auf der anderen Seite standen die damalige Situation und die Hilflosigkeit, nicht zu wissen, wie es weitergehen würde.

24-Jähriger zeigte eine deutlich positive Entwicklung

Darüber hinaus sprach die deutlich positive Entwicklung für ihn. Das Gericht folgte dem Antrag der Anklage, verurteilte den Mann zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und ein Bewährungshelfer soll dem 24-Jährigen für die Dauer von drei Jahren als Stütze zur Seite stehen – unter anderem bei behördlichen Belangen. Eine zusätzliche Stütze wird seine Flüchtlingspatin sein. Sie sorgte bereits dafür, dass er nach der Entlassung aus dem Gefängnis nicht im wortwörtlichen Sinne auf der Straße steht.

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