Nach Messerattacke in Fröndenberg: Darum glaubt der Rechtsmediziner nicht an Notwehr

dzMesserattacke im Himmelmannpark

Im Prozess um die Messerattacke auf einen 25-jährigen Mann im Himmelmannpark sagt jetzt ein Rechtsmediziner aus. An die vom Angeklagten geschilderte Notwehrsituation glaubt der Arzt nicht.

Fröndenberg

, 09.06.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei dem Angriff am Abend des 18. Oktober 2019 erlitt das 25-jährige Opfer aus Menden schwere innere und äußere Verletzungen. Mindestens achtmal muss die Klinge des Messers in seinen Körper eingedrungen sein – am Hals, im Gesicht, an der Schulter, der Brust und dem Rücken. Nur eine sofort eingeleitete Notoperation rettete dem Mann das Leben.

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Als Rechtsmediziner Ralph Zweihoff den Verletzten drei Tage später im Klinikum Dortmund-Mitte untersuchte, war dessen gesamter Oberkörper mit Pflastern und Verbänden beklebt. „Der Mann war so gut wie nicht ansprechbar“, sagte der Sachverständige den Richtern am Montag. Immerhin habe der 25-Jährige aber noch zustimmen können, dass der Rechtsmediziner die bisherige Behandlungsakte einsehen durfte.

Lunge und Darm verletzt

Daraus ergibt sich für Zweihoff folgendes Bild: Ein Stich habe die Lunge verletzt, sodass mindestens ein Lungenflügel kollabierte. Ein weiterer Stich habe den Dickdarm perforiert, was zur Folge hatte, dass sich Darminhalt in die Bauchhöhle ergoss. „Beide Verletzungen sind potenziell lebensgefährlich“, sagte der Rechtsmediziner. Die Darmverletzung hätte unbehandelt eine schwere Entzündung der Bauchhöhle zur Folge gehabt.

Während das Opfer der Messerattacke den Richtern erzählt hat, er sei von dem 30 Jahre alten Fröndenberger völlig unvermittelt von hinten angegriffen worden, hat der Angeklagte bei der Polizei eine andere Geschichte erzählt. Danach sei es der Mann aus Menden gewesen, der als erstes ein Messer zückte. Er habe sich dann nur gewehrt.

Auf Fotos fehlt ein entscheidendes Detail

Bei der Antwort auf die Frage, ob diese Notwehr-Variante schlüssig und plausibel ist, musste Rechtsmediziner Zweihoff nicht lange überlegen. Denn auf Bildern, die von dem Angeklagten nach dessen Festnahme gemacht wurden, fehlt seiner Meinung nach ein entscheidendes Detail. „Ich sehe keinerlei Abwehrverletzungen an den Armen oder an den Händen“, sagte der Sachverständige. Aus seiner Erfahrung sei jedoch zu erwarten, dass jemand, der mit einem Messer angegriffen wird, irgendwie versucht, die Klinge von seinem Körper fernzuhalten, und dabei verletzt wird.

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Nun ist es allerdings so, dass auch der Mendener außer den Stich- und Schnittwunden keine Abwehrverletzungen an den Händen erlitten hat. Doch auch das kann der Rechtsmediziner erklären: „Das lässt sich mit einem Angriff von hinten in Einklang bringen“, sagte er den Richtern.

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