Über einen längeren Zeitraum hinweg muss eine Angestellte des Schmallenbach-Hauses einen Senior bestohlen haben. © picture alliance/dpa
Ohne Konsequenzen

Nach Diebstahl in Seniorenheim: Angehöriger verärgert über eingestelltes Verfahren

Über einen längeren Zeitraum hinweg hat eine Angestellte einen oder mehrere Senioren im Schmallenbach-Haus bestohlen. Die Staatsanwaltschaft erklärt nun, warum das Verfahren eingestellt wurde.

Erst fehlten kleine Geldbeträge, dann wurde ein Senior aus dem betreuten Wohnen des Schmallenbach-Hauses stutzig. Wie sich später zeigte, ganz zurecht. Rund ein halbes Jahr wurde er immer wieder bestohlen. Eine Angestellte der Senioreneinrichtung konnte zwar überführt werden – ist nun aber nicht verurteilt worden.

Das ärgert den Enkel des bestohlenen Seniors sehr. Vor allem, um seinen Großvater zu schützen, der nun einfach seine Ruhe haben will, möchte er nicht mit Namen genannt werden. Wohl aber bedauert er den Ausgang des Verfahrens.

Bereits um den Jahreswechsel 2019/2020 stellte der Senior fest, dass in seiner Wohneinheit immer wieder kleine Geldbeträge fehlten. Dass er das Geld einfach ausgegeben – und dies anschließend vergessen hat, stand nicht zur Debatte. Denn er ist auch im hohen Alter noch geistig fit.

Senior führte Buch

So begann der Bestohlene Buch darüber zu führen, wieviel Geld sich in seiner Wohnung befindet und in welchen Abständen es verschwindet. Unterm Strich ist dem Senior nach Auskunft seines Enkels ein höherer vierstelliger Betrag gestohlen worden.

Der Verdacht fiel auf eine Pflegerin, die sich regelmäßig, wenn der Mann nicht in seiner Wohnung war, in die Räumlichkeiten geschlichen und ihn bestohlen haben muss. Zutritt soll sie sich mit einem Generalschlüssel verschafft haben. Mittels einer auf diesen Verdacht hin installierten Videokamera konnte sie gefilmt und überführt werden.

Nun ist der Enkel des Geschädigten mit einem Schreiben darüber informiert worden, dass das Verfahren gegen die Pflegerin eingestellt wurde. Unter anderem, weil die Beschuldigte vorher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. „Außerdem hat sie ihren Arbeitsplatz verloren“, erklärt Staatsanwalt und Sprecher Henner Kruse. Damit hätte die Tat für sie bereits erhebliche Folgen gehabt.

Höhe des gestohlenen Betrags unbekannt

Zudem habe der Beschuldigten niemand nachweisen können, in welchem Umfang sie sich so bereichern konnte. „Senioren berichten häufig, dass ihnen Geld gestohlen wird“, räumt auch der Enkel des Geschädigten ein. Seines Wissens nach konnte der Pflegerin nur im Fall seines Großvaters überhaupt etwas nachgewiesen werden.

verärgerter Enkel

„Jetzt kann sie in einer anderen Einrichtung einfach so weitermachen“, ärgert er sich über das ausgebliebene Urteil. Er könnte sich vorstellen, dass die Corona-Situation etwas damit zu tun hat, dass kleine Verfahren fallengelassen werden.

Das streitet Staatsanwalt Henner Kruse ab: „In der Justiz läuft alles ganz normal.“ Die Wartezeit für Termine vor Gericht sei nun zwar länger – an der Bewertung von Straftaten oder mutmaßlichen Vergehen ändere das aber nichts.

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Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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